Michael Köhlmeiers Großmutter bewahrte einen Flachmann in ihrem stets vollgepackten Koffer auf. Um die schmale Flasche zu leeren, benötigte sie „ein Jahr“, denn sie nippte nur daran. Sie war, wie der Autor jetzt bei einer Lesung in Köln sagte, „eine merkwürdige Frau“. Aber auch eine, die einen prägenden Einfluss auf ihn gehabt hat. Denn die … Süchtig machend wie Weißbrot: Michael Köhlmeier über Märchen weiterlesen
Bücher
Postkarte statt Selfie: La Belle France um 1900
Das Frankreich der vorletzten Jahrhundertwende zeigt sich hier von seinen schönsten Seiten. Die Sonne scheint, die Plätze sind gefegt, die Sehenswürdigkeiten herausgeputzt. Kein Wunder. Denn die rund 800 Aufnahmen, die in dem voluminösen Bildband „Frankreich um 1900“ zu sehen sind, richten sich in erster Linie an Touristen. Die Reisenden verschickten Postkarten, die den Daheimgebliebenen nur … Postkarte statt Selfie: La Belle France um 1900 weiterlesen
Michael Köhlmeier über Heimat, Halunken und den wohligen Geruch des Bügelns
Michael Köhlmeier, der im Oktober 70 Jahre alt wurde, ist ein emsig-erfolgreicher Autor. Seine fulminante Sammlung „Die Märchen“ (Hanser), die einem Vorarlberger Berg-Massiv gleicht, haben wir bereits auf diesem Blog vorgestellt – und zwar HIER. Freilich wissen wir auch, dass der Autor aus Hohenems in Österreich nicht nur ein großer Geschichtenerzähler ist, sondern auch ein … Michael Köhlmeier über Heimat, Halunken und den wohligen Geruch des Bügelns weiterlesen
Zwei Weltpremieren in Köln: Christoph Danne und Arnold Maxwill im Literaturklub
Zwei Weltpremieren an einem Abend – das ist keine schlechte Quote für den Kölner Literaturklub von Adrian Kasnitz. Wie das? Im Theatersaal der „Wohngemeinschaft“ an der Richard-Wagner-Straße gab es jetzt eine „doppelte Book-Release“ mit den Autoren Christoph Danne aus Köln und Arnold Maxwill aus Herne beziehungsweise Dortmund. Ob er nun „politischer als früher“ dichte, lautete … Zwei Weltpremieren in Köln: Christoph Danne und Arnold Maxwill im Literaturklub weiterlesen
Eben noch Kakerlake, jetzt britischer Premier: Ian McEwans bittere Brexit-Satire
Jim Sams, „klug, doch beileibe nicht tiefgründig“, hat keinen guten Start in den Tag. Eben noch Kakerlake, jetzt britischer Premierminister. Ein Mensch also, ein Mann mit „fernen Füßen“ und „wenigen Gliedmaßen“ statt der vielen zappeligen Beinchen, über die er bislang verfügte. Im Mund „ein glitschiger Fleischlappen – ekelhaft vor allem, wenn er sich bewegte, um … Eben noch Kakerlake, jetzt britischer Premier: Ian McEwans bittere Brexit-Satire weiterlesen
Haruki Murakami ist ein Revolutionär, sagt seine Übersetzerin Ursula Gräfe
Haruki Murakami zieht immer. Auch beim Tag der Japanischen Sprache, den das Japanische Kulturinstitut in Köln anlässlich seines 50-jährigen Bestehens ausrichtete. Umso verlockender war der Termin, da die großartige Übersetzerin Ursula Gräfe über den Autor sprach, dessen Prosa sie seit vielen Jahren ins Deutsche überträgt. Vor wenigen Wochen erst wurde die Frankfurterin für ihre Kunst … Haruki Murakami ist ein Revolutionär, sagt seine Übersetzerin Ursula Gräfe weiterlesen
Das Leben der Anderen: Angela Steidele über Frauen, Reisen und die Poetik der Biografie
Biografien haben gerade Hochkonjunktur, sagte der Schriftsteller und Journalist Michael Kohtes auf dem Podium der Kölner Stadtbibliothek. Daraus leitete er die Frage ab: „Was interessiert uns so stark am Leben der Anderen?“ Ja, wer könnte darauf antworten? Auf Einladung des Literaturhaus Köln und des Literatur-in-Köln-Archivs war Angela Steidele so frei. Und sie tat dies mit … Das Leben der Anderen: Angela Steidele über Frauen, Reisen und die Poetik der Biografie weiterlesen
Dank an Deutschland und an Özer Özerturgut: Navid Kermanis gesammelte Reden
"Das Schielen nach der unmittelbaren Wirkung“, so sieht es Navid Kermani, „würde uns alle lahmlegen.“ Daher erwartet der Schriftsteller gar keinen schnellen Effekt, wenn er als Redner auftritt. Hätte er diese Erwartung, könnte er auch gleich zuhause bleiben. Aber das tut er bekanntlich nicht. Kermani ist ein begehrter Redner. Erst recht seit seiner Bundestags-Rede zum … Dank an Deutschland und an Özer Özerturgut: Navid Kermanis gesammelte Reden weiterlesen
Von der ersten Lüge eines Kindes bis zur täglichen Lüge des Erwachsenen: Der Roman „Lügnerin“ von Ayelet Gundar-Goshen
Lügen sind eine höchst ambivalente Sache: verwerflich auf der einen Seite, durchaus notwendig auf der anderen. Bei der Eröffnung der Leseinitiative „Ein Buch für die Stadt“ im Depot 1 des Schauspiel Köln sagte die Schriftstellerin Ayelet Gundar-Goshen, deren wunderbarer Roman „Lügnerin“ in diesem Jahr im Zentrum der Aktion steht: „Jeder Mensch lügt laut Statistik mindestens einmal … Von der ersten Lüge eines Kindes bis zur täglichen Lüge des Erwachsenen: Der Roman „Lügnerin“ von Ayelet Gundar-Goshen weiterlesen
Japanische Schönheiten, Stars und Geisterkatzen – Meisterwerke aus der „fließenden Welt“
„Die große Welle“ von Katsushika Hokusai ist ziemlich gewiss das bekannteste Kunstwerk, das die Welt mit Japan in Verbindung bringt. Ein Farbholzschnitt voller Dramatik in einer Kunstform, die in Fernost reüssierte wie nirgendwo sonst und die die Malerei weltweit beeinflusste. Die Stars des Kabuki-Theaters mit markanten Grimassen und dicker Schminke waren die beliebtesten Motive. Schöne … Japanische Schönheiten, Stars und Geisterkatzen – Meisterwerke aus der „fließenden Welt“ weiterlesen
Lost in Broumov: Ulrike Anna Bleier und Anja Liedtke über ihr Literatur-Stipendium
Was ist nur mit den Rehen los? Im Februar 2019, als sich Anja Liedtke im Kloster Broumov aufhielt, ästen sie da und ästen sie dort. Im April hingegen, als Ulrike Anna Bleier Gast war an diesem Ort an der tschechisch-polnischen Grenze, sah sie nur ein einziges Reh, das durch den Klostergarten wandelte. Was die Schriftstellerin … Lost in Broumov: Ulrike Anna Bleier und Anja Liedtke über ihr Literatur-Stipendium weiterlesen
Naturkunden (3): Henry William Hudson schießt sich ins Knie und erkundet Patagonien
Natur hat Konjunktur. Auch in den Programmen der Verlage. Schon sehr früh dabei war der Verlag Matthes & Seitz Berlin. Dort betreut Judith Schalansky seit 2013 die Sektion „Naturkunden“. Drei neue Offerten stellen wir vor. Nach dem "Buch vom Schleim" - die Besprechung gibt es HIER - und einem Porträt der Eidechsen - HIER, bitteschön … Naturkunden (3): Henry William Hudson schießt sich ins Knie und erkundet Patagonien weiterlesen
Naturkunden (2): Joachim Sartorius über Lurchi, Billy und all die anderen Eidechsen
Natur hat Konjunktur. Auch in den Programmen der Verlage. Schon sehr früh dabei war der Verlag Matthes & Seitz Berlin. Dort betreut Judith Schalansky seit 2013 die Sektion „Naturkunden“. Drei neue Offerten stellen wir in schneller Folge vor. Nach dem "Buch vom Schleim" - die Besprechung gibt es HIER - geht es nun um flotte … Naturkunden (2): Joachim Sartorius über Lurchi, Billy und all die anderen Eidechsen weiterlesen
Naturkunde (1): Susanne Wedlichs großes „Buch vom Schleim“
Natur hat Konjunktur. In allen gesellschaftlichen Bereichen. Auch in literarischen Programmen. Kaum ein Verlag, der sich nicht mit einschlägigen Angeboten auf diese neue Umwelt-Aufmerksamkeit eingestellt hat. Schon sehr früh dabei war der Verlag Matthes & Seitz Berlin. Dort betreut Judith Schalansky seit 2013 die Sektion „Naturkunden“, in der Tiere, Pflanzen, Naturliebhaber porträtiert und damit korrespondierende … Naturkunde (1): Susanne Wedlichs großes „Buch vom Schleim“ weiterlesen
Es war „wie im Paradies“: Geschichte der Stadt Köln im Spätmittelalter
Den Kölnern wird gemeinhin nachgesagt, einen besonderen Stolz auf ihre Stadt entwickelt zu haben. Woher diese Neigung rühren mag? Einige Anhaltspunkte finden sich in dem jüngsten Werk der auf 13 Bände angelegten „Geschichte der Stadt Köln“. Das widmet sich freilich nicht der kölnischen Gegenwart, sondern dem Spätmittelalter, als die freie Reichsstadt Köln so wohlhabend und … Es war „wie im Paradies“: Geschichte der Stadt Köln im Spätmittelalter weiterlesen
Gerhard Rühm in Köln: „Einer der letzten großen Universalkünstler unserer Zeit“
Gerhard Rühm sei „einer der letzten großen Universalkünstler unserer Zeit“, sagte Maria Linsmann zur Eröffnung der Ausstellung „Am Anfang war das Wort“ in der Kunst- und Museumsbibliothek der Stadt Köln. Tatsächlich ist der Wiener als Wahlkölner Schriftsteller auf vielen Feldern, Bildender Künstler, Komponist und Performer in einer Person. Die kleine Ausstellung über drei Bibliotheks-Etagen würdigt … Gerhard Rühm in Köln: „Einer der letzten großen Universalkünstler unserer Zeit“ weiterlesen
Wien, Wien nur du allein: Eine Stadt in der Fotografie
Wien, Wien nur du allein! Um nichts anderes geht es in diesem sachertortenmäßig üppigen Porträt einer Metropole. Es entsteht aus einem schier berstenden Fundus an Fotografien, welche den Zeitraum zwischen 1839 und der Gegenwart abdecken. All das geschieht in Schwarz-Weiß oder Sepia-Braun, nachkoloriert oder in der vierfarbigen Hochglanzvariante. Die Auswahl der Aufnahmen und die Schilderung … Wien, Wien nur du allein: Eine Stadt in der Fotografie weiterlesen
Prachtband über Kathedralen am Rhein (und ein Hinweis auf Notre-Dame, wo es „ganz schlecht“ steht)
Das Ganze ist ein Hochamt, ein Festtag, ein Jubilieren in Bild und Text. Fotograf Florian Monheim und Autor Jürgen Kaiser versammeln in einem Prachtband die großen Kathedralen am Rhein von Konstanz bis Köln (also ohne Chur am Alpenrhein und Utrecht am Oude Rijn). Unterwegs geht es um „Macht und Herrlichkeit“, um himmelsstrebende und erdbeherrschende Spitzenkunst … Prachtband über Kathedralen am Rhein (und ein Hinweis auf Notre-Dame, wo es „ganz schlecht“ steht) weiterlesen
Mit Thrillerautor Marc Raabe vom Pan-Brunnen bis zum Bahnwärterhäuschen
Der Verkehrslärm der Aachener Straße liegt hinter uns. Ruhig ist es in der kleinen Seitenstraße, in der Thriller-Autor Marc Raabe und seine Familie wohnen. Gepflegte Altbauhäuser, kleine Vorgärten, im Laub rascheln ein paar Vögel. Vor 17 Jahren hat es den gebürtigen Erftstädter nach Braunsfeld verschlagen. „Ich mag dieses Viertel sehr“, sagt der Mann, dessen Bücher … Mit Thrillerautor Marc Raabe vom Pan-Brunnen bis zum Bahnwärterhäuschen weiterlesen
Als der Krieg zu Ende war: Fotograf Alfred Tritschler sucht die Nähe der Heiligen
Als der Krieg zu Ende war, hat der Fotograf Alfred Tritschler einige Sammlungsstücke des Museum Schnütgen in Köln mit seiner Kamera in schwarz-weißen Aufnahmen eingefangen. Das heißt: Er hat sie ansatzweise eingefangen. Erkennbar ging es ihm nicht um die Dokumentation von gerettetem, aber noch in der Notaufnahme befindlichen Kulturgut. Die Heiligen hat er nicht in … Als der Krieg zu Ende war: Fotograf Alfred Tritschler sucht die Nähe der Heiligen weiterlesen