Gerhard Rühm in Köln: „Einer der letzten großen Universalkünstler unserer Zeit“

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Gerhard Rühm bei der Eröffnung seiner Ausstellung in der Kunst- und Museumsbibliothek in Köln. Foto: Bücheratlas

Gerhard Rühm sei „einer der letzten großen Universalkünstler unserer Zeit“, sagte Maria Linsmann zur Eröffnung der Ausstellung „Am Anfang war das Wort“ in der Kunst- und Museumsbibliothek der Stadt Köln. Tatsächlich ist der Wiener als Wahlkölner Schriftsteller auf vielen Feldern, Bildender Künstler, Komponist und Performer in einer Person. Die kleine Ausstellung über drei Bibliotheks-Etagen würdigt nun das Werk im Zeichen des Wortes, zumal anhand seiner Künstlerbücher, Unikate und einiger Plastiken.

Schon nahezu legendär sind Rühms „Vertuschungen“, bei denen er real existierende Buchseiten einschwärzt und nur einzelne Worte stehen lässt. Auch finden sich Bücher, denen gleichsam das Herz herausgeschnitten ist, nämlich die bedruckten Abschnitte der Seiten. Der Meister der visuellen Poesie ist oft ganz nah am Schreibakt. Da würdigt er die Typen einer Schreibmaschine, dokumentiert er einen zerbrochenen Kugelschreiber auf verkleckstem Papier („Wutobjekt“) oder packt er in sein dreiteiliges „Beichtgeheimnis“ Bleistift, Radiergummi und Bleistiftspitzer. Es ist eine Kunst der amüsanten Widerhaken.

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„Beichtgeheimnis“ aus den 80er Jahren mit Teufel, Taufe und Täufel. Foto: Bücheratlas

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„Am Anfang war das Wort“ – ein übermaltes Buch aus dem Jahre 1965. Foto: Bücheratlas

Anlässlich der Eröffnung las Rühm, der im Februar 90 Jahre alt wird, einige seiner Texte. Ein Vergnügen eigener Art, weil er – genau – auch ein Vortragskünstler ist. Nach Auskünften über Geld, Gottesdiener und großem Durst ging es in einem Sprechduett mit Monika Lichtenfeld ums „Gerede“. Ein Vorurteil und eine Studie zur Mitteilsamkeit von Frauen und Männern entwickelte sich zur kuriosen Verbindung zweier mal stockender und mal strömender Redeflüsse. Eine poetisch-akustische Attraktion.

Martin Oehlen

Ausstellung in der Kunst- und Museumsbibliothek in Köln (Heinrich-Böll-Platz, im/neben dem Museum Ludwig) bis 2. Februar 2019, geöffnet Di-Do 10-21 Uhr, Fr-So 10-18 Uhr, Mo 14-21 Uhr.

Zur Finissage am 31. Januar 2020 spricht Gerhard Rühm um 18.30 Uhr über sein Werk.

Die Werkausgabe von Gerhard Rühm erscheint bei Matthes & Seitz Berlin.

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