Naturkunden (3): Henry William Hudson schießt sich ins Knie und erkundet Patagonien

Natur hat Konjunktur. Auch in den Programmen der Verlage. Schon sehr früh dabei war der Verlag Matthes & Seitz Berlin. Dort betreut Judith Schalansky seit 2013 die Sektion „Naturkunden“. Drei neue Offerten stellen wir vor. Nach dem „Buch vom Schleim“ – die Besprechung gibt es HIER – und einem Porträt der Eidechsen – HIER, bitteschön – geht es nun um eine Patagonien-Erkundung. 

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Patagonisches Idyll mit reichlich Grün für die vom Naturforscher William Henry Hudson so sehr geschätzte Vogelwelt. Foto: Bücheratlas

Rainer G. Schmidt ist der angenehm kritische Fürsprecher des Werks von William Henry Hudson. Seine Übersetzung des mäandernden Berichts „Müßige Tage in Patagonien“ ist 2010 in der Achilla-Press erschienen. Nun liegt seine leicht überarbeitete und kommentierte deutsche Fassung der „Idle Days in Patagonia“ aus dem Jahre 1893 auch in den Naturkunden vor.

Der „argentinische Nationaldichter“ – 1841 in Quilmes geboren und 1922 in London gestorben – macht sich darin als Feldforscher und Vogelfreund auf nach Patagonien. Allerdings beginnt die Expedition mit einem Schiffbruch, von dem sich Hudson ans Land rettet. Dann schießt er sich auch noch versehentlich eine „Spitzkugel in das linke Knie“, was ihn zu langer Rast zwingt. Die nutzt er für philosophische und – natürlich! – naturkundliche Ausführungen. Diese Beiträge, meint Schmidt, verlieren „manchmal ihre eigene Logik aus dem Blick.“ Bizarr wirkt seine Erzählung einige Male. So wähnt sich Hudson dem „geflügelten Volk“ derart nahe, dass er errötet und ins Dickicht flüchtet, als er sich „Explosionen schrillen Spottgelächters“ einiger Vögel ausgesetzt sieht.

Ja, ein Kauz war dieser Hudson, aber auch ein Experte. Und ein geschätzter Autor überdies. Im Werkverzeichnis findet sich unter anderem der Roman „Green Mansions“ von 1904, der bei uns unter den Titeln „Rima“ (1958) beziehungsweise „Das Vogelmädchen“ (1980) erschienen ist. Erfolgreich war er zudem als Ornithologe. Zwei Vogelarten hat er entdeckt – den Weißflankendunkeltyrann (thaeotricus hudsoni) und den Nördlichen Flügelspiegelcanastero (asthenes hudsoni). Da kann man doch gar nicht anders als zu sagen: Hudson sei Dank.

Martin Oehlen

William Henry Hudson: „Müßige Tage in Patagonien“, Naturkunden No. 57, Matthes & Seitz Berlin, 240 Seiten, 22 Euro.

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