Joan Baez bei ihrem „Last Waltz“ im Londoner Palladium

Eine Folk-Ikone steht da auf der Bühne des Londoner Palladium. Es ist ihr zweiter Abend in der Stadt. Und nach ursprünglichem Plan sollte es der letzte Konzert-Auftritt in Europa sein. Für immer. Denn Joan Baez, 1941 in New York geboren, befindet sich auf großer Abschiedstournee. Aber weil das mit dem Abschiednehmen nicht immer so leicht … Joan Baez bei ihrem „Last Waltz“ im Londoner Palladium weiterlesen

Ingrid Noll gründet eine WG, die auf Gold stößt – und auf ein (kopfloses) Skelett

Es steht zu vermuten, dass Ingrid Noll den alten Gerhard Gläser nicht mag. „Ich bringe in meinen  Büchern in der Regel nur  Menschen um, die ich nicht leiden kann“, sagte sie einmal in einem Interview.  Und der betagte Gläser, ein geldgieriger, übelgelaunter  Kauz mit schlechten Zähnen und ebensolchen  Manieren, ist in der Tat kein Sympathieträger. … Ingrid Noll gründet eine WG, die auf Gold stößt – und auf ein (kopfloses) Skelett weiterlesen

„Ich hasse Kriminalromane und lese sie auch nie“ – Luxor in sechs Etappen (6)

6. Logis und Literatur Das Hotel Winter Palace ist das Traditionshaus der Stadt Luxor und des Nil-Tourismus. Zwar platzt an der Straßenfassade schon ein wenig der ockerfarbene Putz ab, aber das Interieur ist angenehm gediegen und der botanische Garten ein paradiesisches Eiland mit Dattelpalmen, Königspalmen, Zierpalmen und Wiedehopfen zuhauf. Hier auch steht der Pavillion-Anbau mit … „Ich hasse Kriminalromane und lese sie auch nie“ – Luxor in sechs Etappen (6) weiterlesen

„Ich bin der Koch von Eurem Kreuzfahrtschiff“ – Luxor in sechs Etappen (5)

5. Bakschisch Die Ägypter sind hilfsbereite Menschen. In der Bank rufen sie uns vom Ende der Schlange an deren Anfang, damit wir ein paar ägyptische Pfund eintauschen können. Auf dem Markt geben sie bereitwillig Auskunft auf die naive Frage, was die dunkle Stelle auf der Stirn zu bedeuten habe. Und in der abendlichen Dunkelheit weisen … „Ich bin der Koch von Eurem Kreuzfahrtschiff“ – Luxor in sechs Etappen (5) weiterlesen

„Er ist der Stolz Ägyptens“ – Luxor in sechs Etappen (4)

4.  Zur Lage der Nation Über den Staatspräsidenten Sisi werden auch Witze gemacht. Aber Politik ist kein Thema, über das mit Fremden gerne geredet wird. Verständlich. Ägypten wird autokratisch regiert. Und es herrscht der Ausnahmezustand. Da ist ein offenes Wort auch schon mal lebensgefährlich. Menschenrechtsorganisationen weisen auf Folter und Willkür hin. Doch die internationale Staatengemeinschaft … „Er ist der Stolz Ägyptens“ – Luxor in sechs Etappen (4) weiterlesen

Die Gedichte des Isländers Sigurdur Pálsson

Das Wort „sólskin“  kommt einige Mal vor in den Gedichten des Isländers Sigurdur Pálsson. Das klingt auch in der deutschen Übersetzung positiv: „Sonnenschein“. Als Pálsson die Texte für den Band „Gedichte erinnern eine Stimme“ zu Papier brachte, wusste er wohl um den nahenden Tod. Dennoch sind seine Verse alles andere als bittere Klagen über die … Die Gedichte des Isländers Sigurdur Pálsson weiterlesen

„Keine Angst“ – Luxor in sechs Etappen (3)

3. Die Sicherheit Wie es um die Sicherheit im Land bestellt ist, merkt der Besucher gleich nach der Landung. Noch warten wir, dass uns der Flughafenbus zum Terminal fährt, da nähert sich ein achtköpfiger  Reinigungstrupp der Maschine– und jedes seiner Mitglieder wird, bevor es die rückwärtige Gangway betreten darf, einer Leibesvisitation unterzogen. Gut, die Kontrolle … „Keine Angst“ – Luxor in sechs Etappen (3) weiterlesen

Yannic Han Biao Federers Debütroman „Und alles wie aus Pappmaché“

Die Konjunktion „und“ wird selten gewürdigt. Sie ist die graue Maus im Paradiesgarten der Worte. Was sehr ungerecht ist. Denn dieses Bindewort verdeutlicht wie kein anderes, dass alles miteinander zusammenhängt und sich das eine aus dem anderen ergibt. Das führt Yannic Han Biao Federer in seinem Debütroman „Und alles wie aus Pappmaché“ in bestechender Konsequenz … Yannic Han Biao Federers Debütroman „Und alles wie aus Pappmaché“ weiterlesen

„Es hätte erst gestern sein können“ – Luxor in sechs Etappen (2)

2. Tempel-Tips Jetzt wird es ziemlich bilderreich. Denn einige antike Stätten, die vom Standort Luxor aus leicht zu erreichen sind und Schaumaterial für mindestens eine Woche bieten, gibt es hier im Überblick. Dabei handelt es sich nur  um jene Attraktionen, die wir besucht haben. Mehr davon gibt es allemal. Und weiter im Süden (Abu Simbel) … „Es hätte erst gestern sein können“ – Luxor in sechs Etappen (2) weiterlesen

„Diese alten Pharaonen müssen schon phantastische Kerle gewesen sein“ – Luxor in sechs Etappen (1)

1. Das Ziel Simon Doyle sagt es in Agatha Christies Kriminalroman „Tod auf dem Nil“ mit diesen Worten: „Also, ehrlich gesagt, mache ich mir ja nicht viel aus Tempeln und Besichtigungen, aber dies ist wirklich einzigartig! Diese alten Pharaonen müssen schon phantastische Kerle gewesen sein.“ Der Protagonist Simon Doyle ist – Achtung, Spoiler-Alarm – ein … „Diese alten Pharaonen müssen schon phantastische Kerle gewesen sein“ – Luxor in sechs Etappen (1) weiterlesen

Julia Trompeter, das Baby und das Debüt im Kölner Literaturhaus

Das kommt nicht alle Lesungs-Tage vor. Auch nicht im Kölner Literaturhaus. Um 20.12 Uhr schaut Julia Trompeter auf das Display ihres Handys. Derweil beginnt der neben ihr auf dem Podium sitzende Moderator Terry Albrecht, eine Pause anzukündigen. Doch die Autorin unterbricht ihn, gibt Entwarnung und Erläuterung: „Mein kleiner Sohn ist nebenan, und wir wussten nicht, … Julia Trompeter, das Baby und das Debüt im Kölner Literaturhaus weiterlesen

Tana French legt in ihrem Kriminalroman ein Skelett in einem dunklen Garten bei Dublin frei

  Manchmal kann ich es noch immer nicht glauben, dass es Menschen gibt, die meine Bücher kaufen“, sagte Tana French  einmal in einem Interview mit dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. Das ist acht Jahre her, und gerade war ihr  dritter Krimi  „Sterbenskalt“ in deutscher Übersetzung erschienen. Inzwischen  dürfte auch sie    davon überzeugt sein, dass sie zu den Großen … Tana French legt in ihrem Kriminalroman ein Skelett in einem dunklen Garten bei Dublin frei weiterlesen

Julia Trompeter erzählt im wunderbaren „Frühling in Utrecht“ von Fietsen und Liebe

Nach diesem Buch weiß der Leser genau, was er bislang verpasst hat, wenn er noch nie in Utrecht gewesen sein sollte. Und er weiß vor allem, was es für ein Versäumnis gewesen wäre, hätte er Julia Trompeters neuen Roman nach Lektüre der Seite 11 beiseitegelegt. Denn auf dieser Seite findet sich gleich viermal das Wörtchen … Julia Trompeter erzählt im wunderbaren „Frühling in Utrecht“ von Fietsen und Liebe weiterlesen

Hanya Yanagiharas Romanheld zwischen Genialität und Versagen in der Südsee

Hanya Yanagiharas zweiter  Roman   „Ein  wenig Leben“  war ein Megaerfolg. Heiß diskutiert, heftig umstritten. Millionenfach verkauft. Jetzt hat der Verlag Hanser Berlin ihren Debütroman „Das Volk der Bäume“ aus dem Jahr 2013 hinterhergeschoben, wohl in der Hoffnung, an den Erfolg von „Ein wenig Leben“ anzuknüpfen.  Der Plan könnte durchaus aufgehen, denn auch das erste Werk … Hanya Yanagiharas Romanheld zwischen Genialität und Versagen in der Südsee weiterlesen

T. C. Boyle schickt seine Leser auf einen LSD-Trip (und geht selbst auf Tour)

Achtung, jetzt wird’s  mal kurz etwas  kompliziert: Lysergsäurediethylamid. Darum geht es.  Aber weil das kaum jemand, der kein Chemiker oder Fachwörter-Freak ist, locker-flockig auszusprechen vermag, gibt es gute Gründe für die Abkürzung: LSD. Entdeckt hat diese Mutterkorn-Verbindung der Schweizer Albert Hofmann (1906 – 2008). Seinem Wirken im Basel des Jahres 1943 gilt ein schönes Vorspiel … T. C. Boyle schickt seine Leser auf einen LSD-Trip (und geht selbst auf Tour) weiterlesen

Kölner Literaturfestival Poetica im Rauschzustand

Die „Poetica“ ist in Köln angekommen. Anders lässt sich der Zustrom zu den Veranstaltungen des Festivals  kaum erklären, das vom Internationalen Kolleg Morphomata an der Universität  zu Köln und der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt veranstaltet wird. Das ist gewiss bei dieser fünften Ausgabe, die am 26. Januar endet.   Dieser folgten der Rumäne … Kölner Literaturfestival Poetica im Rauschzustand weiterlesen

Goethes Lebensbegleitbuch in einer Hybrid-Ausgabe – ja, was ist das denn?

"Wer kann was Dummes, wer was Kluges denken“, heißt es im zweiten Teil der „Faust“-Tragödie, „das nicht die Vorwelt schon gedacht.“ Was Johann Wolfgang Goethe da dem Mephistopheles in den Mund legt, scheint nichts als wahr zu sein. Nichts Neues mehr unter der Sonne. Oder doch? Immerhin – an eine Hybrid-Ausgabe des „Faust“, wie sie … Goethes Lebensbegleitbuch in einer Hybrid-Ausgabe – ja, was ist das denn? weiterlesen

Shibasaki Tomokas Blick auf Tokio vor den Spielen von 2020

  Ein japanisches Kammerspiel  erzählt Shibasaki Tomoka in ihrem Roman „Frühlingsgarten“, der auf Japanisch tendenziell so zu lesen ist: "Haru no Niwa". Auf den ersten Blick ereignet sich nur wenig in dieser Geschichte um Taro, die Manga-Zeichnerin Nishi und das hellblaue Haus in Tokio. Doch bald schon spürt der Leser, dass sich im Hintergrund die … Shibasaki Tomokas Blick auf Tokio vor den Spielen von 2020 weiterlesen

Mirjam Pressler, 1940 – 2019

"Als ich ein Kind war, gab es so etwas wie Jugendliteratur überhaupt nicht. Erst als meine Töchter anfingen zu lesen, habe ich zum ersten Mal realistische Kinder- und Jugendbücher in die Hand bekommen. Sie haben mir sehr gut gefallen, und ich dachte mir, irgendwann schreibst du auch solche Bücher. Ich habe allerdings nicht gewusst, wie … Mirjam Pressler, 1940 – 2019 weiterlesen

Kerstin Gleba ist die erste Frau an der Spitze von Kiepenheuer & Witsch

"Da fing ich dann endgültig Feuer" Frau Gleba, seit Jahresbeginn sind Sie Verlegerin von Kiepenheuer & Witsch – wie ist Ihre Stimmungslage? Ich bin erfüllt von Freude und Dankbarkeit, auch von Respekt vor der Aufgabe,  und vor allem spüre ich viel Energie. Das große Glück für mich ist, dass Helge Malchow in veränderter Funktion dem … Kerstin Gleba ist die erste Frau an der Spitze von Kiepenheuer & Witsch weiterlesen