„Ich bin der Koch von Eurem Kreuzfahrtschiff“ – Luxor in sechs Etappen (5)

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Die Botschaft am Schaufenster ist eindeutig. Dennoch eilte der Verkäufer zu uns auf die Straße, um zu betonen, dass wir bei ihm keinesfalls bedrängt würden, irgendetwas zu kaufen.            Foto: Bücheratlas

5. Bakschisch

Die Ägypter sind hilfsbereite Menschen. In der Bank rufen sie uns vom Ende der Schlange an deren Anfang, damit wir ein paar ägyptische Pfund eintauschen können. Auf dem Markt geben sie bereitwillig Auskunft auf die naive Frage, was die dunkle Stelle auf der Stirn zu bedeuten habe. Und in der abendlichen Dunkelheit weisen sie ungefragt den kürzesten Weg zurück zum Hotel.

Hingegen: An den touristischen Hotspots – Sehenswürdigkeiten, Hotels, Uferpromenade – wird der Urlaubende vor allem als ideale Einnahmequelle gesehen. Da kann man sich vor einschlägigen Anfragen, Ansprachen, Angeboten kaum retten. Das gilt für Kutschenfahrer, Bootsbesitzer, Souvenirhändler. Eine Auswahl erster Sätze, um ins Gespräch zu kommen: „Wie geht’s?“, „Mensch, Meier!“, „Ich bin der Koch von Eurem Kreuzfahrtschiff. – Wir sind auf keinem Kreuzfahrtschiff. – Äh, aus Eurem Hotel.“, „Come in my shop!“, „Good prize!“, „Only look!“, „Ca va?“, „No hassle!“, „Guten Tag, mein Freund!“, „Give me some bakschisch for my horse“, „Ich erkenne Euch wieder.“,  „Taxi, my friend?“, „Maybe tomorrow?“, „I am Mohammed, you remember?“, „Meine Kalesche heißt Ferrari. You know how much? 40 Pounds. Für Dich: 30 Pounds. Okay, 20 Pounds. No Kalesch? Okay, look my boat.”

Nimmt man eine Dienstleistung an, darf das Bakschisch nicht fehlen. Nimmt man sie nicht an, ist eine kleine Gabe dennoch willkommen („Make me smile!“). Selbstverständlich darf man sich mies fühlen,  wenn man die Bakschisch-Aufforderung ignoriert. Jeder Tourist verfügt über sehr viel mehr Geld als die meisten Ägypter um ihn herum. Aber wenn man selbst auf einer Toilette von gleich zwei Reinigungskräften beobachtet wird, die einem den Wasserhahn aufdrehen, auf den Seifenspender hinweisen, ein paar Fetzen Papier zum Trocknen der Hände reichen und dann einen Obulus wollen – dann nervt das auch einmal. Auf der Toilette will man doch eher allein sein.

Martin Oehlen

Bereits nachzulesen ist Teil 1 „Das Ziel“, Teil 2 „Tempel-Tips“, Teil 3 „Die Sicherheit“ und Teil 4 „Zur Lage der Nation“.

Es folgt ein finaler Beitrag zum Thema „Logis und Literatur“.

 

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