LiK-Archiv liefert die Koordinaten der Literaturstadt Köln: Mit Seghers im Praktikum, mit Ringelnatz in der Bastei und mit Dieter Kühn auf Wohnungssuche

Das sieht schon mal gut aus – ist aber erst der Anfang: Blick auf die Karte des LiK-Archivs. Screenshot. Bücheratlas

Die Literaturstadt Köln wird kartographiert. Es gab eine graue Zeit, da kursierte das Vorurteil, Köln sei keine Stadt der Literatur. Doch davon ist längst nicht mehr die Rede. Nun wird die Fülle sichtbar gemacht durch ein neues Angebot des „Literatur in Köln“-Archivs. Gabriele Ewenz, die Leiterin des zur Stadtbibliothek Köln gehörenden LiK-Archivs, entfaltet eine Karte, die zum Besten gibt, was auf irgendeine Weise mit der Literatur in Verbindung gebracht werden kann: Werke, Wohnorte, Lieblingsplätze, Denkmäler oder Institutionen. Noch ist nicht alles erfasst. Die LiK.map ist – so lesen wir in der Ankündigung – „ein virtueller-interaktiver Stadtplan von Köln, der mit audiovisuellen und textuellen Inhalten sukzessive gefüllt wird.“ Man darf sich freuen: Die relevanten Literatur-Koordinaten der Stadt werden so schnell nicht erschöpft sein.

Doch schon jetzt lohnt der Blick auf die Karte und die dazugehörigen Beiträge. Garantiert werden hier selbst jene, die sich für ortskundig halten, Entdeckungen machen können.

Gut, die Wohnorte von Heinrich Böll sind schon das eine oder andere Mal beschrieben worden. Dass Dieter Wellershoff Architektur und Atmosphäre des Museums für Ostasiatische Kunst geschätzt hat, ist bereits aus seinen Köln-Ansichten „Pan und die Engel“ bekannt. Aber dass Anna Seghers dort ein Praktikum absolviert hat, ist nicht gängige Münze. Und wer weiß schon, warum sich George Orwell im Allianz-Gebäude aufgehalten hat? Oder was der Ochse in der von Paul Nagel entworfenen Wetterfahne auf dem Maternushaus mit Thomas von Aquin zu tun hat? Wie Dieter Kühn seine Wohnung am Wiener Platz schätzen lernte, ist schön beschrieben. Und anrührend geradezu, dass Joachim Ringelnatz die „Bastei“ noch besuchen konnte, die seit scheinbar ewigen Zeiten verschlossen ist. Sein Restaurant-Gedicht endet so: „Ich rufe schmatzend den Ober herbei. / Er will mich nicht verstehen. / Ich wünsche: Es möchte sich die Bastei / Jetzt karussellartig drehen.“

So geht es immer weiter mit Aufschlussreichem und Anekdotischem, Historischem und Zeitgenössischem. Nicht nur zu den Berühmtheiten. Auch Autorinnen und Autoren, die im Kanon keineswegs ganz oben stehen, finden hier Erwähnung. Eine Fundgrube, die auf Zuwachs angelegt ist.  

Martin Oehlen

Das ist der Link: http://www.literaturinkoeln.de

Auf diesem Blog suchen wir ebenfalls literarische Orte auf. Der Blick richtet sich dabei auf Nordrhein-Westfallen. Bisher haben wir dazu zwei Staffeln angeboten – darunter auch einige Beiträge mit der Ortsmarke Köln. Hier die Liste und die Links:

Heinrich-Böll-Wanderweg in Much (HIER)

Kölner Orte der Irmgard Keun (HIER)

Thomas Kling auf der Raketenstation in Hombroich (HIER)

Bilderbuchmuseum auf Burg Wissem in Troisdorf (HIER)

Ferdinand Freiligrath und der Rolandsbogen (HIER)

Der Heinzelmännchen-Brunnen in Köln (HIER)

Rolf-Dieter Brinkmann in der Engelbertstraße in Köln (HIER)

Das Heinrich-Heine-Institut in Düsseldorf (HIER)

Heinrich Bölls Schreibtisch in Köln (HIER)

Annette von Droste-Hülshoff auf Burg Hülshoff in Münster (HIER)

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