Achtung, Australien (16): Der Eighty Mile Beach ist ein Gigant unter den Stränden

Weiter, immer weiter! Auf unserer Reise im Bushcamper von Perth in Western Australia nach Darwin im Northern Territory haben wir ein Reisetagebuch geführt. Ab jetzt (und rückwirkend) mit unseren Campground-Adressen.

Ebbe so weit das Auge reicht

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Bei Ebbe geht es für die Strandläufer weit hinaus. Foto: Bücheratlas

Achtzig Meilen? Ach was, der Eighty Mile Beach ist sehr viel länger. 137 Meilen zieht sich der breite, mit Muscheln übersäte Sandstreifen zwischen Port Hedland und Broome. Das sind rund 220 Kilometer feinster Strand.

Touristen erreichen das Paradies der Pfuhlschnepfen, Regenpfeifer und anderen Wattvögel nur über einige wenige Zufahrtswege. Dreimal sind wir bereits hier gewesen und haben ein paar Tage auf dem Eighty Mile Beach Caravan Park rund 380 Kilometer südlich von Broome verbracht. Wegen des feinen hellen Sands, der aus zig Milliarden zermahlener Muscheln und Seeschnecken besteht. Wegen der spektakulären Sonnenuntergänge, die die Camper allabendlich mit einer Bierdose oder einem Glas Weißwein in der Hand am Strand zelebrieren. Wegen des türkisblauen Wassers, in dem sich Schildkröten, Delfine und die plump wirkenden Dugongs tummeln. Und natürlich wegen der gewaltigen, mehrere Kilometer breiten Wattfläche.

Schier endlos dehnt sich bei Ebbe der wellige, trockengefallene Meeresboden Richtung Westen. In den verbliebenen Tümpeln tummeln sich Fische und winzige Krabben. Eilig graben sich die Tierchen in den nassen Sand, wenn der Schatten eines Wattwanderers auf sie fällt. Weich fühlt sich der Boden unter den nackten Sohlen an, und wenn man ein paar Sekunden an einer Stelle verharrt, versinken die Füße allmählich im Schlick.

Bei Flut stehen die Angler schon frühmorgens dicht an dicht am Wasser, neben sich einen Eimer für den Fang.  Indes: Die meisten steigen nach ein, zwei Stunden frustriert in ihre Allrad-Fahrzeuge und rumpeln ohne „Beute“ davon. Sie werden wiederkommen. Bei der nächsten Flut am Eighty Mile Beach.

Petra Pluwatsch

Mensch des Tages: Ein Sammler für die  Flying Doctors

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Abendstimmung am hohen Himmel des Eighty Mile Beach Foto: Bücheratlas

Es ist Markttag am Eighty Mile Beach. Wie jeden Mittwoch und jeden Freitag zwischen 14 und 16 Uhr. Auf dem Caravan Park gibt es antiquarische Bücher, selbstgefertigte Grußkarten, Schmuck, eine Friseuse für den schnellen Haarschnitt und eine Verlosungs-Aktion zugunsten der Flying Doctors: Ein Los für zwei Dollar, drei für fünf. „Die Flying Doctors sind so wichtig wie eh und je“, sagt uns ein Waliser, der auf den Kanalinseln aufgewachsen ist und im Alter von 5 Jahren nach Australien gekommen ist. Europa hat er seit 1977 nicht mehr gesehen. Obwohl seine Schwestern dort leben. „Fliegen ist nichts für mich. Wir waren ja nicht einmal an der Ostküste Australiens. Auch nicht in Tasmanien. Aber da ist es sowieso viel zu kalt. Es heißt, dort lebten die Eskimos.“

Dann erst einmal ein sachdienlicher Hinweis: „Passt auf den Leguan auf. Der ist heute im Park gesehen worden. Wenn der sich angegriffen fühlt, greift er selbst an. Der springt Dich an, springt sogar auf Deinen Kopf. Die versuchen jetzt, den aus dem Camp zu vertreiben.“

Arbeiten muss der Waliser nicht mehr. So engagiert er sich mit seiner Frau für die Flying Doctors, diese australische Organisation, die wie nur wenige andere für den Spirit dieser Nation steht: Helfen und allen Widrigkeiten trotzen. „Wenn Du hier einen medizinischen Notfall hast, wird es sehr eng. Denn es gibt weit und breit kein Krankenhaus. Du bist wirklich weit weg von allem. Dann kommen die Ärzte angeflogen. Auf dem Highway weiter südlich gibt es ja einen Abschnitt, der für Notlandungen eingerichtet ist. Da ist der Highway nicht nur gerade, was er ja meistens ist, sondern hat auch keine Pfosten als Begrenzungen.“ Stimmt, haben wir gesehen. Und die Ränder an beiden Seiten sind so großzügig von allem Baum- und Strauchwerk befreit, dass da auch ein Jumbo landen könnte.

„Wir finden, dass wir diese Arbeit unterstützen müssen.“ sagt er. Wir sehen das auch so und haben drei Lose gekauft. Gewonnen haben wir nichts. Nicht die Kappe, nicht den Modeschmuck und auch nicht den Hauptpreis, eine Angel fürs Motorboot. „Falls Du die gewinnst“, hatte der Australier aus Wales versprochen, „schenken wir Dir ein Schlauchboot dazu.“ Es hat nicht sollen sein. Also fahren wir weiter.

Martin Oehlen

⊕ Unser Campground:

„Eighty Mile Beach Caravan Park“ am Eighty Mile Beach zwischen Port Hedland (250 Kilometer entfernt) und Broome (380 Kilometer entfernt), Site #52

Was bisher geschah:

1 Wir starteten in Perth (HIER),

2 gelangten nach Ledge Point (HIER),

3 waren eingeregnet im Nambung National Park (HIER),

4 sahen den tatsächlich pinken Pink Lake (HIER),

5 trafen Pelikan-Flüsterer in der Nähe des Kalbarri-NP (HIER),

6 lebten unter Stromatolithen am Hamelin Pool (HIER),

7 wandelten am Shell Beach (HIER),

8 haben uns im Peron-NP im Sand festgefahren (HIER),

9 sind in Carnarvon zum Mond geflogen (HIER),

10  haben die fitten Korallen an der Coral Bay gesehen (HIER) ,

11 blieben länger am North West Cape (HIER),

12 besuchten den Cape range National Park (HIER),

13 fuhren auf dem Yardie Creek (HIER),

14 haben den Highway genossen (HIER) und

15 sahen die Aborigine-Kultur von einst und von heute (HIER).

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