Achtung, Australien (5): Kalbarris Naturfenster, der Fishman und die Pelikan-Flüsterin

Auf unserer Reise im Bushcamper von Perth in Western Australia nach Darwin im Northern Territory haben wir ein Reisetagebuch geführt. Darin küren wir auch jedes Mal einen „Mensch des Tages“. Hier erreichen wir die nächste Station. 

Wunderwerk im Kalbarri National Park

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Das Nature Window ist eine begehrte Foto-Location für Touristen aus aller Welt. Foto: Bücheratlas

Die fernöstliche Reisegruppe kann sich kaum losreißen von dem kleinen Aussichtsplateau am Nature Window. Eine Frau nach der anderen posiert vor dem tiefroten Bogen aus verwittertem Sandstein, der aussieht, als habe jemand riesige Felsplatten aufeinandergetürmt. Ein heftiger Sturm, so scheint, es, könnte das fragile Gebilde zum Einsturz bringen. Was natürlich Unsinn ist.  Das „Naturfenster“ trotzt Wind und Wetter seit hunderttausenden von Jahren.

Von Kalbarri aus, einem aufstrebenden Küstenort an der wild zerklüfteten Coral Coast, sind wir hineingefahren in das Herz des mehr als 180 000 Hektar großen Kalbarri Nationalparks. 80 Kilometer lang und bis zu 100 Meter tief ist die Schlucht, die der Murchison River in Laufe von Millionen Jahren hineingefräst hat in den weichen Sandstein, ehe er bei Kalbarri in den Indischen Ozean mündet.

Es gibt mehrere Aussichtspunkte, von denen aus man hinunterschauen kann auf das quer gestreifte Wunderwerk. Dessen Wände bestehen aus Schichten von rotem und weißem Sand, der vor rund 400 Millionen Jahren hier abgelagert wurde.  Und wer im Frühling kommt, wenn die Tagestemperaturen gemäßigt und die Nächte lausig kalt sind, der wird mit einer weiteren Attraktion belohnt. Dann nämlich überzieht ein bunter Teppich aus Wildblumen das mächtige Sandplateau.

Petra Pluwatsch

Mensch des Tages: Joan (oder Josey oder Little Jones) und die Pelikane

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Joan ist bereit für die morgendliche Fütterungs-Show – der Chef-Pelikan auch. Foto: Bücheratlas

An der Uferpromenade von Kalbarri sind die Hauptdarsteller der Morgenshow schon lange vor den Präsentatoren und den meisten Zuschauern eingetroffen. Ungeduldig warten sie auf Joan („oder Josey oder Little Jones“) und Brian. Denn jeden Morgen um 8.45 Uhr werden die ortsansässigen australischen Pelikane – sie zählen zu den größten ihrer Art weltweit – an dieser Stelle gefüttert. Zum großen Vergnügen der Touristen. Josey neckt die Tiere schon mal mit dem einen oder anderen Fischhappen, während ihr Mann noch die Sitzbänke eines kleinen Rondells mit Gummischaber und Handtuch vom nächtlichen Raureif befreit.

Dann wird erzählt, was die Pelikane zu bieten haben: Eine Flügelspannweite von bis zu drei Metern haben sie, erreichen eine Flughöhe von bis zu 3000 Metern, besitzen einen starken Appetit und verfügen über einen nicht ungefährlichen Schnabel, wenn man ihnen zu nahe kommen sollte. „Es ist keine gute Idee“, sagt Brian“, mit einem Fisch vor dem Schnabel eines Pelikans herumzuwedeln.“ Dies fürs Protokoll: Uns gefällt am besten das fettgelb umrandete Auge, das aber nicht jedem Pelikan eigen ist.

Joan und ihr Mann sind – wie sie sagen – „two out of six“, die sich regelmäßig um die Tiere kümmern. An diesem Morgen sind es sechs Tiere, ein männliches Exemplar und fünf weibliche Repräsentanten. Der – nun ja – Hahn im Korb wird am Ende auch noch am Schnabel kontrolliert, denn da hat Josey einen schwarzen Punkt entdeckt.

Die Pelikan-Show hatte in den 70er Jahren ein Mann eingeführt, den „alle“ nur den „fishman“ nannten. Wenn er vom Meer heimkehrte, fütterte er seine Katzen und auch die Pelikane. Er wohnte an der Hauptstraße, so dass es regelmäßig zu Verkehrstaus kam, wenn die Tiere zu ihm herüberwatschelten oder sich im Sinkflug näherten. Mittlerweile ist die Fütterung auf die Morgensitzungen in Ufernähe konzentriert. Kein Stau. Sobald der Fisch-Eimer verschlossen ist, heben die Tiere ab und fliegen jumbojet-majestätisch zurück auf den Murchison River, der hier in den Indischen Ozean mündet. Denn da gehören sie hin. Und morgen sind Joan und Brian ja wieder da.

Martin Oehlen

⊕ Unser Campground:

„Murchison River Caravan Park“ in Kalbarri, Grey Street, Sites #113 und #10

Was bisher geschah: 

Teil 1 gibt es HIER. Und für den Fall, dass das Interesse geweckt ist, bitte, immer weiterklicken zu den Teilen 2, 3 und 4.

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