Achtung, Australien (12): Türkise Aussichten im Cape Range Nationalpark

Auf unserer Reise im Bushcamper von Perth in Western Australia nach Darwin im Northern Territory haben wir ein Reisetagebuch geführt. Darin küren wir auch jedes Mal einen „Mensch des Tages“. Hier erreichen wir die zwölfte Station.  

Unter Känguruhs und Kakadus von Bucht zu Bucht

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Kakadus entspannen im Eukalyptus-Geäst. Foto: Bücheratlas

Sind wir in der Karibik? Auf einer abgelegenen Südseeinsel? Sind wir natürlich nicht. Wir sind im Cape Range Nationalpark. Bucht reiht sich an Bucht an der Westküste des North West Capes: glasklares, türkisfarbenes Wasser, in das sich kein Hai verirrt, der Sand so fein wie Puderzucker. Manche Abschnitte des rund 50 Kilometer langen Strandes sind wild und rau, übersäht mit Muscheln, Tang und Schwemmholz. Hierhin gelangen nur wenige Besucher, während die wunderbare Turquoise Bay in der Hochsaison schnell überlaufen ist.

Bis zum Ende, zum Yardie Creek, folgen wir der Yardie Creek Road, die über weite Strecken dem Küstenverlauf folgt. Westlich von uns das schnurgerade Ningaloo Reef, seit 2011 Unesco-Welterbe. Östlich von uns die verwitterten, von Canyons durchzogenen Reste eines uralten Gebirges. Kängurus spitzen im Schatten der wenigen Bäume, die in dem karstigen Boden Halt gefunden haben, die Ohren, in den Wipfeln weißer Ghost Trees lärmen Kakadus.

Petra Pluwatsch 

Mensch des Tages: Der Mann, der uns den Schlüssel aus dem Wageninneren holt

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Der Mann hat gerade eine knifflige Aufgabe souverän gelöst. Foto: Bücheratlas

Der Mann vom Exmouth Service Center ist heute schon um 5.30 Uhr aufgestanden. Seinen dreijährigen Enkel, der an Asthma leidet, hatte er ins Krankenhaus gebracht. Jetzt ist es später Nachmittag, und er fährt in seinem Service-Fahrzeug Richtung Yardie Creek im Cape Range Nationalpark. Wir sitzen mit im Wagen. Denn uns hat er aufgelesen an der einsamen Telefonzelle, von wo aus wir ihn im netzschwachen Park erreicht haben. Etwa eine dreiviertel Stunde entfernt von dem Ort, wo wir unseren Bushcamper zurücklassen mussten.

Vor allem hat es der Pannenhelfer mit Touristen zu tun. Und da ist er einiges gewohnt. Dass jemand sich selber aus dem Auto ausschließt, indem der einzige Schlüssel im verschlossenen Wageninneren zurückgelassen wird, wie es uns auf rätselhaft-vertrackte Weise gelungen ist? „Das ist gar nichts!“ sagt er freundlicherweise. „Damit habe ich in der Woche rund fünfmal zu tun. Und mindestens dreimal werde ich gerufen, weil der Motor stockt, nachdem ein Fahrer Benzin statt Diesel getankt hat. Alles menschlich, alles möglich.“

Letztens allerdings habe das ein Fahrer, dessen Fahrzeugmotor streikte, nicht wahrhaben wollen. „Nein, ich habe nicht Benzin statt Diesel getankt. Ich weiß, was ich tue. “ habe der empört versichert. „Also habe ich nichts mehr gesagt und ihn zu seinem Caravan-Platz geschleppt. Bald darauf rief er wieder an, weil der Motor immer noch nicht rund lief. Ich habe den Tankdeckel geöffnet – und klar, das roch eindeutig nach Benzin. Aber nein, sagte der Mann, das kann nicht sein. Gut, dachte ich, soll er meinen, was er will. Dann habe ich ihn aber doch noch gebeten, mal seine Benzinquittung zu überprüfen. Und da stand dann: Benzin für 72 Dollar. Kein Wort vom Diesel. Darauf sagte er: Das kann nicht sein. Da haben die sich an der Tankstelle vertan.“

Den Auto-Fachmann amüsiert das immer noch. Dann umstreift er unseren Bushcamper ganz in Ruhe, ruckelt da und klopft dort, um einen möglichst schonenden Einstieg zu finden. Die Türen gehen gar nicht, die sind sehr gut gesichert. Aber das ausklappbare Dach scheint ihm eine Option zu sein. Und er hat Recht. Der Kniff ist so simpel wie effektiv. Allerdings lassen wir die Details jetzt mal weg. Unsere Freude jedenfalls, als er den Schlüssel in der rechten Hand hochhält, ohne einen Kratzer hinterlassen zu haben, war richtig groß. Das freute ihn dann auch.

Martin Oehlen

Fortsetzung folgt.

Was bisher geschah:

Wir starteten in Perth – und zwar HIER – und waren zuletzt am North West Cape gewesen – und zwar HIER.

 

 

 

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