Achtung, Australien (15): Tausende Spuren der ältesten Kultur auf Erden finden sich im Murujuga-Nationalpark

Auf unserer Reise im Bushcamper von Perth in Western Australia nach Darwin im Northern Territory haben wir ein Reisetagebuch geführt. Hier erreichen wir die 15. Station.  Und es gibt etwas Neues: Ab sofort nennen wir auch unsere Campgrounds. Da folgen wir einer entsprechenden Anfrage. Hätten wir auch selber draufkommen können. Also – ab jetzt. Und rückwirkend haben wir die Campgpounds auch schon angeführt.  

Mehr Felszeichnungen gibt es an keinem anderen Ort Australiens

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Es sieht aus wie eine Geröll-Halde, ist aber in Wahrheit eine uralte Galerie. Man muss allerdings genau hinschauen, um die Ritzungen auf einigen der Steine zu entdecken. Foto: Bücheratlas

Karratha, so lautet diesmal unsere Station. Der Cape Range Nationalpark mit seinen schroffen Bergen und türkisfarbenen Buchten liegt hinter uns. Der North West Coastal Highway führt von der Küste weg durch eine gottverlassene Gegend. Feine Risse überziehen den tiefroten, knochentrockenen Boden. Hier wächst nur noch Spinifex-Gras. In Büscheln haben sich die nadelspitzen Blätter durch die Erde ans Licht gebohrt.

Der Murujuga-Nationalpark, 15 Kilometer nördlich von Karratha auf der Burrup-Halbinsel, ist unser Ziel. Noch ist der 2013 gegründete und von Aborigines verwaltete Park kaum mehr als eine Idee. Bislang führen nur ein paar unwegsame Pfade hindurch, es gibt weder Picknickplätze noch Campingmöglichkeiten. Doch ein Besuch lohne sich auf jeden Fall, versichert uns Joanne, die vor dem nagelneuen Informationszentrum gerade die schwarz-rot-gelbe Fahne der Aborigines hochzieht. Mehrere 100.000 Felszeichnungen der Ureinwohner finden sich hier – so viele, wie an sonst keinem Ort in Australien.

Das Besucherzentrum veranstaltet regelmäßig mehrstündige Führungen, doch heute, an einem Dienstag im August, findet keine Führung statt. So machen wir uns auf eigene Faust auf den Weg. Biegen von der Burrup Peninsula Road ab auf die Hearson Code Road. Und sehen wenig später auf der rechten Seite mehrere gewaltige Steinhaufen. Viele Meter hoch türmt sich das uralte, zerborstene Gestein. Fast wähnt man sich in einem längst verlassenen Steinbruch. Auf der anderen Seite der Straße lodern in eine Industrieanlage Gasflammen in den Himmel. Hier treffen zwei Welten aufeinander.

Ratlos huscht unser Blick über die grauen Granitblöcke. Doch schnell schärft sich das Auge, und wir sehen, eingeritzt in den Felsen, Kreise, die, so erfahren wir später, auf eine nahe Wasserstelle hinweisen. Wir sehen Vogelspuren, Kängurus und Schildkröten. Sogar eine menschliche Figur, die eine Waffe oder einen Boomerang in der Hand zu halten scheint.

Es ist still hier. Nur wenige Besucher verirren sich in diese Einöde, was schade ist. Die ältesten Petroglyphen des Murujuga-Nationalparks sollen bis zu 40.000 Jahre alt sein. Und so wundert es nicht, dass der „Sydney Herald“ die archäologische Fundstätte mit den Felsmalereien in der Höhle von Lascaux in Frankreich gleichsetzt. Die sollen allerdings nicht ganz so alt sein wie die Petroglyphen auf der Burrup-Halbinsel.

Petra Pluwatsch

Mensch des Tages: Die Aborigine-Künstlerin malt die Farben des Landes

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„Die Farben des Landes“ soll dieses Werk eines Tages heißen. Foto: Bücheratlas

Aileen Sandy weiß nicht mehr genau, wann sie mit ihrem aktuellen Werk begonnen hat. „Aber ich hoffe“, sagt die Aborigine-Künstlerin in Roebourne, etwa 70 Kilometer entfernt vom Murujuga National Park, „dass ich es in eienm Monat fertiggestellt haben werde.“ Dann werde es eine ganze Wand füllen. Sie zeigt auf den Fußboden, wo sich die der bereits bemalte Teil der etwa sechs Meter langen Leinwand rollt. „Die Farben des Landes“ soll das Werk heißen. Auf braunem Grund setzt sie mit einem Holzstift Punkt für Punkt auf die grob vorgegebenen Linien. „Das Motiv habe ich schon einmal gemalt, aber viel kleiner.“ sagt sie. „Wenn Ihr wollte, könnt ihr es nebenan im Ausstellungsraum sehen.“

Die Frau gehört zur Künstler-Gemeinschaft „Yinjaa-Barni Art“, untergebracht in einem Flachbau an der sehr ruhigen Hauptstraße von Roebourne, der zugleich Galerie und Atelier ist. „Alle, die hier arbeiten, gehören zu meiner Familie“, sagt sie, während sie unbeirrt ihren Stift in die violette Farbe stippt und auf die Leinwand tupft. Sie zeigt um sich und stellt die Anwesenden vor: „Das ist meine Cousine, das ist meine Schwester, das ist eine andere Cousine.“ Viele tragen den Nachnamen Sandy.

Vor allem sind es Frauen, die hier zwischen Hunderten Farbtöpfen und Farbtuben ihre Punkte setzen. Eine von ihnen hat ihren Lieblingsstift mit Klebeband geflickt, nachdem er gebrochen war. „Früher haben wir Frauen genäht, heute malen wir.“ sagt die Künstlerin. „ Erst in der Aboriginal Church, jetzt hier in der Galerie. Das ist nicht schlecht.“

Sie alle gehören zum Stamm der Yinjaa-Barni der Pilbara-Region. Der Name heißt in der Übersetzung: „Wir stehen zusammen“.

Martin Oehlen

⊕ Unsere Campgrounds:

„Discovery Parks“ in Karratha, Site #131 (für den Ausflug zum Murujuga-Nationalpar)

„The Cove Holiday Village“ in Point Samson, Site T5 (von wo aus wir Richtung Roebourne weitergefahren sind)

Was bisher geschah: 

Das ist der 15.  Teil unserer Westaustralien-Reise. Zur Feier des Jubiläums gibt es hier die Links zu allem, was bisher geschah:

1 Wir starteten in Perth (HIER),

2 gelangten nach Ledge Point (HIER),

3 waren eingeregnet im Nambung National Park (HIER),

4 sahen den tatsächlich pinken Pink Lake (HIER),

5 trafen Pelikan-Flüsterer in der Nähe des Kalbarri-NP (HIER),

6 lebten unter Stromatolithen am Hamelin Pool (HIER),

7 wandelten am Shell Beach (HIER),

8 haben uns im Peron-NP im Sand festgefahren (HIER),

9 sind in Carnarvon zum Mond geflogen (HIER),

10  haben die fitten Korallen an der Coral Bay gesehen (HIER) ,

11 blieben länger am North West Cape (HIER),

12 besuchten den Cape range National Park (HIER),

13 fuhren auf dem Yardie Creek (HIER) und

14 haben den Highway genossen (HIER).

 

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