Nimm das, Pandemie! Das „Kölner Bücherfest“, entstanden zu Lockdown-Zeiten, feiert zum dritten Mal die Literatur  

Bücherfest-Initiatorin Silvia Maul (hinten rechts) kündigt Husch Josten an. Foto: Bücheratlas

Wenn die Dinge nicht laufen, wie sie laufen sollen, dann muss man sie ans Laufen bringen. So ungefähr lässt sich das „Kölner Bücherfest“ erklären, das nun zum dritten Mal stattgefunden hat. Weil während der roten Phase der Pandemie alles viel schwieriger war als zu den vertrauten Zeiten von ehedem, wurde dieses Ein-Tages-Festival ins Leben gerufen. Silvia Maul vom „forum independent“, einem Netzwerk für Verlage, konterte den Lockdown aus mit dieser Plattform für die Buchwelt im Allgemeinen und für die Literatur im Besonderen. Davon haben viele etwas – Autorinnen und Autoren, Verlage und Buchhandel, Leserinnen und Leser. Die Literatur selbstverständlich auch.

Blick in die Lesezukunft

In den hellen Hallen der Michael Horbach Stiftung in der Kölner Südstadt fanden sich jetzt zahlreiche Besucherinnen und Besucher ein. Zu einem bunten Mix aus Ständen mit Büchern, Buchkunst und Kinder-Entertainment. Wer wissen wollte, was die Gegenwart bietet und die Zukunft bringt, sofern man an der Literatur interessiert ist, konnte hier einige Funde heben.

Da pries Uwe Kalkowski vom Eichborn-Verlag die Novitäten des Herbstes an, zu denen er unter anderem Annabel Wahbas Debütroman „Chamäleon“ zählt, eine bayerisch-ägyptische Familiengeschichtet um Leben und Tod. Und Frank Henseleit vom Kupido Verlag, der nicht zuletzt mit exquisiten Ausgaben zur spanisch-portugiesischen Literatur aufwartet, machte neugierig auf den nächsten Band der Werkausgabe zu Manuel Chaves Nogales.

Husch Josten und Norbert Scheuer

Kein Literaturfest ohne Lesungen. Auch dieses nicht. Allerdings hatten die Veranstaltungen im Stundentakt den besonderen Charme, dass für sie kein Eintritt erhoben wurde. Bei strahlendem Sommerwetter, bei dem sich doch „eigentlich“ niemand in Innenräumen aufhalten will, mussten Stühle herangeschafft werden, um möglichst allen Neugierigen einen Sitzplatz zu bieten. Unter anderem lasen Husch Josten aus ihrem Normandie-Roman „Eine redliche Lüge“, bei dem es um Betrug in allen Konfektionsgrößen geht, und Norbert Scheuer aus den „Winterbienen“.

Dabei wurde Norbert Scheuer formidabel unterstützt vom Flötisten Rainer Berger, dessen Intermezzi mal dynamisch und mal zerrissen klangen – und dann auch einmal genau so, als schwirrten Bienen durch den Saal. Das war also tatsächlich ein „Gesamtkunstwerk“, wie es Silvia Maul in der Anmoderation angekündigt hatte. Weil aber die „Winterbienen“ gar nicht der neueste Kall-Roman des Autors ist, sondern „Mutabor“, gab es auch noch eine launige Gesprächsrunde zu dieser Novität. Und das schon mal als Tipp: Im September gehen Norbert Scheuer und Rainer Berger mit dem Missbrauchs-Roman „Mutabor“ auf Lesekonzerttournee (unter anderem in Weilerswist, Wittlich, Bonn).

Ukraine gestern und heute

Eine Ausstellung gab es obendrein: „Ukraine gestern und heute“. Erstmals waren die Illustrationen im April auf Burg Wissem in Troisdorf zu sehen, damals wie jetzt organisiert von der Autorin und Literaturkritikerin Ute Wegmann und der ukrainischen Künstlerin Anna Sarvira. Die Schau ist nicht nur als Solidaritätsbeitrag des „Kölner Bücherfest“ mit der Ukraine zu verstehen. Auch handelt es sich um einen eindrucksvollen Blick in die Stimmungslage eines Landes, das brutal überfallen worden ist. Weiter geht es mit der Ausstellung demnächst in Krefeld, Saarbücken – und dann auch auf der Frankfurter Buchmesse im Oktober.   

Das „Kölner Bücherfest“ ist nun wirklich nicht die Frankfurter Buchmesse. Da ist noch Luft nach oben. Aber ein so kräftiger wie sympathischer Fingerzeig des regionalen Buchhandels ist das Bücherfest ohne Frage. Wenn wir die Zeichen richtig deuten, ist nichts anderes vorstellbar als ein viertes Mal im kommenden Sommer.

Martin Oehlen

Auf diesem Blog

finden sich einige Bücher, die auf dem „Kölner Bücherfest“ ausgestellt wurden. Dazu zählen die Romane von Norbert Scheuer, darunter die „Winterbienen“ (HIER) und „Mutabor“ (HIER).

Aus dem Eichborn Verlag haben wir den Hannah-Arendt-Roman „Was wir scheinen“ von Hildegard E. Keller vorgestellt (HIER) wie auch den Frauenrennrad-Roman „Die Rebellion der Alfonsina Strada“ von Simona Baldelli (HIER), die jetzt auch als Taschenbücher erscheinen.

Zum Kupido Verlag führen Besprechungen von Manuel Chaves Nogales‘ „Ifni“ (HIER) und zu Fernando Pessoas Erzählungen (HIER).

Und über die erste Station der Ausstellung „Ukraine gestern und heute“, die in Troisdorf zu sehen war, haben wir ebenfalls berichtet – und zwar HIER.

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