Best of Bücheratlas 2019 (1): Martin Oehlens Geschenktipps kurz vor Toresschluss

Listen sind prima. Aber auch brutal. Weil – man muss sich halt entscheiden. Daher gilt beim Betrachten der folgenden Empfehlungen: Da sind noch  so viele Titel mehr auf dem Bücheratlas, die die Lektüre und das Verschenken lohnen. Am besten: einfach mal durchscrollen.

Petra Pluwatschs Liste gibt es HIER. An dieser Stelle  erst einmal die von Martin Oehlen.

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Die Spitze im Blick Foto: Bücheratlas

1. Deutschsprachige Belletristik

Das All um Kall weitet sich weiter aus. Norbert Scheuers Roman„Winterbienen“, der auf der Shortlist zum deutschen Buchpreis stand, kommt hier als Tagebuch des Egidius Arimond daher. Er war Nazi-Gegner, Imker, Fluchthelfer für Juden, Epileptiker, Frauenheld, Intellektueller – und dann auch noch verwandt mit dem Benediktiner-Mönch Ambrosius aus der Zeit um 1500. Mehr dazu: HIER.

Norbert Scheuer: „Winterbienen“, C. H. Beck, 320 Seiten, 22 Euro. E-Book: 17,99 Euro.

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2. Internationale Belletristik

Salman Rushdies „Quichotte“ ist ein wildes Buch. Eine Road Novel, die durch die amerikanische Gegenwart führt. Der Held ist auf der Suche nach der Liebe seines Lebens. Rushdie schlägt hier selbstredend einen Bogen zum großen Miguel de Cervantes. Das muss man sich erst einmal trauen. Und dann auch noch können. Rushdie kann. Mehr dazu: HIER.

Salman Rushdie: „Quichotte“, dt. von Sabine Herting, C. Bertelsmann, 460 Seiten, 25 Euro. E-Book: 19,99 Euro.

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3. Lyrik

Sigurdur Palsson, 1948 im Nordosten Islands geboren, ist am 19. September 2017 verstorben. Die Wertschätzung, die er auf der Insel erfuhr, ist groß. Sein preisgekrönter Band „Gedichte erinnern eine Stimme“, 2016 im Original erschienen, liegt nun in einer schönen zweisprachigen Ausgabe vor. Die Übersetzung der allemal nahbaren Gedichte besorgten der Isländer Jón Thor Gíslason und der Deutsche Wolfgang Schiffer. Mehr dazu: HIER.

Sigurdur Palsson: „Gedichte erinnern eine Stimme“, deutsch von Jón Thor Gíslasson und Wolfgang Schiffer, Elif Verlag, 130 Seiten, 20 Euro.

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4. Sachbuch national

Kölns glänzendste Zeit? Das muss im Spätmittelalter gewesen, dem sich nun das jüngste Werk der auf 13 Bände angelegten „Geschichte der Stadt Köln“ widmet. Über die mächtige, wohlhabende und freie Reichsstadt Köln heißt es: „Köln hatte am Ende des Spätmittelalters den Zenit seines europaweiten Ansehens erreicht.“ Den Band, den der 2015 verstorbene Wolfgang Herborn begonnen hat, überarbeitete, ergänzte und vollendete Carl Dietmar. Mehr dazu: HIER.

Wolfgang Herborn und Carl Dietmar: „Köln im Spätmittelalter – 1288-1512/13“, Band 4 der „Geschichte der Stadt Köln“, hrsg. von Werner Eck, Greven Verlag, 630 Seiten, 60 Euro.

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5. Sachbuch international

Jill Lepore durchschreitet den nordamerikanischen Kontinent von der Kolonialisierung bis zur aktuellen Präsidentschaft. Und sie tut dies mit großer Entdeckerlust, welche zu vielen Begegnungen mit Individuen aus dem großen Mahlstrom der Geschichte führt. Das sind nicht immer die großen Lenker, sondern oft diejenigen, die mitgerissen werden – wie etwa Elizabeth Hopkins, die an Bord der „Mayflower“ ein Kind zur Welt bringt und dann wegen der Atlantikstürme nicht in Virginia landet, sondern in Cape Cod. Mehr dazu: HIER.

Jill Lepore: „Diese Wahrheiten – Geschichte der Vereinigten Staaten von Amerika“, dt. von Werner Roller, C. H. Beck, 1120 Seiten, 39,95 Euro. E-Book: 33,99 Euro.

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6. Briefwechsel

Sarah Kirsch und Christa Wolf haben sich vielfach über ihr Schreiben und Leben ausgetauscht – in der DDR, dann über die Mauer hinweg und schließlich noch kurz im vereinigten Deutschland. Im Nachwort heißt es, dass da zwei sehr unterschiedliche Temperamente aufeinandergestoßen seien: „Eine Haltung äußersten Rigorismus bei Kirsch trifft auf den Wunsch nach Abwägen, Verständnis, Ausgleich bei Wolf.“ Mehr dazu: HIER.

Sarah Kirsch und Christa Wolf: „Wir haben uns wirklich an allerhand gewöhnt“, hrsg. von Sabine Wolf, Suhrkamp, 438 Seiten, 32 Euro. E-Book: 27,99 Euro.

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7. Essay

Das Hölderlin-Jubiläumsjahr bricht in wenigen Tagen an. Da kommt Karl-Heinz Otts gelehrter, aber nicht verkapselter Groß-Essay zur rechten Zeit. So zahlreich wie die Stationen sind auch die Assoziationen – von Dionysos (Weingott) bis Dylan (Literaturnobelpreisträger). Ja, es wird allerlei besichtigt auf dieser famosen Wanderung durch die Geistes- und Gesellschaftsgeschichte. Mehr dazu: HIER.

Karl-Heinz Ott: „Hölderlins Geister“, Hanser, 240 Seiten, 22 Euro. E-Book: 16,99 Euro.

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8. Debüt

Es mag nicht immer rund laufen für Jian und seine Freunde. Aber das fordern sie auch gar nicht ein. Es sind keine Träumer, die der Kölner Autor Yannic Han Biao Federer in diesem vielstimmigen, ambitioniert arrangierten, sorgfältig beobachtenden Roman einer Generation porträtiert. Mehr dazu: HIER.

Yannic Han Biao Federer: „Und alles wie aus Pappmaché“, Suhrkamp, 208 Seiten, 14,95 Euro. E-Book: 12,99 Euro.

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9. Bildband

„Die große Welle“ von Katsushika Hokusai ist das bekannteste Kunstwerk, das die Welt mit Japan in Verbindung bringt. Schon recht so. Aber es handelt sich nur um ein Motiv aus einem riesigen Bilderberg, den der spezifisch japanische Farbholzschnitt hervorgebracht hat. Ein Prachtband aus dem Taschen-Verlag gewährt einen faszinierenden Einblick in dieses poppig bunte Panorama aus der Zeit von 1680 bis 1938. Mehr dazu: HIER.

Andreas Marks: „Japanische Holzschnitte“, Taschen, dreisprachig, 622 Seiten, 150 Euro.

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10. Spezialität

Das alte Japan wirkt hier überraschend frisch: Der Dichter Sanyutei Encho (1839-1900) erzählt eine temporeiche Geschichte um eherne Moralapostel und miese Fallensteller, um schlagfertige Samurais und außergewöhnliche Schönheiten, um Liebe und Blutrache – und um Geister. „Die Pfingstrosenlaterne“ lädt nicht nur zur Besichtigung einer vergangenen Welt ein. Auch bietet sie ein fantastisches Lesevergnügen. Mehr dazu: HIER.

Sanyutei Encho: „Die Pfingstrosenlaterne“, dt. von Ingo Böhm, Die Andere Bibliothek, 336 Seiten, 44 Euro.

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7 Gedanken zu “Best of Bücheratlas 2019 (1): Martin Oehlens Geschenktipps kurz vor Toresschluss

  1. Hat dies auf Wortspiele: Ein literarischer Blog rebloggt und kommentierte:
    Der Bücheratlas empfiehlt (natürlich) Bücher für den Gabentisch … Und unter den vielen interessanten Tipps als Lyrik den Gedichtband „Gedichte erinnern eine Stimme“ mit den „allemal nahbaren“ Gedichten von Sigurður Pálsson, erschienen im ELIF Verlag. Dafür dankt herzlichst auch das Übersetzer-Duo Jón Thor Gíslason und Wolfgang Schiffer.

    Gefällt 1 Person

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