
Weiter geht’s! Auch in diesem Sommer leuchtet der gelbe Kulturpavillon, entworfen von der Künstlerin Erika Hock, auf dem Kölner Neumarkt. Zwar musste das städtische Projekt „Nimm Platz“ im vergangenen Jahr pausieren, weil das Geld fehlte. Aber jetzt ist es wieder so weit: Vom 9. Juli bis zum 5. September gibt es täglich ein Kultur-Programm. Auf dem Terminplan stehen Lesungen, Konzerte, Tanz, Film, Performances, Gespräche und Fotoprojekte. All das kostenlos und semi-open-air. Bei Sonne und bei Regen. Mit einem Hintergrundrauschen aus Sirenen, Rufen und dem Quietschen der Straßenbahnen.
Stadtentwicklung mit Kultur
Die Resonanz auf die Premiere vor zwei Jahren beschwingt noch heute. „Sehr gut“ sei die gewesen, sagte Kölns Kulturdezernent Stefan Charles jetzt bei der Vorstellung der zweiten „Nimm Platz“-Auflage. Sowohl auf Seiten des Publikums wie auch auf Seiten der Künstlerinnen und Künstler habe es eine große Zustimmung gegeben. Aus diesem Grunde habe sich die Stadt entschlossen, die Initiative trotz der kargen Kasse fortzusetzen.
Dabei hat Verwaltung mit der Kulturoffensive auch die Stadtentwicklung im Blick. Man dürfe den Neumarkt nicht sich selbst überlassen, heißt es. Doch da ist noch viel mehr. So wird hier ein vielfältiges und spartenübergreifendes Kulturangebot gemacht. Zudem steht der Kölner Kulturszene ein ungewöhnliches Schaufenster zur Verfügung. Im Kulturpavillon auf dem Neumarkt, so sagte es die Sopranistin Anna Moog, biete sich eine große Chance: Hier könne man auch solche Zuschauerinnen und Zuschauer erreichen, die mit den Künsten möglicherweise nicht allzu vertraut seien. Die Sängerin selbst ist am Samstag, 12. Juli, dabei, wenn um 19.30 Uhr „Klassische Klänge am Neumarkt“ zu hören sein werden.

„Das Beste, was uns passieren kann“
Den umfangreichsten Programmbeitrag liefert erneut die kölnische Literaturszene mit ihrem „Kölner Literatursommer“. Jeden Tag um 17.30 Uhr steht eine Lesung an. Das heißt: Hier bekommen 58 Autorinnen und Autoren eine Bühne. „Das ist das Beste, was uns passieren kann“, sagte Ute Wegmann, die Vorsitzende des Vereins Literaturszene Köln. Das Interesse, sich an dem Projekt zu beteiligen, war entsprechend groß: 120 Bewerbungen wurden eingereicht, über die dann eine Jury entschieden hat. Besonders auffallend, sagte Ute Wegmann, sei der starke Andrang der Lyrikszene gewesen. Die ersten Literatur-Termine – wir sind ja ein Literaturblog – haben wir unten angeführt.
Oberbürgermeisterin Henriette Reker eröffnet den Kulturpavillon am Mittwoch um 16.30 Uhr. Anschließend gibt es Italo-Pop mit den GiGi Girls und einen DJ-Set mit Nada Formosa. Ob es im kommenden Jahr weitergeht, kann Kulturdezernent Stefan Charles noch nicht fest zusagen. Da müsse auch noch das Gespräch mit der Politik gesucht werden. Und die Zeiten sind wie sie sind. Seine Tendenz ist immerhin klar: „Ich würde mir eine Fortsetzung wünschen.“
Martin Oehlen
Auf diesem Blog
haben wir über die erste Ausgabe der Kulturreihe „Nimm Platz“ berichtet (HIER). Anschließend haben wir einige Autorinnen und Autoren gebeten, uns ihre Eindrücke mitzuteilen – darunter sind die auch in diesem Jahr mitwirkenden Autorinnen und Autoren Bleier, Danne, Federer, Geil, Glasmacher, Lafleur, Nendza, Schiffer, Schiffner und Schneider. All das: HIER.
„Nimm Platz“
findet vom 9. Juli bis zum 5. September auf dem Kölner Neumarkt statt. Es handelt sich um ein gemeinsames Projekt der Kulturverwaltung mit der Freien Kulturszene und den Hochschulen für Kunst, Musik und Tanz der Stadt Köln. Der Eintritt ist frei. Das detaillierte Programm findet sich unter www.stadt-koeln.de/nimm-platz .
Der „Kölner Literatursommer“
bietet ab 10. Juli täglich um 17.30 Uhr eine Lesung an. Dies sind die Veranstaltungen im Juli, August und September:
JULI
10. Juli: Lisa Roy liest aus „Keine gute Geschichte“; 11. Juli: Marco Hasenkopf liest aus „Eisflut 1784“ und gibt eine Vorschau auf die Fortsetzung „Sündflut 1784“; 12. Juli: Heike Patzschke liest aus „Das Geschenk eines Regentages“ von Makoto Shinkai & Naruki Nagakawa; 13. Juli: Jovan Nikolić liest aus „Hotel Nicaragua“; 14. Juli: Ulrike Anna Bleier, auf diesem Blog einige Male vertreten, sowieso mit „Spukhafte Fernwirkung“ (HIER) und zuletzt mit einem Backstage-Bericht HIER, liest aus „Üzum“ und aus ihrem Blog #WHEREAMINOW; 15. Juli: Stan Lafleur liest aus „Grau“; 16. Juli: Doris Konradi liest aus „Die Hühneresserin“; 17. Juli: Juan S. Guse liest aus dem jüngst auf diesem Blog besprochenen Band „Tausendmal so viel Geld wie jetzt“; 18. Juli: Mohsen Banaie liest aus „Israel auf iranisch“; 19. Juli: Charlotte Luise Fechner liest aus „GRUND DAFÜR IST“; 20. Juli: Gundula Schiffer, auf diesem Blog HIER gewürdigt, liest aus „Fremde Einkehr“; 21. Juli: Marina Barth liest aus „Am Kronleuchter hängen wir nicht immer – wie Trude Herr die Welt sah“; 22. Juli: Natalie Harapat liest „Steine“ aus dem Kurzgeschichtenband „Übertrieb“; 23. Juli: Julius Metzger alias Vapiano liest aus „It Tastes Like Ashes: Gastro Guide 24“; 24. Juli: Claus-Daniel Herrmann stellt die Graphic Novel „Pinke Monster“ vor; 25. Juli: Yannic Han Biao Federer, von dem alle Romane auf diesem Blog gewürdigt wurden, liest aus „Für immer seh ich dich wieder“; 26. Juli: André Patten liest aus „Kaffee und Blumen“ (mit Illustrationen von Anna Sarvira) und Jan Schillmöller aus „PUZZLE“ (mit Video/Stills von Sophia Hose); 27. Juli: Sehnaz Dost liest aus „ruh“; 28. Juli: Maren Gottschalk liest aus ihrem Frida-Kahlo-Roman „Frida“; 29. Juli: Georg Smirnov liest aus „Zurichtungen“; 30. Juli: Isabella Archan liest aus „Die Schlange von Sirmione“, 31. Juli: Anke Glasmacher liest aus dem Gedichtband „Zur Stunde Blau“.
AUGUST
1. August: Thea Mantwill liest aus „Glühfarbe“; 2. August: Leon Skottnik liest aus „Bilderwandern / Der Durchgang“; 3. August: Simone Scharbert liest aus „Für Anna – Eine Belichtung (möglicherweise mit einer Vorführung der Cyanotypien der Fotografie-Pionierin Anna Atkins); den Roman werden wir in Kürze rezensieren – wie zuvor schon „du, alice“ (HIER) und „Rosa in Grau“ (HIER); 4. August: Thomas Empl, der uns HIER einige Fragen zu Werk und Stadt beantwortet hat, liest aus „Inneres Zittern“; 5. August: Wolfgang Schiffer liest aus dem Band „Dass die Erde einen Buckel werfe“, den wir HIER vorgestellt haben, sowie aus „Ich höre dem Regen zu“ und „Gespräche mit dem Enkel“; 6. August: Johanna Dombois liest aus „Bedachte und Unbedachte“; 7. August: Angela Steidele, deren vor zwei Jahren veröffentlichter Roman „Aufklärung“ auf diesem Blog HIER vorgestellt wurde (und von der am 18. August der Roman „Ins Dunkel“ erscheint), liest aus „Rosenstengel“; 8. August: Hanka Meves liest aus „Die Komponistin von Köln“; 9. August: Bastian Schneider, dessen Roman „Das Loch in der Innentasche meines Mantels“ HIER präsentiert wurde, liest aus „Die Liebe der Korallen“; 10. August: Jennifer de Negri liest aus „reise nach BABYlon“; 11. August: Amelie Soyka liest „Lauter zischende kleine Raketen“; 12. August: Joachim Geil liest aus „Heimaturlaub“; 13. August: Andreas Brettschneider liest aus „Ferien auf Khnomo“; 14. August: Christina Bacher liest aus „Die Letzten hier: Köln im sozialen Lockdown“; 15. August: Bettina Hesse liest aus „Museum der einzigartigen Dinge“; 16. August: Nasima Sophia Razizadeh liest aus dem Gedichtband „Die Goldwaage“; 17. August: Myriane Angelowski liest aus „Kölner Vergeltung“; 18. August: Tankred Lerch liest Short Stories aus dem Band „Es muss wie ein Unfall aussehen“; 19. August: Sabine Schiffner , von der wir zuletzt das Istanbul-Tagebuch „Zeynep suchen“ HIER besprochen haben, liest aus dem Gedichtband „ay. die mondin“; 20. August: Jutta Riedel liest aus „Mokrosch“; 21. August: Selim Özdogan , dessen Kriminalroman „Der die Träume hört“ von uns HIER rezensiert wurde, liest aus „Ihr kriegt uns hier nicht raus“; 22. August: Leonhard Prandini liest aus „Zocken“; 23. August: Alexander Weinstock liest aus „lazarus in den dingen“ und Paul Jennerjahn aus „Die Gefährdung der Jugend“; 24. August: Christoph Danne liest Gedichte von Kopenhagen bis Tunis, seinen Lyrikband „bewegliche ziele“ haben wir HIER vorgestellt; 25. August: Valerie Bendorf liest aus „Die Tage mit Dir“; 26. August: Jürgen Nendza liest Gedichte, von denen wir die im Band „Auffliegendes Gras“ versammelten Verse HIER vorgestellt haben, und präsentiert ein Klangskulpturen-Projekt; 27. August: Dorothee Merkel liest aus dem von ihr übersetzten Kriminalroman „Der letzte Mord am Ende der Welt“ von Stuart Turton; 28. August: Traudl Bünger liest aus „Eisernes Schweigen“; 29. August: Matthias Berg liest aus „Die Kriminalistinnen – Der stumme Zeuge“; 30. August: Adrian Kasnitz, über dessen Auftritt bei „Nimm Platz“ vor zwei Jahren HIER berichtet wurde, liest aus dem von ihm (und anderen) übersetzten Gedichtband „nicht fisch“ von Ana Pepelnik; 31. August: Mirjam Kay Mashkour liest aus „Star Girl Space Boy“ und „Arrivist“.
SEPTEMBER
1. September: Lina Thiede liest aus „Oma-Texte“; 2. September: Gerrit Wustmann liest aus „Nichts daran ist witzig“; 3. September: Liane Dirks liest „Domplatte“ aus „Köln literarisch“; 4. September: Tobias Schulenburg liest aus „Neue Sachlichkeit“.
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