Sessel, Weißwein, Butzenscheiben: Literaturhaus Köln und Literaturklub Köln live im Netz

2020-04-23 (10)

Bastian Schneider mit seinem jüngst erschienenem Buch „Paris im Titel“ (Sonderzahl Verlag) im Hintergrund.  Screenshot: Bücheratlas

Wir nehmen es als Zeichen der schönen Fülle und nicht als unglückliche Planung: Zeitgleich präsentierten sich am Donnerstag zwei Kölner Literatur-Veranstaltungen live im Netz. Literaturhaus-Chefin Bettina Fischer stellte in der zweiten Veranstaltung der neuen Reihe „Literaturhaus Köln virtuell“ den Autor Bastian Schneider und seinen Roman-im-Werden vor. Und Adrian Kasnitz bat zur zweiten Feier anlässlich des zehnjährigen Bestehens des Kölner Literaturklubs – nach der Lyrik-Runde ging es diesmal um die Prosa. In beiden Fällen lässt sich sagen: Die Tücken der Technik sind nicht komplett gemeistert, aber doch deutlich seltener auffällig geworden.

Adrian Kasnitz moderierte abermals aus seinem heimischen Sessel. Diesmal dabei: Luise Boege, die einen Text vortrug, dessen „gelöschte Passagen“ sie lautlos sprach. Lippenleser müsste man sein! Ihr folgte Joachim Geil mit einer italienischen „Urlaubsgeschichte“, die er fein rahmte mit einem – nicht zum Text gehörenden – Glas Weißwein zu Beginn und einem „Il conto per favore“ zum Schluss. Sehr schön auch der musikalische Beitrag von Marie Tjong-Ayong (Trompete und Flügelhorn) und Jannis Sicker (Gitarre), die melancholischen Jazz boten. Schließlich noch Mirjam Kay ‚MK‘ Mashkour mit ihrer Kosmos-Geschichte zwischen Kopernikus und Raumfahrt: „Star Girl Space Boy“. Als Zugabe sang sie ihr „Idealistenlied“, das von einem schönen Refrain getragen wird: „Die Verwässerung meiner Ideale schreitet mit meinem Alter voran.“ Dann standen noch „Fragen und Ferndrinks“ auf dem Geburtstagsprogramm.

2020-04-30 (7)

Mirjam Kay Mashkour trug Passagen aus „Star Girl Space Boy“ vor.  Screenshot: Bücheratlas

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Marie Tjong-Ayong und Jannis Sicker musizierten zum Literaturklub-Geburtstag.  Screenshot: Bücheratlas

Fünf Fahrrad-Minuten entfernt saß Bettina Fischer vor den Butzenscheiben des Literaturhauses (und nicht wie bei der Premiere in ihrer Wohnung, in der man die Glocken läuten hört). Im Gespräch mit ihr bekannte Bastian Schneider, der für sein Romanprojekt ein Dieter-Wellershoff-Stipendium erhalten hat, dass ihm diese Förderung sehr geholfen habe, wenngleich er das Werk des Autors nicht kenne. Immerhin – den Essay-Band „Pan und die Engel“ hat er vor ein paar Tagen in einem Antiquariat erworben. Gute Entscheidung. Sodann las er Passagen aus seinem Manuskript, in denen der Änderungsschneider Klaus Fadenschein im Mittelpunkt steht. Der hat ein Problem: Sein Autor ist verschwunden – und der heißt ausgerechnet Bastian Schneider. Womit noch nicht viel verraten ist, aber gewiss klar aufscheint, dass es sich hier um ein „Vexierspiel“ handelt, wie Bettina Fischer feststellte. Und zwar eines, das Witz und Artistik ausstrahlt.

Für Schneider war es der erste Live-Auftritt im virtuellen Raum. Ihm hat es, wie er gegen Ende sagte, „einen Riesenspaß“ gemacht, mit diesem Gerät zu kommunizieren, das ihn mit so einem Lichtlein anblinke. Der Online-Auftritt scheint ihm keine Alternative für die Ewigkeit zu sein, aber ein durchaus probates Mittel in Zeiten der Quarantäne. Das sieht das Literaturhaus genauso. Am nächsten Donnerstag geht es weiter, wieder in Kooperation mit der Volkshochschule – dann tritt Gunther Geltinger auf.

Martin Oehlen

Einen Bericht über den ersten Abend des „Literaturhaus Köln virtuell“ gibt es HIER.

Einen Bericht über den ersten Abend der Zehn-Jahres-Feiern des Literaturklub gibt es HIER.

 

3 Gedanken zu “Sessel, Weißwein, Butzenscheiben: Literaturhaus Köln und Literaturklub Köln live im Netz

  1. Hi!
    Danke für den Artikel 🙂 Das „Idealistenlied“ gehört übrigens nicht zum Romanentwurf dazu. War vielleicht etwas missverstandlich, weil der Übergang so kurz ausgefallen ist.
    Liebe Grüße
    MK

    Gefällt 1 Person

  2. Hi! Danke für den Artikel 🙂 Das „Idealistenlied“ gehört übrigens nicht zum Romanentwurf dazu. War bestimmt missverständlich, weil der Übergang zwischen Roman und Gedicht/Lied so kurz ausgefallen ist. Liebe Grüße
    MK

    Gefällt 1 Person

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