Plötzlich Komplizin: Romy Hausmanns kunstvoll komponierter Thriller „Marta schläft“

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Foto: Bücheratlas

„Irgendwann fahren wir ans Meer“, verspricht die namenlose Briefschreiberin dem kleinen Bruder. Schwimmen, spielen, mit den Füßen durch den Sand pflügen. Doch dazu soll es nie kommen. Warum das so ist – nun, das ist eine kompliziere Geschichte, die zu erzählen Romy Hausmann 400 Seiten braucht.

„Marta schläft“ ist der zweite Kriminalroman der Crime-Cologne-Preisträgerin des vergangenen Jahres. Besser: Es ist der zweite Roman, der veröffentlicht wird. Jahrelang schrieb die TV-Journalistin für die Schublade. Bis sie 2019 mit „Liebes Kind“ einen Bestseller landete: Wochenlang stand das Buch an der Spitze, die Filmrechte sind längst verkauft.

Ihr sei ein wenig bange, ob sie diesen Erfolg wiederholen könne, sagte Romy Hausmann nach der Verleihung des „Crime Cologne Award 2019“ dem „Bücheratlas“. Doch in erster Linie schreibe sie die Texte für sich selber. „Es geht darum, dass ich zufrieden damit sein muss.“

Wie schon „Liebes Kind“ ist „Marta schläft“ ein anspruchsvoll komponierter Krimi. Virtuos spielt Romy Hausmann mit mehreren Handlungssträngen, die zudem auf unterschiedlichen Zeitebenen spielen. Die Rechtsanwaltsgehilfin Nadja trägt schwer an ihrer Vergangenheit, die sie in Form von Panikattacken heimsucht. Sie hat weder Freunde noch einen Partner, in ihrer Freizeit verkriecht sie sich in ihrer Wohnung. Bis eines Tages eine frühere Kollegin auftaucht und sie um Hilfe bittet: Es sei etwas Schreckliches geschehen. Nadja wird zur Komplizin in einem Mordfall. Und wächst gleichzeitig über sich selbst hinaus.

Ins aktuelle Geschehen eingebettet sind zahlreiche Rückblenden, die sich zunächst niemandem zuordnen lassen. Sie erzählen von zwei vernachlässigten Kindern, von einer alkoholkranken Mutter und von dem verzweifelten Versuch eines jungen Mädchens, dem kleinen Bruder die Mutterliebe zu ersetzen.

All das ist kunstvoll miteinander verwoben. Erst auf den letzten Seiten scheint der Autorin ein wenig die Luft auszugehen und sie überdreht die ohnehin wendungsreiche Geschichte vielleicht einen Tick zu viel. Eine lässliche Sünde, die man angesichts der vorangegangenen spannungsreichen Kapitel gern verzeiht.

Petra Pluwatsch

Ein Gespräch mit Romy Hausmann anlässlich ihrer Auszeichnung bei der Crime Cologne 2019 findet sich HIER.

Romy Hausmann: „Marta schläft“, dtv, 400 Seiten, 16,90 Euro. E-Book: 14,99 Euro.

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