Viral und virtuell: Simone Scharbert stellt die Frauenfrage

2020-04-24 (38)

Simone Scharbert stellt „du, alice“ in der Literaturclip-Reihe vor. Screenshot: Bücheratlas

Eine doppelte Premiere für Simone Scharbert: Die Autorin aus Erftstadt – dem „Speckgürtel von Köln“ – stellte ihr jüngstes Werk soeben in der Literaturclip-Reihe des Literaturhauses Köln vor (via YouTube zu finden) und war am Freitag zudem live zu erleben beim preiswürdigen Viral-Online-Literaturfestival (via Facebook). Das eine Format wie das andere nutzte sie zum ersten Mal. In beiden Fällen ging es um „du, alice“ (Edition Azur, 20 Euro) – kein Roman, keine Lyrik, sondern „eine Anrufung“.

Scharbert widmet sich darin Alice James (1848-1892), der Schwester des berühmten Henry James. Krankheitsbedingt häufig ans Bett gefesselt, sieht sich Alice aufgefordert, Maß zu halten – was auf körperliche Anstrengung zielt, aber wohl auch auf geistige. Im Gespräch sagte Scharbert über die weiblichen Lebensumstände des 19. Jahrhunderts in den USA (aber gewiss auch über die USA hinaus): „Was für großartige Frauen da vor die Wand gelaufen sind – mit Ansage!“ Überhaupt sei der Zugang zur Bildung für Frauen von damals ein schwieriger gewesen. Das macht Simone Schabert noch heute wütend.

Für Alice James – die zahlreiche Briefe und einige Tagebücher hinterlassen hat – war es wichtig, ihrem Tag eine Struktur zu geben. So steht es gleich im ersten Satz. Und Simone Scharbert machte darauf aufmerksam, dass dies eine Parallele habe zu unserem auf einmal so sehr runtergedimmten Corona-Alltag. Die Autorin sieht sich im Übrigen mit einer doppelten Ausgangsbeschränkung konfrontiert, da sie an einem Meniskusriss laboriert. So hielt sie ihre beiden ersten virtuellen Lesungen im Bett ab, dessen eisblaues Gestänge ins Auge springt.

Simone Scharberts Online-Lesung glückte vortrefflich. Nicht zuletzt ihr suggestiver Vortragsstil machte neugierig auf das Buch. Das würde man gerne mal zu Hand nehmen.

Martin Oehlen

Über die Viral-Lesungen haben wir auf diesem Blog schon mehrfach berichtet. Zum ersten Mal war das HIER der Fall und zum bislang letzten Mal HIER.

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