Übernachten in Südfrankreich – Unsere besonderen Tipps

 

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Zimmerausblick im L‘ Autre Rives in Albi Fotos: Bücheratlas

Kommt eh bald der Komet!

Auf keinen Fall soll das hier zu einem Unterkunfts-Register ausarten. Aber – wer eine Empfehlung mag, dem kann geholfen werden. Die Tipps sind zu 100 Prozent ohne Kenntnis oder gar Unterstützung der betroffenen Unterkünfte oder Lokale recherchiert und verfasst worden. Will sagen: alles selbst geplant, selbst realisiert und selbst finanziert.

Was die dunkelblauen Sterne sagen sollen? Den einen * gibt es für sehr ordentliche Unterkünfte mit einer positiven Auffälligkeit. Die ** für eine fabelhafte Adresse, die man immer wieder aufsuchen würde. Und die *** für den irdischen Traumaufenthalt – damit wollen wir sparsam sein.

 

** Le Mas de la Garrigue (Les Vans, Ardèche)

Unser Top-Tipp nach drei Wochen Südfrankreich: „Le Mas de la Garrigue“ bei Les Vans! Für alle, die eine attraktive und ruhige Lage in der Ardèche schätzen, sich bei perfekten Gastgebern willkommen fühlen wollen, Komfort schätzen, aber dies nicht mit Luxuszimmern verwechseln. Ein schöner alter Backsteinbau inmitten von Feldern und Gärten, wo der Kuckkuck kuckuckt, die Weinberschnecke schneckt, die Nachtigall variantenreich ihr Programm abspult, die pechschwarze Katze aus dem hellblauen Pool schlürft und die Maulbeerbäume und die Olivenbäume darum wetteifern, wer trutziger dreinschaut (unser Votum: der Maulbeerbaum). Vor allem jedoch: hospitality. Die Gastgeber Marina und Thomas Helfferich überbieten einander in ihrer Aufmerksamkeit für die Gäste, ohne es an der Diskretion mangeln zu lassen. Die wenigen Zimmer sind unterschiedlich eingerichtet, alle auf top-sauberem Level, nicht groß und manche Betten sind breiter als andere. Und dann die kulinarische Seite. Nicht nur das Frühstück ist eine Wucht und erfordert viel Disziplin (wir bestellten zwei weichgekochte Eier und bekommen vier davon, weil man ja nie wisse, was der Appetit so mit einem mache). Erst recht das Abendessen, so man es (zu einem günstigen Preis) geordert hat, bietet Finesse und Fülle. Also, das wäre mal ein Fall für die Michelins und Gault Millauts dieser Welt.

 

** L’Autre Rives (Albi)

Im L’Autre Rives, auf der „anderen“ Seite des Tarn, fünf individuell, originell und mit hohem Design-Ehrgeiz eingerichtete Zimmer. Die Altstadt mit Toulouse-Lautrec-Museum und fabelhaft renovierter Kathedrale Sainte Cécile im Bischofsviertel (Weltkulturerbe) ist fußläufig zu erreichen. Die Gastgeber sind höchlich hilfreich und geben auch jeden gewünschten gastronomischen Tipp. Die mexikanisch-französische Fusion-Küche in der L’Ambroiserie war so einer – und war ein guter. Später am Abend saßen die Hoteliers selbst am Nebentisch.

 

** Saint Michel (Rully, Burgund)

Mark und Metha haben vor drei Jahren das Schloss Saint Michel in Rully gekauft. Ein Backsteinbau aus dem 19. Jahrhundert in einem Weindorf – aber es gibt hier ja sowieso nur Weindörfer – zwischen Beaune und Chalons. Die beiden Holländer betreiben es jetzt in der zweiten Saison als Hotel. Es gibt keinen Swimmingpool, auch das Restaurant ist vorerst nur eine Vision. Aber ansonsten ist das ein sehr guter Ort. Eincheckende Gäste werden erst einmal auf die Außenterrasse geführt, damit sie den großen Park, der zum Anwesen gehört, bestaunen können. Die Zimmer sind für französische Verhältnisse riesig. Das Frühstück üppig. Und die Ruhe, die diesen Flecken umgibt, ist fantastisch. Geweckt wird man allenfalls von gurrenden Tauben, piepsenden Vögeln und dem Geläut der nahen Kirche. Weil das Restaurant fehlt: In Bouzeron, einem Nachbardorf von Rully, zu erreichen über eine der zahllosen einbahnstraßenschmalen Feldwege, das Restaurant „Le Bouzeron“. Eine einschlägig bekannte Menü-Variante nennt sich „Trilogie“. Jeder Gang wird in drei Variationen zugleich serviert. Also der Spargel als grüne Stangen, als Crème und mariniert im rohen Schinken; der Thunfisch als Carpaccio, gebraten und als Salat mit Nüssen versetzt; die Erdbeeren als Eis, Tiramisu und im Schokomantel. Frankreich ist kein Land für eine Diät.

 

** Les Suites Sarladaises (Sarlat-le-Canéda, Périgord)

„Sie sind mit dem Auto vorgefahren?“ Im Gesicht des Vermieters der „Suites Sarladaises“ im Ort Sarlat-le-Canéda im Périgord spiegelt sich leichtes Entsetzen. Nein, das sind wir nicht, denn die Gassen der Altstadt von Sarlat sind eng wie Küchenhandtücher. Hier passt beim besten Willen kein Auto durch. In dem wunderbaren alten Gebäude, das uns beherbergt, führt  eine steile Treppe empor, deren steinerne Stufen ausgetreten sind wie ein paar alte Pantoffeln. Das Anwesen ist viele hundert Jahre alt. Heute bietet es den Touristen einige wenige, liebevoll eingerichtete Zimmer. Eines davon, ein kleines mit einem Bett aus Eisen, liegt direkt unter dem Dach, und aus dem Fenster kann man, wenn man den Kopf weit hinausstreckt, direkt auf die Gassen der Altstadt hinuntersehen.

 

** Le Mas des Romarins (Gordes, Provence)

Der Blick von der Terrasse ist formidabel. Genau gegenüber von „Le Mas des Romarins“ liegt das Bergdorf Gordes. Eine gewundene Straße führt hinein in den Ort. Und während wir gemütlich beim Frühstück sitzen, schauen wir den ersten Touristen zu, die sich in der schon warmen Morgensonne  die leichte Steigung  hinaufmühen. Das Hotel, das die Auszeichnung „Relais du Silence“ trägt, ist ein ehemaliger Gutshof aus dem frühen 19. Jahrhundert, ein schmuckes einstöckiges Gebäude aus grob behauenen Steinen mit einem Pool im Garten und Zimmer, die unterschiedliche Namen tragen. Natürlich kann man hier auch gut essen, draußen auf der Terrasse oder im rundum verglasten Speisesaal mit dem gekachelten Boden. Nein, billig ist das alles leider nicht. Aber wie sagte ein alter Kollege immer: „Kommt eh bald der Komet!“

 

 

* Château Sainte-Sabine (Sainte-Sabine, Burgund)

Das Schlosshotel bekommt den Stern für den Sondereinsatz der Rezeption. Vor Ort wurde uns erklärt, der für den Abend reservierte Tisch befinde sich im Keller des Restaurants und nicht im zentralen Raum mit dem großfenstrigem Blick über Teich und Hügel. Die Hotel-Angestellte telefonierte sich erst durch alle Zuständigkeitsebenen, vom Restaurantchef bis zum Hotelmanager. Schließlich rief sie einen externen  Gast an, der dann tatsächlich bereit war, uns den Tisch im Hellen zu überlassen und den im gedimmten Ambiente zu übernehmen. Ein entschiedenes Merci noch einmal auf diesem Wege. Das Frühstück auf der Terrasse ging dann ohne Reservierungsnöte vonstatten.

 

* Les Elmes (Banyuls-sur-Mer, Côte Vermeille)

In den Kriminalromanen von Yann Sola gehört das Hotel „Les Elmes“ in Banyuls-sur-Mer einem reichen schwedischen Geschäftsmann. In Wirklichkeit ist das natürlich ganz anders. Das  Hotel, ein schlichtes weißes Gebäude mit hellen Zimmern und einer verglasten Terrasse, ist seit drei Generationen in der Hand der Familie Sannac. Es liegt – als einziges in ganz Banyuls –  an einer kleinen Bucht. Und so kann man morgens, wenn man denn ein  Zimmer Richtung  Osten gebucht hat, den Sonnenaufgang über dem Meer bestaunen und sich auf einen weiteren schönen Tag in Banyuls freuen. Seinen Namen verdankt es übrigens einem seltenen Naturphänomen: dem Elms- oder Eliasfeuer, eine durch elektrische Ladungen hervorgerufene Lichterscheinung. Dann das noch: Im hauseigenen Restaurant „El Littoral“  wird, gerade ist ein frühes Paar gegangen, zügig abgeräumt. Bevor neu eingedeckt wird, kommt eine Servicekraft und glättet sorgfältig mit einem Bügeleisen die frisch aufgelegte Tischdecke. Macht einen guten Eindruck.

 

* Le Mas de la Chapelle (bei Arles)

Jesus? Nein, nur ein Frosch, der von seiner minimalistischen Schilfinsel übers Wasser zum Rand des winzigen Tümpels läuft. Bitte, das ist keine Blasphemie, sondern nur eine Assoziation. Eine grüne Oase ist Le Mas de la Chapelle, wo man sich auf die Kreuzritter beruft, die hier einst genächtigt haben sollen. Leider sind die ortsansässigen Frösche, so selbstbewusst sie auch quaken und keckern mögen, nicht imstande, die Mückenoffensive zurückzuwerfen. Die Nacht kann heiter werden! Draußen des Abends sowieso. Aber auch drinnen im Atelier Vincent, wie unser Zimmer in memoriam des großen Niederländers, der im nahen Arles zwei Jahre wirkte, bezeichnet ist. Ein paar Ameisen finden das auch toll. Die stören nicht weiter, weil sie brav auf ihrer Straße unterm Fenster bleiben. Also – nicht die immer etwas düsteren Zimmer, sondern der verwunschene Garten und die mit historischen und sakralen Kuriosa vollgepfropfte Immobilie sorgen für den einen Stern.

 

Martin Oehlen und Petra Pluwatsch

2 Gedanken zu “Übernachten in Südfrankreich – Unsere besonderen Tipps

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