Bruno trinkt einen Roten: Martin Walkers Jubiläumskrimi im Périgord

 

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Das Schloss Commarque im Périgord ist einer der Schauplätze des zehnten Bruno-Krimis von Martin Walker. Foto: Bücheratlas

Es ist schwül in Le Bugue an diesem Sommertag. Sanft ansteigende Straßen, alte, steingraue Häuser, an deren Wänden das Moos klebt. Träge wälzt sich die Vézère, ein Nebenfluss der Dordogne, an Restaurants und blühenden Wiesen vorbei. Wir sind in Martin-Walker-Land. Der schottische Krimiautor lebe ein wenig außerhalb des Ortes, verrät der Verkäufer in Walkers bevorzugter Weinhandlung „Julien de Savignac“ und weist vage gen Westen. Neben der Kasse stapeln sich mehrere Bruno-Krimis in französischer Übersetzung. Und für 9,90 Euro kann man bei „Julien“  einen roten „Bruno-Wein“ erstehen. Dessen Etikett zeigt den Hund von Walkers Romanhelden Bruno Courrèges, den Bassett  Balzac.

Denn genau hier, im 3000-Seelen-Örtchen Le Bugue, mitten im Périgord, spielen Walkers Kriminalromane, von denen gerade der zehnte Band („Revanche“) erschienen ist. Auch wenn das Städtchen, in dem Bruno, Chef de Police, das Sagen hat, in Walkers Büchern Saint-Denis heißt.  „Ich habe einfach den Städtenamen gewählt, der am häufigsten in Frankreich vorkommt“, sagt der Autor. Der Grundriss der Städte sei jedoch der gleiche. Und natürlich gebe es auch in Le Bugue einen Dorfpolizisten wie Bruno den liebenswerten Hobbykoch und Frauenversteher seiner Romane. Pierrot heiße der und sei ihm seit Jahren ein treuer Freund und Tennispartner. „In Bruno stecken 40 bis 50 Prozent von Pierrot, auch wenn der dicker und älter ist als meine Romanfigur und im Gegensatz zu Bruno Frau und Kinder hat.“

Eigentlich, sagt Walker, habe er vor zehn Jahren ein Sachbuch über das Périgord schreiben wollen. Eines über die Geschichte und die prähistorischen Höhlenmalereien der Region, die ihn seit je faszinieren. Pierrot habe ihn überredet, sich stattdessen an einem Kriminalroman zu versuchen. Eine große Herausforderung für einen, der ein Vierteljahrhundert als politischer Journalist für die britische Tageszeitung „The Guardian“ von Kontinent zu Kontinent reiste und über die Großen der Welt berichtete.

Doch  auch im kleinen Saint-Denis spielt die große Politik eine Rolle. Die fiktive Welt des politischen Denkers Walker ist bevölkert von Terroristen und Rassisten, von ehemaligen Résistance-Kämpfern und durchgeknallten Islamisten. In seinem jüngsten Roman zieht ein Terrorkommando des IS marodierend durch das Périgord und greift zuletzt das „Musée National de Préhistoire“ in Les Eyzies-de-Tayac an. Ein Horrorszenario, das nach Ansicht Walkers durchaus im Bereich des Möglichen liegt. Mag sein, dass den Autor  unter anderem ein Hinweisschild im Eingangsbereich des fabelhaften Museums zu der Idee  inspiriert hat. Darauf  wird ausführlich beschrieben, wie sich die Besucher im Falle eines Terrorangriffs zu verhalten haben.

Als er begonnen habe, „Revanche“ zu schreiben, habe es gerade die Terroranschläge in Nizza, Brüssel, London und Berlin gegeben, sagt Walker. „Das ist die Realität unseres heutigen Lebens. Man kann dem islamischen Terror nicht entkommen.“  Nicht in London, nicht in Paris. Und wohl auch nicht in Saint-Denis.

Petra Pluwatsch

Martin Walker: „Revanche“, deutsch von Michael Windgassen, Diogenes, 416 Seiten, 24 Euro. E-Book: 20,99 Euro.

Walker-Cover (2)

Das Cover zum Jubiläum Foto: Diogenes

 

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