Lucys Roadtrip mit dem Ex-Mann: „Oh William!“ ist ein berührender Roman von Elizabeth Strout

On the road sind Lucy und William in den USA. Foto: Bücheratlas

Lucy Barton ist zurück. Aus der jungen Mutter und aufstrebenden Autorin, die wir aus Elizabeth Strouts Romanen „Die Unvollkommenheit der Liebe“ und „Alles ist möglich“ kennen, ist eine kluge, lebenserfahrene Frau von Mitte 60 geworden. Die beiden Töchter sind längst erwachsen. Kürzlich ist David, ihr zweiter Ehemann, gestorben, dem sie über viele Jahre in inniger Liebe verbunden war. Und auch ihrem ersten Mann William ist sie weiterhin zugetan. Aus Liebe ist Freundschaft geworden, und so steht sie ihm bei, als er, der um einige Jahre Ältere, in eine Lebenskrise rutscht.

Suche nach der Halbschwester

„Oh William!“ Mehr als einmal entfährt Lucy dieser Seufzer, während sie ihn auf der Suche nach einer Halbschwester durch die Ödnis der amerikanischen Provinz begleitet. „Oh William!“ lautet auch der Titel dieses berührenden Romans von Elizabeth Strout, dessen deutsche Übersetzung ausnahmsweise den Titel des Originals trägt.

Unprätentiös, in kurzen, mitunter nur wenige Zeilen langen Absätzen erzählt Lucy von ihrer gescheiterten Ehe mit William, von dessen deutschem Vater, der als Kriegsgefangener in die USA kam, von der überkandidelten, längst verstorbenen Schwiegermutter. Und natürlich von William, dem ersten Mann in ihrem Leben, der ihr bis heute ein Rätsel geblieben ist. „Ich fragte mich, wer William eigentlich war. Das habe ich mich auch vorher schon gefragt. Viele Male habe ich mich das gefragt.“    

Hommage an das Hinterland  

Elizabeth Strout, Jahrgang 1956, veröffentlichte 1999 ihr erstes Buch. Seitdem gehört sie zu den bekanntesten Autorinnen der USA. „Oh William!“ ist bereits ihr achter Roman, und obwohl er in weiten Teilen in New York spielt, ist er, wie schon ihre früheren Bücher, eine Hommage an das Hinterland der USA. An die kleinen Ortschaften, die so miefig-piefig sind, dass man sie so schnell wie möglich wieder verlassen möchte.

Doch genau dort spielt das Leben: in den Käffern, die auch William und Lucy einmal ihr Zuhause nannten. Beide tragen die Last einer schwierigen Kindheit auf ihren Schultern, und die Erfahrungen der ersten Lebensjahre prägen sie für den Rest ihres Lebens. „Oh William!“ erzählt behutsam und klug von den Höhen und Tiefen zweier gelebter Leben, von Enttäuschungen, Selbstzweifeln und der Kraft, aus all dem das Beste zu machen.

Petra Pluwatsch

Auf diesem Blog haben wir Elizabeths Strouts Romane „Alles ist möglich“ (HIER) und „Die langen Abende“ (HIER) besprochen.

Elizabeth Strout: „Oh William!“, dt. von Sabine Roth, Luchterhand, 224 Seiten, 20 Euro. E-Book: 15,99 Euro.

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