Sind Bücher die Rettung vor Hass und Hetze?

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Baumblüte am Stand von Bastei Lübbe auf der Frankfurter Buchmesse 2018 Foto: Bücheratlas

Welchen Beitrag leisten die Buchverlage, um dem aggressiven Populismus entgegenzutreten? Eine Umfrage unter rheinischen Verlegern.

 

Sabine Cramer (DuMont Buchverlag)

Wir machen das, was wir am besten können: Bücher. Vornehmlich solche, die den Horizont erweitern, Wissen vermitteln und zur Diskussion anregen. Madeleine Albrights Bestseller „Faschismus. Eine Warnung“ tut all dies und wird von manchen Buchhändlern demonstrativ gleich neben Thilo Sarrazins neues Buch gelegt.

 

Hejo Emons (Emons Verlag)

Die Veröffentlichung eines Buches ist ja schon ein Angriff auf den Populismus. Wer Bücher liest hat es ja viel schwerer, den Unsinn der Populisten zu glauben. Es mag zwar vereinzelt auch populistische Bücher geben, aber in der Summe befördert das Medium Buch eben doch eher eine kritische, fundierte Auseinandersetzung mit Inhalten und Themen, die im krassen Gegensatz zum populistischen Diskurs steht, der sich vor allem durch Oberflächlichkeit und Schnelllebigkeit auszeichnet.  Wir planen zurzeit auch eine Reihe, die sich mit gesellschaftlichen Themen auf regionaler Ebene auseinandersetzt. Da wird es sicher Ärger und Krawall geben, das ist durchaus gewollt. Es dauert aber noch ein bisschen, bis die ersten Titel erscheinen.

 

Carel Halff  (Bastei Lübbe AG)

„Die Verlage“ gibt es kaum und wir sind nicht der Sprecher der vielen tausend Kollegen aus aller Welt. Aber: Wenn Sie über die Buchmesse gehen, wird das Multikulturelle unserer heutigen  Gesellschaft und der globalisierten Medienwelt spür- und erlebbar. Verlage aus allen Ländern, aus den unterschiedlichsten Kulturkreisen und mit unterschiedlichen Religionen reden miteinander, tauschen sich aus, verkaufen sich gegenseitig Rechte… Gerne zwanglos bei einem Kaffee  oder am Abend bei einer Veranstaltung. Diese gelassene und respektvolle  Form des Umgangs miteinander, trotz aller Unterschiede in den Vorstellungen, ist nirgendwo auf der Welt so überzeugend sichtbar wie in Frankfurt.  Die Frankfurter Buchmesse zeigt, dass die Globalisierung zwischen den Menschen und Ideen funktionieren kann und  alle davon profitieren. Wirtschaftlich und ideell.

 

Helge Malchow (Kiepenheuer & Witsch)

Unser Beitrag dazu sind unsere Bücher: Jürgen Wiebekes „10 Regeln für Demokratie-Retter“, Aladin El-Mafalaanis „Das Integrationsparadox“, Robert Habecks Buch über öffentliche Sprache und Politik und auch Alice Schwarzers „Meine algerische Familie“.

 

Damian van Melis (Greven Verlag)

Lesen lehrt denken: Das hilft immer gegen Rassismus und Populismus. Außerdem verlegen wir Bücher über die demokratischen und sozialen Seiten Kölns, egal ob in der Vergangenheit oder in der Gegenwart: Kennen Sie unser druckfrisches „Köln kosmopolitisch“ von Miltiadis Oulios, herausgegeben von der Akademie der Künste der Welt? Kölsch alleine wäre doch langweilig.

 

Stefan Weidle (Weidle Verlag)

Wir tun, was wir können. Wir haben ein Buch zum Thema neu herausgebracht: Felix Jackson, „Berlin, April 1933“. Darin ist beschrieben, wie es damals anfing, und leider sehen wir Parallelen zu heutigen grässlichen Entwicklungen. Viele von uns Verlegern und Übersetzern engagieren sich für die Integration von Flüchtlingen, wir zum Beispiel geben Sprachunterricht und sind Mentoren eines jungen Syrers. Unsere Arbeit ist eher kleinteilig und auf den einzelnen gerichtet, aber sie erreicht vielleicht mehr als lautes Geschrei. Natürlich sieht man uns auch auf Demonstrationen, und wir sind stolz darauf, daß Larissa Bender, die den Band „Der Spaziergänger von Aleppo“ von Niroz Malek für uns übersetzt hat und zur Zeit an einem weiteren Buch zum Thema arbeitet, für ihre Arbeit zwischen Deutschland und Syrien am 3. Oktober mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet wurde.

(M. Oe.)

http://www.ksta.de

 

 

 

 

 

 

 

3 Gedanken zu “Sind Bücher die Rettung vor Hass und Hetze?

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