Jubiläum für eine Kölner Institution: Das Literaturhaus Köln wurde vor 25 Jahren gegründet

Hier klingeln! Foto: Bücheratlas

Als auf der Bühne das Startzeichen gegeben wurde, gab es im holzgetäfelten Saal in der Kölner Cäcilienstraße kein Halten mehr. Das Publikum im „Belgischen Haus“ drängte aus den engen Stuhlreihen auf die kurze Spurtstrecke des Mittelganges. Sein Ziel: das Pult des Schriftführers auf dem Podium. Viele wollten als Gründungsmitglieder des Vereins Literaturhaus Köln registriert werden – und das mit einer möglichst niedrigen Mitgliedsnummer. Noch heute, genau 25 Jahre nach diesem Montag des 5. Februar 1996, gibt es Personen, die mit kaum zu überhörendem Stolz erwähnen, von Anfang an dabei gewesen zu sein. Das ist ein gutes Zeichen – ein Beleg dafür, dass sich die Gründung bewährt hat.

„Seit Jahren schon im Gespräch“

Den letzten Anstoß für die Etablierung des Vereins, so viel steht fest, gab die damalige Kulturdezernentin Kathinka Dittrich van Weringh. Allerdings hatten andere schon früher darüber nachgedacht, „seit Jahren schon“, wie 1995 der Verleger Reinhold Neven du Mont und der Buchhändler Klaus Bittner unabhängig voneinander versicherten. Doch mit Kathinka Dittrich kam Bewegung in die Debatte. Wo und wann genau? Die einen sagen so, die anderen so. Sie selbst versicherte in einem Interview des „Kölner Stadt-Anzeiger“, das 2017 zur Veröffentlichung ihrer Autobiografie erschienen ist, sie habe ein Literaturhaus „anlässlich einer kleinen Buchmesse auf dem Neumarkt angeregt“. Und weiter: „Diese Idee wurde dann von Ulrich Wackerhagen und Reinhold Neven Du Mont unterstützt.“ Und von vielen anderen mehr. Beispielsweise von Klaus Bittner, der zum Ersten Stellvertreter des Gründungsvorsitzenden Reinhold Neven Du Mont gewählt wurde. Oder von Beisitzern wie dem Schriftsteller Dieter Wellershoff oder der Journalistin und späteren Kulturdezernentin Marie Hüllenkremer.  

Längst ist das Literaturhaus Köln – mit rund 700 Mitliedern immer noch eines der stärksten Literaturhäuser im deutschsprachigen Raum – eine Instanz in Stadt und Region. Mit den Vorsitzenden hat es bislang Glück gehabt. Die beiden ersten kamen aus der Verlagswelt: Reinhold Neven Du Mont – er amtierte von 1996 bis 2003 – war Verleger von Kiepenheuer & Witsch, und Gottfried Honnefelder (2003-2008) war Verleger des DuMont Buchverlags. Beide waren also mit der Materie Literatur bestens vertraut. Ulrich Wackerhagen (2008-2021), der das Amt am längsten innehatte, brachte seine Erfahrungen als Kulturpolitiker ein. Auf ihn folgt jetzt, am 7. Februar 2021, der ehemalige WDR-Hörfunkdirektor Wolfgang Schmitz.

Kleines Team, große Wirkung

Glück hatte das Literaturhaus zumal mit seinen Programmleitern – mit Thomas Böhm (1999-2010), mit Insa Wilke (2010-2012) und mit Bettina Fischer, die seit 2000 zum Haus gehört und seit 2012 an der Spitze steht. Was die drei mit ihren jeweiligen Teams auf die Beine stellten und stellen, ist aller Ehren wert. Da geht es um weit mehr als „nur“ eine Lesung zu organisieren – mit bislang über 3200 Autorinnen und Autoren und weiteren Gästen. Dazu gehören zudem alle möglichen Initiativen und Projekte, Lobby-Arbeit und Bürokratie. Der Output ist auch deshalb zu loben, da das Budget so gering wie das Team klein ist. Da muss man sich zu helfen wissen: Das amtierende Quintett mit Bettina Fischer an der Spitze präsentiert sich auf der neu gestalteten Webseite des Literaturhauses als vielfältig einsetzbar. Über Ines Dettmann, die seit 2002 das Junge Literaturhaus leitet, heißt es beispielsweise: „Wenn im Literaturhaus Dinge kaputt gehen: Ines repariert (fast) alles.“

Das Literaturhaus Köln im historischen Haus Bachem am Großen Griechenmarkt 39 Foto: Bücheratlas

Was dem Literaturhaus bis heute fehlt, ist eine Gastronomie. Ein Literaturhaus-Bistro (oder so) als Treff- und Anziehungspunkt. Auch um den Ort selbst dann zu beleben, wenn es keine Veranstaltung gibt. Aber bislang war das nicht möglich. Nicht am ersten festen, 1999 bezogenen Standort im Mediapark (eine Immobilie mit schönem Ausblick und modernem Styling). Auch nicht im Forum für Fotografie in der Schönhauser Straße (etwas abgelegen und ohne echtes Foyer). Und ebenso wenig am aktuellen Standort im Haus Bachem am Großen Griechenmarkt 39 (mit Atmosphäre und Zentrumsnähe).

Reinhold Neven du Mont, der Gründungsvorsitzende des Literaturhaus-Vereins, sagte im Interview für den „Kölner Stadt-Anzeiger“ vom 7. Februar 1996: „Was sein muss: Gastronomie, Veranstaltungsraum, Ausstellungsraum, Bibliothek, vielleicht eine solche, die auf Kölner Autoren spezialisiert ist. Auch eine kleine Buchhandlung wie im Berliner Literaturhaus wäre mir hoch willkommen. Schön wäre es, hätten wir ein oder zwei Einliegerwohnungen für Gastautoren.“ Das sind sechs unbestritten attraktive Erwartungen. Sie zeigen beim Abgleich mit der Realität 25 Jahre später: Da ist noch Luft nach oben.

Feiern im Pandemie-Modus

Nun feiert das Literaturhaus Köln, die rund ums Jahr wirkende literarische Institution, sein Jubiläum. Das rauschende Fest zum Fünfundzwanzigsten, das an diesem Freitag unter nicht-pandemischen Umständen anstünde, muss erst einmal warten. Immerhin gibt es eine „Zeitung“ voller Rück- und Ausblicke und eine Filmpremiere im Netz am Samstag um 17 Uhr. Wer dabei sein will: den Link gibt es über die Literaturhaus-Seite.

In der Jubiläums-Zeitung findet sich auch eine Lobeshymne von Carlos Fuentes (1928-2012). Die hat der mexikanische Autor im Jahre 2000 ins Gästebuch des Literaturhaus Köln geschrieben. Schöner geht’s kaum.  

  • Carlos Fuentes:

    La Casa de la Literatura de Colonia

    No tiene piedras: letras

    No tiene argamasa: palabras

    No tiene paredes: voces

    No tiene techos: sueños

    (Das Kölner Literaturhaus – Es hat keine Steine: Buchstaben / Es hat keinen Mörtel: Wörter / Es hat keine Wände: Stimmen / Es hat keine Dächer: Träume)  

Martin Oehlen


Der Jubiläumsfilm ist ab 6. Februar 2021, 17 Uhr, zu sehen. Den Link gibt es über die Homepage des Literaturhaus Köln.

Die Jubiläums-Zeitung gibt es beim Literaturhaus Köln so lange der Vorrat reicht. Am besten über E-Mail anfragen: info@literaturhaus-koeln.de .

Die nächste Veranstaltung des Literaturhaus Köln findet am 9. Februar 2021 per Livestream statt: Kristof Magnusson spricht über seinen Roman „Ein Mann der Kunst“, den wir auf diesem Blog HIER vorgestellt haben. Ein Gastbeitrag von Kristof Magnusson für den „Bücheratlas“ findet sich HIER .

Auf diesem Blog finden sich zahlreiche Beiträge zu den Aktivitäten des Literaturhaus Köln, die sich leicht über die Suchmaske auffinden lassen.

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