Von Wohnzimmer zu Wohnzimmer: Dorian Steinhof im Livestream über das Fußballtalent im Griff der Drogenbande

2020-04-01 (6)

Dorian Steinhoff bei seiner Live-Stream-Lesung am Mittwochabend auf Facebook Foto: Bücheratlas

Gerade haben wir Dorian Steinhoff zugehört. Der Kölner Autor hat auf Facebook aus seinem Buch „Das Licht der Flammen auf unseren Gesichtern“ (2013) gelesen, erschienen im Mairisch-Verlag. Mit einer Holzwand (Typ: Palette) im Hintergrund, vor der Grünpflanzen im beruhigenden Abstand voneinander platziert waren, ging es um die „Macheten-Bande“. Das ist die Kurzgeschichte eines talentierten Fußballers, der in Berlin-Moabit in Drogengangsterkreise gerät. Gar nicht mal so unser Thema. Aber der Text hat eine Kraft und hat eine Zartheit inmitten aller Brutalität, die beeindruckend ist.

Auf jeden Fall wird durch diesen Auftritt die Neugier auf den ganzen Erzählungs-Band stimuliert. Kann man viel mehr von einer Lesung erwarten? Steinhoff schon – denn er ruft zugleich für Spenden auf. Nicht für sich, sondern für den Solidaritätsfonds „handforahand“. Damit sollen freie Bühnenmitarbeiter unterstützt werden (Tontechniker, Beleuchter, Helferinnen und Helfer jedweder Art), auch sie Opfer der Corona-Pandemie.

Live-Lesungen sind aktuell DIE literarische Entdeckung im Netz. Nicht dass die Auftritte in der nicht-digitalen, der wirklich wirklichen Welt damit in Frage gestellt werden könnten. Keineswegs. Denn die Angebote in Literaturhäusern, auf Festivals, in Buchhandlungen und Bibliotheken haben ja weiterhin das Plus des unmittelbaren Erlebens, der Gemeinschaft in einem Raum, des Ganz-nah-dran-Seins und des Mitredens. Aber wenn der notwendige Viren-Abstand das öffentliche Literaturleben ausbremst, sind die Live-Streamings Gold wert.

Da gibt es vielfältige Angebote, auf die wir auf diesem Blog schon hingewiesen haben – und zwar HIER und HIER. Nicht zuletzt sind da die fast allabendlichen „Viral“-Lesestafetten. Nicht immer Weltklasse, aber immer ein Reiz zum Hinsehen und Hinhören. Donat Blum, einer der Organisatoren, hat mittlerweile ein paar theoretische Gedanken dazu formuliert: „Die Live-Videos von Wohnzimmer zu Wohnzimmer sind super persönlich – so persönlich, wie es auch Literatur meistens ist. Das hilft erstaunlich effektiv gegen die verordnete Isolation. Literatur kann dem Covid-19-Ticker, der allgegenwärtigen und völlig verständlichen kollektiven Angst, andere Narrative entgegensetzen.“

Martin Oehlen

Dorian Steinhoff: „Das Licht der Flammen auf unseren Gesichtern“, Mairisch Verlag, 168 Seiten, 16,99 Euro. E-Book: 9,99 Euro.

Steinhof

2 Gedanken zu “Von Wohnzimmer zu Wohnzimmer: Dorian Steinhof im Livestream über das Fußballtalent im Griff der Drogenbande

  1. Ich finde das mit den digitalen Livelesungen richtig Klasse und bin mir sicher, dass sie in Krisenfreien Zeiten auch keine Konkurrenz für das analoge sein werden. Aber es hat schon auch etwas für sich den Leser Mal nicht nur von weiten zu sehen

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