Noch mehr letzte Sätze beim Bachmann-Wettbewerb 2019

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Die Bachmann-Preis-Jury mit dem Rücken zum Betrachter am Bildschirm.  Auf 3sat wurden die Tage der deutschsprachigen Literatur abermals und dankenswerterweise live übertragen.  Foto: Bücheratlas

Die Bedeutung der Enden ist bei den 43. Tagen der deutschsprachigen Literatur, also beim Bachmann-Wettbewerb in Klagenfurt, in den Fokus geraten. Plötzlich und unerwartet. Jedenfalls wollte es so die Jury, wie HIER noch einmal nachzulesen ist. Und dort auch finden sich die ersten letzten Sätze der wettstreitenden Autorinnen und Autoren. Vom abschließenden Vorlesetag reichen wir vier literarische Finalisierungen nach. Ob einer der letzten Sätze über Sieg oder Nicht-Sieg entscheidet, wird sich am Sonntag weisen, wenn die die Voten begründet werden. So viel lässt sich sagen – letzte Sätze können ganz schön neugierig machen auf jene Sätze, die vorangegangen sind.

Ines Birkhahn: „Sie fühlt sich mit dem Wasserraum und den Lebewesen hier so sehr im Einklang, dass ihr die Vorstellung, ein Mensch zu sein, lächerlich erscheint.“

Leander Fischer: „Infernalisch flackernd verging das Köcherfliegenverzeichnis und mit ihm und in ihm die sechshundertsechsundzwanzig verkrusteten Muster.“

Lukas Meschik: „Jetzt muss ich es nur noch schreiben.“

Martin Beyer: „Am Hof angekommen, zahlte er mich aus, ich sagte zu ihm: „Das war mein erstes und mein letztes Mal“, und es stahl sich ein Grinsen auf sein Gesicht, Reichhart nickte wie immer vielsagend und ließ mich gehen.

Anmerkung am Rande: Traditionell müssen die Autorinnen und Autoren die Kritik der Jury kommentarlos über sich ergehen lassen. Das hat gute Gründe. Gleichwohl war es erfrischend, dass Ines Birkhahn am Ende einer fantasievollen Kritikerrunde gefragt wurde, ob man mit den Einlassungen völlig danebenliege. Die Autorin, verblüfft über die Chance, nutzte sie: Ja, sagte sie, die Runde liege ziemlich daneben. Sie wundere sich, dass die professionellen Literaturkritiker nicht das Vorbild Konrad Beier erkannt hätten, nicht die Montage, den Klang und den Humor. Worauf dann einige Jury-Mitglieder doch noch kurz auf Montage und Humor eingingen. Also, so eine Feed-back-Runde hätte sich wohl jeder Teilnehmer – acht Frauen, sechs Männer – gewünscht. Gewiss vor allem jene, die nicht so gut weggekommen sind.

Martin Oehlen

2 Gedanken zu “Noch mehr letzte Sätze beim Bachmann-Wettbewerb 2019

  1. Man könnte auch meinen, dass da ein gewisser Regelverstoß stattgefunden habe, bzw. die anderen könnten sich beschweren; so in diese Richtung gingen meine Gedanken, als die einzige Vorleserin, Frau Birkhahn, zu ihrem Text wichtige Stellungnahme machen durfte…

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