„Nominiert für den Literaturnobelpreis 2054“ – Kölner Literaturnacht revisited (1)

Die 1. Kölner Literaturnacht, veranstaltet vom Verein Literaturszene Köln, bot 137 Veranstaltungen an 42 Orten. Eine stimulierende Leistungsschau, bei der viele Facetten berücksichtigt wurden. Weil immer alles so schnell verrauscht, soll hier in einer kleinen Reihe an einige wenige Veranstaltungen erinnert werden.

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Kamala Dubrovnik bei ihrer Lesung in einem Seminarraum der KHM. Foto: Bücheratlas

 

1. Kunsthochschule für Medien

Heimeligere Leseorte als den Seminarraum 0.18/0.19 der Kunsthochschule für Medien im Kölner Filzengraben gibt es gewiss. Umso schöner, wenn dann die Inhalte von der Form abzulenken vermögen. Studierende der KHM, an der seit 2017 auch das Literarische Schreiben gelehrt wird, präsentierten in Lesung und Poesiefilm ihre Annäherungen an die Literatur, dabei moderierend unterstützt von Natalie Harpat und Andreas Altenhoff.

Den Start legte Kamala Dubrovnik hin. Sie selbst sagt über sich, dass sie 1992 in einem kleinen Olivenhain in Westfalen geboren worden und für den Nobelpreis im Jahre 2054 nominiert sei. Ein Schritt zu dieser Ehrung war nun der kurze Text „Spinnenpapier“, in dem die Autorin von einer knisternden Urlaubserinnerung aus dem Jahre 1966 erzählt. Diese melancholisch-poetische Rekonstruktion gelingt der Erzählerin mit dem Foto-Album im Schoß.

Nachdem sie das „braune Krokodil“ wieder neben dem Kommunionsalbum in Schweinsleder einsortiert hatte, übernahm Wadim Halter das Mikro. Sein Erzähler in „Die Söhne des Staubs“ ist unterwegs im Iran – und wenn er noch weiter Richtung Pakistan reiste, würde seine Reiseversicherung nicht mehr greifen. Ein Gedankenspiel wird in Gang gesetzt, bei dem der Terror der Evolution ebenso berücksichtigt wird wie der Sinn der Welt. Fast scheint es, als sei die Person, die in der Wüste Sand hustet, am richtigen Ort angekommen: „Der Iran ist die Mitte der Welt und die Dattel in meiner Hand ist die Mitte der Mitte.“

Dann müssen sich die Besucher mit ihren Stühlen umdrehen, weil die Rückwand zur Stirnwand wird und dort die Poesiefilme gezeigt werden. In dieser ersten Session sind es „Das Große Fasten“ (Regie: Danila Lipatov, Gedicht: Bastian Schneider) und „CG Rule“ (Regie: Maren Kessler, Gedicht: Adrian Kasnitz). Doch da müssen wir schon weiter beim Versuch, rechtzeitig den nächsten Literaturnacht-Ort zu erreichen.

Martin Oehlen

Weitere Beiträge zur Literaturnacht: Eine Umfrage unter Autoren hier (Bleier, Geil, Köhler) und hier (Geltinger, Raabe, Trompeter). Und dann noch ein Interview mit den Initiatoren Bettina Fischer und Uwe Kalkowski.

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