Eva Menasse („Vienna“) erzählt eine Anekdote: Unter Flüchtlingen

 

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Eva Menasse bei der Matinee zum „Buch für die Stadt“ im Depot 1 des Schauspiel Köln. Das Gespräch über den Roman „Vienna“ führte mit ihr Joachim Frank. Foto: Bücheratlas

 

Hans Menasse ist die zentrale Persönlichkeit in Eva Menasse Debüt-Roman „Vienna“ aus dem Jahre 2005, dem „Buch für die Stadt 2018“ in Köln und der Region. Bei der Eröffnungs-Matinee der Lese- und Literaturaktion von Literaturhaus Köln und „Kölner Stadt-Anzeiger“ erzählte die österreichische Autorin eine Anekdote, die freilich nicht aus dem Familienroman stammt, sondern aus dem wirklichen Leben. Und zugetragen hat sie sich nicht im vergangenen, sondern in diesem Jahrhundert. Man könnte sie so nennen: Unter Flüchtlingen.

Hans Menasse, der als Sohn eines jüdischen Vaters aus Sorge vor dem Vernichtungswahn der Nazis in einem Kindertransport nach England verschickt worden war, ein Mann also, der weiß, was Flucht und Vertreibung bedeutet, hatte unlängst einen Auftritt in Potsdam. Ein Auftritt, wie er nach Angaben seiner Tochter immer öfter vorkomme, weil die Zeitzeugen rar werden. Dort habe ihm ein Mädchen mit Kopftuch, das aus Syrien nach Deutschland geflohen war,  immer wieder Fragen gestellt. Nach der Veranstaltung hätten sich die beiden noch weiter unterhalten. Und Hans Menasse, mittlerweile 88 Jahre alt, habe das junge Mädchen gefragt: „Na, sind sie auch freundlich zu dir?“

Der alte Mann weiß halt, wie man sich als junger Flüchtling fühlt. Wie wichtig es für die Seele ist, ob man willkommen ist oder zurückgewiesen wird. Hans Menasse hat als Junge in England, in den Jahren des Krieges, gewiss nicht nur nette Begegnungen gehabt. Das ist auch in „Vienna“ nachzulesen, was zwar ein Roman ist, aber doch einer, der hart an der realen Geschichte entlanggeschrieben ist. Er hätte auf die Frage, die er dem Mädchen gestellt hatte, die Antwort gegeben, die er als erstes in der ihm fremden englischen Sprache beherrschte, ohne ihre Bedeutung genau zu kennen: „Very well, thank you.“

Was das Mädchen geantwortet hat, wissen wir nicht. Aber darauf kommt es bei dieser Anekdote auch gar nicht an.

Martin Oehlen

 

Ein ausführliches Interview mit Eva Menasse gibt es hier:

https://www.ksta.de/kultur/buch-fuer-die-stadt/ein-buch-fuer-die-stadt-eva-menasse-im-interview-zu-ihrem-roman–vienna–31521650

Einen Bericht über die Matinee zum „Buch für die Stadt“ in Köln und der Region gibt es hier:

https://www.ksta.de/kultur/-buch-fuer-die-stadt–eva-menasse-stellt-ihren-roman–vienna–vor-31538884

Eine kurze Einführung in den Roman „Vienna“ gibt es hier:

https://www.ksta.de/kultur/buch-fuer-die-stadt/buch-fuer-die-stadt-eva-menasses-expedition-in-die-eigene-familiengeschichte-31530178

 

 

 

 

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