Schon ist das Finale da! Im dritten und letzten Teil unserer Empfehlungen für einen Aufenthalt in Wien geht es um kleine Fluchten aus dem Zentrum sowie um Restaurants und Lektüren. Bereits erschienen sind Anregungen zu Museen, Kaffeehäusern und Literaturorten (HIER) sowie im zweiten Teil zu Künstlerwohnungen, Beisln und Kirchen (HIER). Das alles selbst getestet und garantiert subjektiv.
Ausflüge

P. P.: Hermes-Villa im Lainzer Tiergarten
Prinzessin Marie Valerie ließ kein gutes Haar an der „Villa Waldruh“, als sie 1886 das Schlösschen im Lainzer Tiergarten das erste Mal besuchte. Ungemütlich, feucht und kühl sei es und allem, „was wir bisher gewohnt waren, gar nicht gleich“, notierte die 18-Jährige in ihrem Tagebuch. „Diese Marmorreliefs, die üppigen Teppiche, Kamine in getriebener Bronze, das Schnitzwerk an allen Ecken und Enden, dieser manirirte (sic) Rokokostil!“ Auf den Einbau von Badezimmern und Wasserklosetts hingegen hatte man verzichtet. „Ach wären wir doch wieder daheim“, seufzte das Prinzesschen. Auch Kaiserin Elisabeth war alles andere als angetan von dem großzügigen Geschenk, das Ehemann Franz Josef ihr an diesem 26. Mai 1886 stolz präsentierte. „Sisi“ rümpfte die Nase – und reiste gleich wieder ab. Erst ein Jahr später besuchte sie das Schloss erneut und begann sogleich mit dessen Umgestaltung. Zudem ließ sie im Garten eine Statue des griechischen Gottes Hermes aufstellen, der der Villa bis heute ihren Namen gib. In den folgenden Jahren verbrachte das österreichische Herrscherpaar regelmäßig ein paar Wochen in dem abgelegenen kleinen Schloss.
Nach Elisabeths Ermordung im Jahr 1898 erbte ihre Tochter Marie Valerie das Anwesen, verkaufte es jedoch 1911. In den folgenden Jahrzehnten verfiel das Schloss mehr und mehr. Erst 1970 begann man mit einer umfassenden Renovierung. Heute ist die neobarocke Hermes-Villa ein beliebtes Ausflugsziel, das wir gern empfehlen. Eingebettet in den parkähnlichen Lainzer Tiergarten, der mit Picknickplätzen, gepflegten Auen und zahlreichen Sitzbänken aufwartet, lädt es ein zu einem informativen Rundgang durch die obere Etage. Man kann unter anderem Sisis ehemaliges Turnzimmer, ihr Ankleide- und ihr Schlafzimmer mit dem riesigen barocken Prunkbett besichtigen. Ausgestattet ist der Raum mit üppigen Wandmalereien, die Szenen aus William Shakespeares „Sommernachtstraum“ zeigen, dem Lieblingsdrama der Kaiserin. Vom Originalmobiliar ist ansonsten wenig erhalten. Dennoch vermittelt das Interieur eine ungefähre Vorstellung vom kaiserlichen Leben in der Sommerfrische. Im Erdgeschoss ist ein Café untergebracht. Es verfügt über eine große Terrasse, auf der sich im Sommer wunderbar relaxen lässt.

M. Oe.: Kahlenberg
Drei Gründe sprechen für den Ausflug auf den Kahlenberg im Osten der Stadt. Erstens die Aussicht auf Wien, die sich mit einem Kaffee von der Terrasse aus genießen lässt (das Selbstbedienungslokal auf der einen, das Restaurant auf der anderen Seite der Plattform). Zum prächtigen Weitwinkelblick passt der Spruch des Franz Grillparzer an einer Fassade: „Hast Du vom Kahlenberg / das Land Dir rings besehen / Dann wirst Du was ich schrieb / und was ich bin verstehen“. Zweitens lohnt der Ausflug wegen der historischen Bedeutung des Bergs bei der zweiten Türkenbelagerung im Jahre 1683. Drittens wegen des schönen Wegs hinab nach Grinzing oder Nußdorf. Der führt durch Weinberge und vorbei an der Buschschenke Mayer am Nußberg. Selbstverständlich könnte man zu Fuß auch hinaufsteigen. Ja, offen gestanden machen das gar nicht so wenige. Aber die Busfahrt auf der Höhenstraße ist ebenfalls sehr angenehm. Der Bus hält praktisch vor der Josefskirche, die uns vor allem deshalb aufgefallen ist, weil sich am Sonntag die (zumeist polnischen) Gläubigen zur 11-Uhr-Messe hineindrängen, während die der 10-Uhr-Messe noch hinausdrängen.

Weitere Ausflüge, die wir empfehlen können:
Hinauf zur Gloriette im Park von Schloss Schönbrunn, wo es nicht nur einen guten Blick aufs Schloss, sondern über die Stadt hinaus zu den Weinbergen gibt;
auf die Donauinsel, wo man am Ufer einkehren könnte beim Griechen oder beim Italiener (auf der schattigen Terrasse des „It’s Amore“ kann, wer mag, die Zehen in den Pseudosandstrand stecken);
Klosterneuburg mit dem Augustiner-Chorherrenstift und der Stiftskirche (Verduner Altar) befindet sich gleich hinter der Stadtgrenze und ist mit Bus und Bahn leicht und regelmäßig erreichbar.
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Restaurants

M. Oe.: Bruder
Das Restaurant Bruder hat einen Innenhof an der Raimund-Stiege. Außerdem eine Schanigarten-Zeile an der Windmühlgasse. Doch atmosphärisch noch besser geht es im Inneren zu, wo große Einmachgläser mit allerlei Aufgesetztem den Eindruck einer Alchemisten-Küche suggerieren. Was da gemixt wird, ist ein feines Vergnügen. Lässig, kräuterselig, intensiv – so wirkte das Menü auf uns! Mit einigen Grüßen aus der Küche und von der Bar. Die Angaben zu den Gerichten haben Poesie im Sinn. Unter „Endlich was Gescheits“ werden die Hauptspeisen aufgeführt: „Die Königin isst“ (Lamm, Erbse, Chicorèe), „Ernst sei Dank“ (Bratwurst, Erdapfel, Sardelle) oder „Zauber des Verzichts“ (Sellerie, Miso, Rhabarber). Der Nachtisch findet sich unter dem Hinweis „Deine Waage lügt“. Zwar geht man nicht wegen der Speisekartenprosa ins Restaurant – aber wenn sie einem Besuch des i-Tüpfelchen aufsetzt, ist sie willkommen.

P. P.: Buxbaum in der Grashofgasse 3
Wir wollen nicht drumherum reden. Teuer war’s im Restaurant Buxbaum. Ein Wiener Schnitzel vom Kalb für 29 Euro, der Wolfbarsch im Ganzen gebraten für 42 Euro. Wir saßen unter weißen Schirmen (die später als Schutz vor einem heftigen Sommerregen dienten) und schauten hinaus auf den stillen Heiligenkreuzerhof. Allein dieser Ausblick lohnte den Besuch, vom vorzüglichen Essen im Buxbaum ganz zu schweigen. Jenseits des Hofes stand ein mannshoher Rosenstrauch mit üppigen weißen Blüten, und kaum einer der vorüberschlendernden Passantinnen und Passanten widerstand der Versuchung, an ihnen zu schnuppern. Nach dem Regen bedeckte eine Schicht von weißen Blättern den Boden, und es roch betörend nach Rosen. Ein Ort zum Verweilen und Sich-Wohlfühlen.
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Lektüre


P. P.: Die August-Emmerich-Krimireihe von Alex Beer (Limes Verlag)
Wien in den 1920er Jahren. Die Stadt leidet unter den Folgen des Ersten Weltkriegs. Als da wären: Hunger, Armut, Wohnungsnot und eine steigende Kriminalitätsrate. Letztere macht vor allem dem Wiener Kriminalinspektor August Emmerich zu schaffen. Fünf Bände umfasst die 2018 gestartete Reihe der österreichischen Krimiautorin Alex Beer: „Der zweite Reiter“, „Die rote Frau“, „Der dunkle Bote“, „Das schwarze Band“ (HIER) und schließlich „Der letzte Tod“. Im Herbst 2024 soll mit „Die weiße Stunde“ ein sechster Band folgen. Alle Folgen sind hervorragend recherchiert und geben einen guten Einblick in die Geschichte Wiens und die Mentalität seiner Bewohnerinnen und Bewohner.
M. Oe.: Der Familienroman „Vienna“ von Eva Menasse (Kiepenheuer & Witsch)
Ein Roman über Wien, über Österreich, über das vergangene Jahrhundert. Im Zentrum steht der Vater der Erzählerin: „Sohn eines jüdischen Vertreters für Weine und Spirituosen und einer katholischen Sudetendeutschen, die aus der Kirche ausgetreten war.“ Und weil es sich um eine jüdische Familie aus dem 20. Jahrhundert handelt, ist der Terror des Nationalsozialismus der Geschichte eingeschrieben. Eva Menasse erzählt ihren Roman (den wir HIER vorgestellt haben) mit Witz und – wo nichts anderes hilft – mit Sarkasmus. Ein großes Panorama, ein oft anrührender Familienroman.
Auf diesem Blog
liegen bereits zwei Wien-Tipps-Folgen vor: Teil 1 zu Museen, Kaffeehäusern und Literaturorten (HIER). Teil 2 zu Hausbesuchen, Beisln und Kirchen (HIER).
Außerdem haben wir die Lektüre-Empfehlungen vorgestellt. „Das schwarze Band“ von Alex Beer gibt es HIER und ein Kurzinterview mit der Autorin zur August-Emmerich-Reihe HIER. Über Eva Menasses „Vienna“ lässt sich HIER mehr erfahren.
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Da werde ich ganz Wien-nostalgisch …
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Das freut mich! Und wir überlegen schon, wann die nächste Chance besteht, dorthin zu reisen.
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