Historische Kriminalromane boomen: Spannende Zeitreisen mit Axel Simon, Alex Beer und Robert Brack

Auch in historischen Kriminalromanen geht es immer wieder um das Gute und das Böse. Die Wasserhahn-Armatur stammt aus dem feinen Bauhaus Museum in Weimar. Foto: Bücheratlas

Die Gegenwart ist spannend. Die Vergangenheit, so scheint es, ist noch wesentlich spannender. Wohl selten gab es so viele deutschsprachige Krimis, die im vergangenen, wenn nicht sogar im vorvergangenen Jahrhundert spielen. Wir stellen an dieser Stelle eine kleine Auswahl neuerer Titel vor.

Detektiv Landow im kaiserlichen Berlin

„Goldtod“ ist Axel Simons zweiter Band seiner Gabriel-Landow-Reihe. Er gehört zweifellos zu den lesenswertesten Beispielen für diesen Rückwärtssalto in die deutsche Geschichte. Wir schreiben das Jahr 1889. Kaiser Friedrich III. hat kurz zuvor nach nur 99-tägiger Herrschaft das Zeitliche gesegnet, die Welt ist im Aufbruch. In Paris bereitet man sich auf die Weltausstellung vor, gerade wird ein gigantisches Eisengestell in den Himmel gebaut, das bald als der Pariser Eiffelturm berühmt werden soll.

Auch in Berlin wird an allen Ecken und Enden gebaut und gebuddelt. Allein die Detektei von Gabriel Landow und seinem Kompagnon Orsini kommt nicht so recht in die Gänge. Zumal Landow sich lieber durch die Tage säuft, als neue Aufträge an Land zu ziehen. Das ändert sich, als im Schlosspark von Charlottenburg die bizarr drapierte Leiche eines bekannten Bankers und Bismarck-Freundes gefunden wird. Schon bald erwischt es einen Kollegen des Toten, und das Ermittler-Duo steigt in die Ermittlungen ein.

Was bedeuten die Rohdiamanten, die im Mund der Toten gefunden wurden, und wie hängen die einzelnen Verbrechen zusammen? Auch in dem zweiten Band der Reihe gelingt es Simon hervorragend, den Zeitgeist jener Epoche einzufangen. Ganz abgesehen von, dass die Story spannend erzählt und die Charaktere gut gezeichnet sind.

Inspektor Emmerich im Wien nach dem Ersten Weltkrieg

Die Österreicherin Alex Beer ist zurückgekehrt zu August Emmerich. Der Wiener Ermittler, tätig nach dem Ende des Ersten Weltkriegs, hat ihr bereits mehrere Preise eingebracht. Auch „Das schwarze Band“, der – bereits vor einem Jahr erschienene – vierte Band der Reihe, punktet wie seine Vorgänger mit historischer Genauigkeit und einer gut geschriebenen, überzeugenden Geschichte.

Kriminalinspektor August Emmerich wird abgeschoben in einen Benimmkurs, wo er lernen soll, im richtigen Augenblick den Mund zu halten und sich Vorgesetzten gegenüber respektvoll zu benehmen. Viel lieber würde er den Tod von zwei blutjungen Tänzerinnen und Animierdamen untersuchen. Doch auch aus der Ferne mischt der Inspektor mit bei den Ermittlungen – und schafft es im letzten Moment sogar, einen Staatsstreich zu verhindern. Ein fünfter Band („Der letzte Tod“) soll im September 2021 herauskommen.

Wildes Quartett in der Hamburger Sturmflut von 1962

Robert Brack siedelt seinen „Sturmflut-Thriller“ im Jahr 1962 an. Genauer: In der Nacht des 16.Februar, als in Hamburg die Deiche brachen und mehrere hundert Menschen in den Fluten ertranken. „Dammbruch“ erzählt die Geschichte von vier Menschen, die in dieser Sturmnach zufällig aufeinandertreffen: der Einbrecher Lucius Rinke, der seinen letzten großen Coup plant, und sein Helfer Peter Kummerfelt. Die geheimnisvolle Altenpflegerin Betty, die ihre Namen wechselt wie andere die Socken, und ein Polizist auf Streife, der im falschen Moment den Mund aufmacht. Sie alle werden von den entfesselten Wassermassen fortgespült, und nur drei von ihnen werden die Nacht überleben.

Für ein paar Stunden bilden sie eine verzweifelte Notgemeinschaft, doch selbst in Zeiten höchster Gefahr traut keiner keinem und alles ist möglich. Bracks Charakterstudien sind fast noch spannender als die eigentliche Geschichte. Seine Protagonisten schleppen die Last eines erst wenige Jahre zurückliegenden Krieges mit sich herum. Das, was damals geschah (und was nur andeutungsweise erzählt wird), hat ihre Seelen verbogen und macht sie unfähig, sich in der Gegenwart zurechtzufinden. Ein gut erzähltes und psychologisch überzeugendes Stück Zeitgeschichte.

Petra Pluwatsch

Auf diesem Blog

finden sich weitere Beiträge zu Büchern von Axel Simon (HIER) und Alex Beer (HIER).

Außerdem hat auch Thomas Ziebula eine historische Krimiserie aufgelegt. „Abels Auferstehung“ ist der zweite Band einer Reihe um den Leipziger Ermittler Paul Stainer, den wir HIER vorgestellt haben. Ein dritter Band soll in wenigen Monaten folgen.

Die vorgestellten Bücher:

Axel Simon: „Goldtod“, Kindler, 464 Seiten, 20 Euro. E-Book: 14,99 Euro.

Alex Beer: „Das schwarze Band“, Limes, 350 Seiten, 20 Euro. E-Book: 15,99 Euro.

Robert Brack: „Dammbruch“, Ellert & Richter, 240 Seiten, 12 Euro. E-Book: 9,99 Euro.  

.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s