Morden für ein kleines bisschen Glück: „Kein Feuer kann brennen so heiß“ ist der 16. Kriminalroman von Ingrid Noll

Ingrid Nolls Heldin ist bereit, sich zu wehren. Foto: Bücheratlas

Eine Schönheit ist Altenpflegerin Lorina wahrlich nicht: unbeholfen und etwas zu dick, mit kreisrunden Augen und dem Charme einer Dampfwalze. Ein „Trampeltier“ halt, wie ihre Schwester Carola sie nennt, ein „Dabbes“, so die Oma, oder „ein Plumplori“, so der Vater. Ein plumpes Etwas, das über seine eigenen Füße stolpert. Kein Wunder also, dass Lorina ihr Heil in der Flucht sucht und einen Job annimmt, der sie so weit weg vom Elternhaus wie nur möglich führt.

Ihre neue Arbeitgeberin Frau Alsfelder entpuppt sich als freundliche alte Dame, deren Pflege wenig Mühe macht, und Boris, der sangesfreudige Masseur, der schon bald vor Dienstbeginn in Lorinas Bett schlüpft, ist erst recht ein Gewinn. Doch wer die Bücher von Ingrid Noll kennt, der ahnt, dass einer Idylle wie dieser nicht zu trauen ist.

In der Tat: Auch in ihrem jüngsten Kriminalroman „Kein Feuer kann brennen so heiß“ läuft das Leben der Protagonistin schon bald komplett aus dem Ruder. Boris entpuppt sich als Macho mit mancherlei Talenten. Treu zu sein gehört eindeutig nicht dazu. Frau Alsfelders schmieriger Großneffe Christian hat es auf Tantchens Geld abgesehen und scheut keine böse Tat, um sein Ziel so schnell wie möglich zu erreichen. Auch Boris‘ Nachfolger, der schüchterne Ruben, ist nicht ohne: ein Phobiker und Bummelant, dem Lorina schließlich zeigt, was sie von einem Mann erwartet. Die alte Frau Alsfelder indes blüht ob der turbulenten Ereignisse regelreich auf, und auch Lorina scheint endlich im Leben angekommen zu sein.     

Ingrid Noll, die im September 86 Jahre alt wird, bewegt sich auch in ihrem 16. Roman auf bestens bewährtem Terrain. Sie schildert eine verschworene kleine Gemeinschaft, die das Leben zusammengeführt hat und die sich tapfer gegen die Welt da draußen behauptet. Ihr Personal, das sind von je her die Einzelgänger, die Aus-dem-Nest-gefallenen, die ihr Schicksal selber in die Hand nehmen müssen, um ein bisschen Glück abzubekommen. Auch wenn es dafür nötig ist, den ein oder anderen kleinen Mord zu begehen.

Petra Pluwatsch

Auf diesem Blog ist zuletzt Ingrid Nolls Roman „Goldschatz“ besprochen worden (HIER) sowie eine Buchempfehlung der Autorin erschienen (HIER).

Ingrid Noll: „Kein Feuer kann brennen so heiß“, Diogenes, 304 Seiten, 24 Euro. E-Book: 20,99 Euro.

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