Schätze aus dem Mustopf: Jochen Schmidt „weiß noch, wie King Kong starb“, lobt die Bommelmütze und guckt sich Union Berlin an

Jochen Schmidt mit Mütze, aber ohne Bommel. Foto: Bücheratlas

Kleine Aufheiterung gefällig? Da sind wir bei Jochen Schmidt an der richtigen Adresse. Hauptsache heiter – das gilt für sein Werk im Allgemeinen und für seine druckfrischen Forschungsergebnisse im Besonderen: „Ich weiß noch, wie King Kong starb“. Der Berliner Autor versammelt hier alles, was ihm im Kleinen und im Großen auffällt. Der Jäger der Alltagsschätze dreht staunend jede Silbe um, blickt neugierig hinter viele Vorhänge, ignoriert mit Nachdruck aufdringliche Konsumofferten und belobigt das Bewährte.

Den Auftrag der Freundin vergessen

Dass er im Privaten nicht allen Erwartungen entspricht, die in ihn gesetzt werden, bringt er unverblümt zur Kenntnis. Ja, man darf wohl behaupten, dass er mit den Schwierigkeiten kokettiert, die er als die seinen ausgibt. Was war das noch, was ihm die Freundin aufgetragen hatte? Sollte er den Hund ausführen? Unwahrscheinlich. Denn in diesem Haushalt gibt es überhaupt keinen Hund. Was war es denn nun? „Eigentlich habe ich es nicht vergessen, dazu müsste ich es mir ja erst einmal gemerkt haben. Aber wenn sie mir etwas sagt, das ich mir merken soll, bekomme ich sofort so eine Prüfungsangst, weil ich schon bei den ersten Sätzen den Anschluss verloren habe und nur noch verängstigt in ihre Augen starre, während ich mich auf ihre Worte zu konzentrieren versuche.“

Es sind meist kurze Texte, die Eingang in dieses – wie Schmidt es nennt – „Florilegium“ gefunden haben. Da schnurren Reflexionen zum Leben als Dichter, Lebenspartner und Vater durch das Buch, weiter solche zu Gontscharows „Oblomow“ oder zu Union Berlin, nicht zuletzt wird die Bommelmütze als sympathischstes Kleidungsstück gewürdigt. Jede Bommel war früher, erfahren wir, „die Träne einer Großmutter“.

„Ach so! Ach so?“

Zudem neigt Jochen Schmidt zur Anlage kleiner Sammlungen. So zählt er beispielsweise Momente auf, in denen er „Ach so!“ sagen konnte. Das sei für ihn, der „so oft aus dem Mustopf“ komme, eine gern genutzte Formulierung: „Die Kölln-Flocken sind gar nicht aus Köln? Ach so! Aber das Bild auf der Packung zeigt doch den Kölner Dom? Nein, das ist ein Schiff vor einem Kornspeicher. Ach so?“ Und so immer weiter von Aufklärung zu Aufklärung. Beispiele. Sammelgebiete können aber auch „Die Kindheit der anderen“ oder „Ein schlechtes Gewissen“ – was, wann, warum?

Lebensfrohe Texte sind das allemal. Oft sind sie amüsant. Manchmal albern. Und die eine oder andere billige Pointe bleibt nicht aus: „Musikalisch hat mich in der Oper am ehesten das Einspielen der Musiker fasziniert, damals konnte man es noch von den Kompositionen unterscheiden.“ Allerdings verträgt die Lektüre durchaus ein paar Atempausen. Denn wenn unaufhörlich Witz auf Witz und Skurrilität auf Skurrilität folgen, kann die Begeisterung erlahmen. Wohl dosiert sind die Gaben des Allerweltbeobachters sehr zuträglich. Jochen Schmidts Blütenlese ist bestens geeignet, jenen das Quäntchen Aufheiterung zu liefern, die danach lechzen. Also uns allen.

Martin Oehlen

Auf diesem Blog finden sich Besprechungen zu Jochen Schmidts Roman „Ein Auftrag für Otto Kwant“ (HIER) und seine „Gebrauchsanweisung fürs Laufen“ (HIER).   

Jochen Schmidt: „Ich weiß noch, wie King Kong starb – Ein Florilegium“, C. H. Beck, 240 Seiten, 22 Euro.

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