Deutscher Dichter unter Druck: Christian Schnalkes fabelhafter Historienroman „Die Fälscherin von Venedig“

Foto: Bücheratlas

Schon wieder steckt Franz Wercker in der Bredouille. Vier Morde werden dem deutschen Schriftsteller angelastet, nur knapp konnte er seinen Kopf vor dem Henkersbeil retten. Der Deal, der das Wunder möglich machte: Wercker muss innerhalb weniger Monate in Venedig einer Bande von Kunstdieben das Handwerk legen, die einen lukrativen Handel mit geraubten Kunstschätzen betreibt.

So nimmt der Mann, den wir bereits aus Christian Schnalkes fabelhaftem Historienkrimi „Römisches Fieber“ kennen – und der selbstverständlich unschuldig ist –, ein zweites Mal eine falsche Identität an. Robert von Stargard nennt er sich fortan. Sein Beruf: Kunsthändler.

Das geht nicht gut. Die Sache fliegt auf, Franz verliert fast sein Leben. Doch wir wollen hier nicht zu viel verraten. Zumal „Die Fälscherin von Venedig“, so der Titel dieses ebenfalls fabelhaften Fortsetzungsbandes, mit weitaus mehr punktet als allein mit einem spannenden Plot.

Christian Schnalke, bekannt als Drehbuchautor (unter anderem des starken Fernsehfilms „Katharina Luther“) und Gag-Schreiber (für die Harald-Schmidt-Show), entführt seine Leserinnen und Leser mit einer beneidenswerten Leichtigkeit in das Venedig des 19. Jahrhunderts. Fast kann man das brackige Wasser der kleinen Kanäle riechen, an denen Franz auf der Suche nach den Kunstdieben vorbeiwandert. Man hat den Geschmack von Kaffee und Wein auf der Zunge, wenn der falsche Kunsthändler mit den deutschen Expats in den Szene-Cafés der Lagunenstadt abhängt, und steigt mit ihm hinab in die muffigen Keller der Diebe und Hehler.

„Die Fälscherin von Venedig“ ist eine prall-bunte Geschichte, bevölkert von Schurken, herzensguten Waisenkindern, falschen Schlangen und Menschen, deren Namen wir aus Geschichtsbüchern und Literaturseminaren kennen. Franz trifft Friedrich Schlegel und Franz Grillparzer, selbst mit Kaiser Franz I. von Österreich darf er ein paar Sätze wechseln. Selbstredend, dass auch Johann Wolfgang von Goethe einen kleinen Auftritt hat.

All das ist klug zu einem spannenden, gut recherchierten Roman zusammengebaut – ein als Krimi verpacktes Sittengemälde, das von der Lust am Unterwegssein, von der Liebe und von der Kunst erzählt.

Petra Pluwatsch

Auf diesem Blog findet sich eine Besprechung von Christian Schnalkes vorangegangenem Roman „Römisches Fieber“ genau HIER .

Christian Schnalke: „Die Fälscherin von Venedig“, Piper, 496 Seiten, 22 Euro. E-Book: 16,99 Euro. 

3 Gedanken zu “Deutscher Dichter unter Druck: Christian Schnalkes fabelhafter Historienroman „Die Fälscherin von Venedig“

  1. Gestern habe ich das Buch bei meiner örtlichen Buchhandlung bestellt und werde es bald abholen – ein schöner Zufall, dass es genau heute bei Euch so positiv besprochen wird! Nachdem ich bereits „Römisches Fieber“ sehr mochte, freue ich mich schon sehr auf die Lektüre – und nach dieser begeisterten Rezension noch mehr… Danke und einen schönen Sonntag!

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  2. Pingback: Dunkle Machenschaften in der Serenissima – Kulturbowle

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