Es knistert und knallt auf der Bühne: Christian Knulls Debütroman „Wir probten die Liebe“

Foto: Bücheratlas

Elf Männer und Frauen proben ein Theaterstück, angefeuert von einem egomanischen Regisseur. Ausgerechnet Arthur Schnitzlers erotik-geschwängerten „Reigen“ (1896/97) will Nico Teichmeister mit seiner Laienspielgruppe auf die Bühne bringen. Bald schon knistert und knallt es heftig zwischen den Ensemblemitgliedern.

Der Kölner Journalist Christian Knull, seit vielen Jahren Mitglied des Theaters „Das Spielbrett“, ließ sich für seinen Debütroman „Wir probten die Liebe“ von eigenen Erfahrungen inspirieren. In zwölf kurzen Kapiteln porträtiert er die Ensemblemitglieder: Claudia, die alternde Diva, die auf der Bühne die Dirne gibt. Den schwatzhaften Steuerberater Robert. Und natürlich Regisseur Nico Teichmeister, dessen Ansprüche die Laienspielschar an ihre Grenzen bringt.  Paare finden sich. Oder auch nicht. Es kommt zu Streitereien, zu psychischen Talfahrten und Gewaltausbrüchen.

All das beschreibt Knull mit viel psychologischem Geschick in einer feinen, ausgefeilten Sprache. Als Schnitzlers Drama uraufgeführt wurde, war das ein Skandal. Die Lektüre des Romans „Wir probten die Liebe“ ist hingegen ein Vergnügen.

Petra Pluwatsach


Es braucht Geduld und Glück: Christian Knull über seinen ersten Roman – und den Weg dorthin

Wir probten die Liebe“ ist Dein erster Roman – bisher warst Du vor allem journalistisch tätig. Wie bist Du auf die Idee gekommen, bzw. woher hast Du den Mut genommen, ein Buch zu schreiben?

Mich fasziniert, was in unseren Köpfen vorgeht, was uns antreibt. Was uns bewusst ist, was nicht, was wir verbergen. Auch wo wir scheitern. Misslingen und Missverständnisse sind oft rührend-komisch. Ich habe viele kuriose Erlebnisse mit den eigenen Kindern erlebt und als kleine Geschichten aufgeschrieben. (Als sie 18 waren, haben sie allmählich darüber lachen können.) Es hat mich gereizt, eine eigene Geschichte zu konzipieren und zu schreiben.

Christian Knull Foto: Privat

Warum gerade dieses Thema?

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Ich habe im Theater „Das Spielbrett“ im „Reigen“ selbst mitgespielt.  Theaterspielen finde ich spannend, weil man im Laufe der Proben alle Stadien der Kommunikation durchläuft – stockende, peinliche, witzige, am Ende vielleicht glaubhafte. Und der „Reigen“ gilt als Komödie, obwohl es um Sex geht. Er bietet schillernde Einblicke in unser Verhalten, das in diesem Punkt besonders wunderlich werden kann. Da ich für den Roman Personen und Handlung erfunden habe, konnte ich mich gleich in ein Dutzend Personen hineinversetzen und deren tragikomisches Verhalten mit kräftigen Farben ausmalen. Insofern erzähle ich in inneren Monologen, was an Sorgen, Hoffnungen und Sehnsüchten durch die Köpfe der Protagonisten rauscht.

Wie lange hast Du für den Text gebraucht?

Ein Jahr. 

Wie schwer war es, einen Verlag zu finden? 

Ich habe große Verlage angemailt – fast ohne Resonanz. Bei den kleineren bekam ich Antworten, und ich habe großes Glück gehabt, dass den Kuuuk-Verlag aus Königswinter die Geschichte interessierte.

Kannst Du Tipps geben, wie man am besten vorgeht?

Man kann Literaturagenten ansprechen. Im Internet findet man Adressen, auch Listen kleiner, spezialisierter Verlage. Schreibworkshops können Orientierungshilfe bieten. Es braucht Geduld und Glück.

War es das – oder gibt es bereits Pläne für ein weiteres Buch? 

Bei den Lesungen zur „Schrägen Weihnacht“ trage ich seit Jahren Geschichten von Frau Kredelbach vor, einer gewitzten, lebensklugen, alten Nachbarin. Sie ist sehr geübt darin, die Welt auf ihre Art zu erklären. Vielleicht stelle ich diese Geschichten mal zusammen, ich bin von Besuchern schon ermutigt worden, sie zu veröffentlichen.

Die Fragen stellte Petra Pluwatsch

Christian Knull: „Wir probten die Liebe. Ein Ensembleroman“, Kuuuk, 182 Seiten, 12 Euro. E-Book 8,99 Euro.

2 Gedanken zu “Es knistert und knallt auf der Bühne: Christian Knulls Debütroman „Wir probten die Liebe“

  1. Vielen herzlichen Dank für den wunderbaren Tip! Ein Theaterroman – herrlich – das ist genau nach meinem Geschmack und kann jetzt vielleicht ein wenig helfen, über den erneut „theaterlosen“ November hinwegzutrösten. Dankeschön!

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