Es muss nicht immer Fernreise sein: Schönheiten von der Zugspitze über Venedig bis zum Großglockner

Das Café Florian am Markusplatz ist eine prominente Möglichkeit, sich in Venedig zu stärken. Foto: Bücheratlas

In Zeiten, da das Fernreisen nicht opportun erscheint, entdecken viele die Reize der Nähe. „Unsere Heimat ist auch sehr schön!“, hören wir unsere Hotelwirtin am österreichischen Großglockner sagen. Das begreifen immer mehr Menschen. An der deutschen Zugspitze – ja, wir wechseln mal kurz die Gipfelregion – sagt eine Restaurant-Mitarbeiterin: „Einen solchen Ansturm wie in diesem Sommer habe ich seit 44 Jahren nicht erlebt.“

Unser Reiseziel war Venedig, weil die Serenissima derzeit so leer wie nie sein soll. Ein wenig stimmt das, da die Kreuzfahrtschiffe nicht mehr in der Lagune ankern. Aber der Hinweis, wie herrlich ruhig es in der schönsten Stadt der Welt ist, haben wohl schon zu viele weitergereicht. Ein paar Ausführungen dazu haben wir bereits HIER zum Besten gegeben. Aber: Der Ausflug lohnt sich selbstverständlich jederzeit. Wir haben jedenfalls nach fünf Venedig-Tagen eine Liste aufgestellt, was wir beim nächsten Mal besichtigen wollen, weil wir es diesmal nicht geschafft haben. Die Liste ist alles andere als kurz geraten.

Schönheiten zuhauf bieten allerdings auch die Fahrten nach und von Venedig. Wen’s interessiert, dem seien einige unserer Highlights genannt.

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In Garmisch, dem Nachbarn von Partenkirchen, haben wir jenseits des quirligen Zentrums die alte Pfarrkirche St. Martin mit ihrem freistehenden Campanile besucht. Eine gerade dort anwesende Fremdenführerin hat uns die Fresken erläutert, darunter ein menschenfressender Drache und ein sieben Meter hoher Christophorus, der das Jesuskind nicht auf der Schulter, sondern auf dem Arm trägt. Angeblich gibt es von dieser Variante nur drei Exemplare.  

Die versunkene Kirche in Graun am Reschenpass Foto: Bücheratlas

In Graun im Vinschgau ist der einsam aus dem See herausragende Kirchturm ein beliebtes Fotomotiv. Dass sich dahinter die Geschichte eines Dorfes verbirgt, das trotz aller Widerstände geflutet worden ist, wissen wohl nur noch wenige. Allerdings hat Marco Bolzano jüngst den Roman „Ich bleibe hier“ bei Diogenes veröffentlicht, der das Drama vom Reschensee in Erinnerung ruft.

In Terlan im Südtiroler Etschtal hat man die Burgruine Neuhaus im Blick. Die einflussreiche Margarete von Tirol hielt sich dort im 14. Jahrhundert sehr gerne auf. Berühmt geworden ist die Gräfin unter dem Beinamen Maultasch. Oft wurde behauptet, Margarete sei wegen einer Missbildung oder wegen ihrer losen Zunge derart abschätzig benannt worden. Doch vermutlich liegt die Annahme näher, dass ihr der Name wegen der unterhalb der Burg eingerichteten Zollstation verpasst worden ist – der „mala tasca“, wo einem das Geld abgeknöpft wurde. Terlan selbst ist umgeben von Weinbergen und Apfelwiesen und bis Bozen und Meran ist es nicht weit.  

In Gardone Riviera lässt es sich vortrefflich am Westufer des Gardasees flanieren. Hier lebte und starb der Schriftsteller Gabriele d’Annunzio, dessen Anwesen in ein Museum umgewandelt worden ist. Ein botanischer Garten befindet sich bis heute in österreichischer Hand – 1914 von Arthur Hruska begründet, Ende der 80er Jahre von André Heller aus dem Tiefschlaf geweckt und mittlerweile im Besitz eines Immobilienmaklers aus Österreich. Was da grünt und blüht, darf besichtigt werden.

Der Großglockner (links) und der Gletscher Pasterze (rechts) im Nationalpark Hohe Tauern in Österreich Foto: Bücheratlas

Auf der Rückreise von Venedig fuhren wir über den Plöckenpass nach Heiligenblut am Großglockner. Fabelhaft. Auf der Kaiser-Franz-Josefs-Höhe, mitten im Nationalpark Hohe Tauern, öffnet sich ein Parade-Panorama mit Österreichs höchstem Berg (3798 Meter) und dem größten Gletscher des Landes, der Pasterze, die sich allerdings mehr und verdünnisieret. Steinböcke soll es hier auch geben, aber wir haben nur Murmeltiere beobachten können. Einige Mini-Ausstellungen gibt es hier oben auch: Eine über den mühsamen Aufstieg der Bergsteigerinnen in der scheinbaren Männerdomäne, weiter die Kunstausstellung „Alpenliebe“ (eine Fotoserie zeigt Martin Kippenberger als beeindruckter Flachlandtiroler in alpiner Höhe), dann noch eine Präsentation von historischen Autos und Motorrädern – offenbar ein Tribut an die vielen motorisierten Touristen, die auf der fantastischen Großglocknerstraße unterwegs sind.

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So, das soll es erst einmal gewesen sein. Eine Liste mit Übernachtungstipps folgt in Kürze auf diesem Blog. Und einen Geheimtipp für Venedig wird es auch noch geben. Mal sehen, ob der ebenso viel Interesse stoßen wird wie unser Geheimtipp für Rom – siehe HIER .

Martin Oehlen und Petra Pluwatsch

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