Karen Duve und Feridun Zaimoglu über starke Frauen und bange Männer

 

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Das Boot wird voll…

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… für die nächtliche Rheinfahrt mit Literatur. Fotos: Bücheratlas

Sie war anders als die anderen Frauen: Annette von Droste-Hülshoff (1797-1848), die Autorin der Novelle „Die Judenbuche“, von der Karen Duve  sich und uns in ihrem Roman „Fräulein Nettes kurzer Sommer“ ein Bild macht. Aber auch diese Frauen waren anders als die anderen: Zippora, „die schwarzhäutige Frau des Moses“, dann Antigone, Judith, Brunhild, die Heilkundlerin und als Hexe bezichtigte Prista Frühbottin, Lore Lay, die Fabrikantentochter und Frauenrechtlerin Lisette Bielstein, die Trümmerfrau Hildrun Tillmanns, die Gastarbeiterin Leyla und die Warhol-Attentäterin Valerie Solanas. Diesen zehn teils historischen, teils sagenhaften Persönlichkeiten setzt Feridun Zaimoglu in seinem Roman „Die Geschichte der Frau“ ein Denkmal. Es sind durchweg starke Frauen, die in beiden Romanen auftreten – und so war es eine durchaus gute Planung, Duve und Zaimoglu zu einer gemeinsamen Veranstaltung aufs „Literaturschiff“ der lit.Cologne in Köln zu bitten.

Als der Abend schon deutlich fortgeschritten war, legte das Schiff am Kölner Pegel ab, um einmal Richtung Rodenkirchen und zurück zu gleiten. Währenddessen gaben die Autoren Auskunft und lasen aus ihren Romanen.

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Karen Duve und Feridun Zaimoglu mit Moderator Christian Schärf (Mitte). Foto: Bücheratlas

Der Droste sei übel mitgespielt worden, befand Karen Duve. Weil: Sie habe nicht dem Rollenklischee entsprechen wollen. Anders als die überwiegende Mehrzahl ihrer adligen Geschlechtsgenossinnen mochte sie sich nicht mit Häkeln, Sticken, Stricken begnügen. Sie wollte mitreden, wenn die Männer sich unterhielten. Aber die Männer waren selten bereit, solche Einmischungen zu akzeptieren. War die Unterordnung der Frau bis dahin durch die Kirche begründet worden („Gott will das so!“), fuhr nun die Aufklärung einige angeblich wissenschaftliche Erkenntnisse auf, warum die überlieferte Ordnung einzuhalten sei.

„Die Männer“, sagt Karen Duve, „hatten Angst vor Annette von Droste-Hülshoff.“ Der Märchensammler Wilhelm Grimm (Jacobs Bruder) habe zu Protokoll gegeben, dass die Droste ihm Alpträume beschere. Vermutlich weil sie ihn, sagt Duve weiter, „mit leichter Aggressivität neckte“. Es sei die Zeit gewesen, als die Männer von den Frauen vor allem diese Reaktion erwartet hätten: „Oh, was seid ihr toll!“ Andererseits – im Jahre 1820 haben sich gleich vier Männer in die kluge Dichterin verliebt.

Feridun Zaimoglus spektakuläre Frauen rebellieren ebenfalls gegen die patriarchalischen Strukturen. Quer durch die Jahrtausende. Auch mit Gewalt. Es ist eine Geschichte des Widerstands, die er erzählt, des Kampfes. Auch dazu lässt sich vieles sagen. Ausführlich äußert sich Zaimoglu in einem Interview, das wir in Kürze auf diesem Blog veröffentlichen. Also – dranbleiben.

Martin Oehlen

Karen Duve: „Fräulein Nettes kurzer Sommer“, Galiani Berlin, 592 Seiten, 25 Euro. E-Book: 22,99 Euro.

Duve

Feridun Zaimoglu: „Die Geschichte der Frau“, Kiepenheuer & Witsch, 400 Seiten, 24 Euro. E-Book: 19,99 Euro.

Zaimoglu

 

 

 

 

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