Immer noch Fanpost für Antonio Machado – Reisenotizen aus Südfrankreich (7)

 

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Der Briefkasten am Grab von Antonio Machado in Collioure müsste mal wieder geleert werden. Foto: Bücheratlas

Den Briefkasten am Grab gibt es tatsächlich. Wir hatten davon gehört. Aber wer glaubt denn so etwas? Antonio Machado, 1875 in Sevilla geboren und für einige der bedeutendste Lyriker Spaniens, liegt in Collioure begraben, nicht allzu weit entfernt von der Grenze seines Heimatlandes. Dieses hatte er, vor Francos Schergen flüchtend, 1939 verlassen. Einen Koffer mit Manuskripten musste er unterwegs zurücklassen, wie es heißt, um seiner alten Mutter auf der Flucht über die Berge zu helfen. Kaum hatten sie Collioure erreicht, starb erst Machado, mutmaßlich erschöpft von den Strapazen, und schon drei Tage später seine Mutter Ana Ruiz. Beide liegen nun an zentraler Stelle des Friedhofs in diesem bunten Küstenort begraben.

Der schwarze Briefkasten, mit einer roten Plastiknelke aufgehübscht, wird immer noch benutzt, um Schriftstücke zu hinterlassen. Wer diese Briefe schreibt, wer sie einwirft, wer diese liest – wir wissen es nicht. Freunde hat der Autor klarer, die Einsamkeit spiegelnder Gedichte gewiss auch heute noch. Die sechs Städte, die sich mit seinem Lebensweg verbunden fühlen, haben sich 2009 zu einem Netzwerk der „ciudades machadianas“ zusammengeschlossen. Wer sie alle besucht hat – nachzuweisen mit Stempeln der Touristenbüros von Sevilla, Soria, Baeza (Jaen), Segovia und Collioure -, der erhält eine Urkunde als „viajero machadiano“ – als Machado-Reisender.

In Deutschland ist Antonio Machado durch den Amman-Verlag bekannt gemacht worden. Mittlerweile vertreibt der S. Fischer Verlag diese Ausgaben des untergegangenen Schweizer Verlags. Darunter auch ein Sammelband mit Aufsätzen und Anmerkungen zum Spanischen Bürgerkrieg. Auf der Suche nach einer Originalausgabe werden wir in Collioure nicht fündig. In der antiquarischen „Librairie bouquiniste“ ist man „desolé“ – aber mit einem einschlägigen Gedichtband kann nicht gedient werden. Wer dennoch in der Rue du Coma Cheric 5 vorbeischaut, wird den freundlichen Besitzer womöglich beim Zeichnen vorfinden: „Ich bereite gerade meinen nächsten Comic-Band vor!“ sagt er und hält die drei, vier Seiten mit den frischesten Tuschzeichnungen vor. Das sei keine Arbeit, meint er, das sei das pure Vergnügen. Das sieht man ihm tatsächlich an.

Martin Oehlen

 

Antonio Machado: „La Guerra – Der Krieg: Schriften aus den Jahren des Spanischen Bürgerkriegs“, dt. von Fritz Vogelsang, Ammann bei S. Fischer,   320 Seiten, 34,95 Euro.

Machado

2 Gedanken zu “Immer noch Fanpost für Antonio Machado – Reisenotizen aus Südfrankreich (7)

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