Mit Petrarca im Liegestuhl – Reisenotizen aus Südfrankreich (4)

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Einladung zum Verweilen im Garten des Petrarca-Museums Fotos: Bücheratlas

Ein Traumort in Fontaine-de-Vaucluse, die formidable Verbindung von Natur und Poesie feiernd, ist das schöne-kleine Petrarca-Museum. In nächster Nähe der lärmenden Sorgue-Quelle, umfangen von Fels und Grün, feiert es den großen Italiener (1304 – 1374). Um kurz vor elf Uhr, als die Sonne schon entschiedene  Wärmesignale aussendet, rückt ein freundlicher Herr, der uns wenig später die Audio-Guides überreichen wird, gusseiserne Stühle und zwei Liegestühle im Garten zurecht, wo das Grün nicht satter, die Rosen nicht rosiger, das aufragende Feldmassiv nicht aufragender sein könnten.  Auf dem Stoff der Liegestühle: „Porträts“ von Petrarca und seiner großen Liebe namens Laura. Ob es die Laura, um die so viele Orte als Heimat konkurrieren, je gegeben hat? Petrarca, der Italiener in der Provence, bestand darauf: seien seine Tränen etwa falsch? Hmm!  Fontaine-de-Vaucluse ist der Ort, wo der Dichter des „Canzoniere“ eine Weile und begeistert gewohnt hat – und wo noch jeder Besucher begreift, dass Petrarcas Schwärmen für diese natürliche Toplage  allzu berechtigt war. Der Großmeister selbst wird auf einer Tafel mit den Worten zitiert: „Es gibt keinen Ort auf der ganzen Welt, der mir lieber wäre als das Vaucluse.“

Das Museum widmet sich auch dem Schriftsteller René Char (1907 – 1988), der nur wenige Kilometer entfernt in L’Isle-sur-la-Sorgue geboren wurde. Im Erdgeschoss sind einige Erstausgaben ausgestellt. Über die Jahrhunderte hinweg verbindet die beiden Dichter die große Liebe zur – nun ja – großen Liebe.

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René Chars Gedichtband „En trente-trois morceaux“ ist 1956 erschienen. Ausgestellt ist er im Erdgeschoss des Petrarca-Museums, wo diverse Erstausgaben von Char zu sehen sind. Foto: Bücheratlas

All das im Petrarca-Museum, das wir nur empfehlen können.

Martin Oehlen

Petrarcas „Canzoniere“ gibt als Reclam-Heft (9,80 Euro) oder als Insel-Ausgabe in der Übersetzung von Karlheinz Stierle (24,90 Euro).

Eine Delikatesse für Fans ist der Prachtband „Petrarca. 1304-1374: Werk und Wirkung im Spiegel der Biblioteca petrarchesca Reiner Speck“, der 2004 im DuMont Buchverlag erschienen ist. Den haben der Kölner Petrarca-Sammler Reiner Speck und Florian Neumann herausgegeben. Aktuell ist das Werk nur antiquarisch zu haben.

René Char: „Rückkehr stromauf“, Gedichte übersetzt von Peter Handke, Suhrkamp, 222 Seiten, 14 Euro.

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