Das Lächeln des Siegers: Tommie Goerz erhält für seinen Roman „Frenzel“ den „Crime Cologne Award 2022“

Tommie Goerz mit Siegerbuch, Trophäe und Preisgeld Foto: Bücheratlas

Tommie Goerz ist glücklich. Das sieht man dem Autor zweifelsfrei an, als ihm für seinen Kriminalroman „Frenzel“ der „Crime Cologne Award 2022“ zugesprochen wird. Die Auszeichnung für Deutschlands „besten Kriminalroman“ erhielt der Franke im Clouth 104 in Köln.

„Frenzel“ erzählt die Geschichte des Ex-Knackis Frenzel, der wegen schwerer Körperverletzung mit Todesfolge zu neun Jahren Gefängnis verurteilt worden war. Jetzt ist er wieder in Freiheit und dank eines Lottogewinns finanziell abgesichert bis an sein Lebensende. Doch Frenzel, das vernachlässigte Kind und der erfolglose Teenager, bleibt auch mit 49 Jahren, was er ein Leben lang war: ein Loser. Dann ereignen sich in seinem Umfeld einige merkwürdige Todesfälle – und der ehemalige Gesetzesbrecher wird zum Privatermittler.

„Ganz a lieber Kerl“

Der Protagonist des siegreichen Romans sei beileibe kein strahlender Held, so Jurysprecher Mike Altwicker. Dennoch habe sich dieser wunderliche, herzenseinsame Frenzel seinen moralischen Kompass bewahrt. Damit habe er sich still und leise in die Herzen der Jurymitglieder geschlichen.

Tommy Goerz – nebenbei noch Mitglied der Band „Hans, Hans, Hans und Hans“ – stellte im Gespräch auf der Bühne eine spezielle Verbindung zwischen dem Buch und dem Ort der Preisvergabe her. Frenzel nämlich habe ein reales Vorbild – einen Freund namens Wolfgang, der in Köln inhaftiert war. Das sei „ganz a lieber Kerl“ gewesen, der „einmal eine Dummheit“ gemacht habe. Die habe sein Leben geprägt.  

Jury-Vorsitzender Mike Altwicker und Preisträger Tommie Goerz Foto: Bücheratlas

Buchhandlung statt Amazon

Sodann bedankte sich der Autor bei seiner Ehefrau („ohne die dieses Buch nicht zustande gekommen wäre“) und seinem Lektor („ich bin ein chaotischer Schreiber“). Auch sagte er noch, was er nach eigenen Angaben bei jedem öffentlichen Auftritt sage: Kauft nicht bei Amazon, sondern lieber beim lokalen Buchhandel. Der liefere ebenfalls sehr schnell und zahle überdies noch reichlich Steuern in diesem Land.  

Für den Gewinner gab es neben der Ehre und der Trophäe auch noch ein Preisgeld in Höhe von 3000 Euro bar auf die Hand. Die weiteren Finalisten der Shortlist waren Martin von Arndt mit „Wie wir töten, wie wir sterben“ (ebenfalls aus dem Verlag ars vivendi), Horst Eckert mit „Das Jahr der Gier“ (Heyne Verlag), Linus Geschke mit „Das Loft“ (Piper), Petra Ivanov mit „Stumme Schreie“ (Unionsverlag) und Jan Costin Wagner mit „Am roten Strand“ (Galiani Berlin).

Stadt Köln fördert weiterhin

Insgesamt 70 Titel hatte die fünfköpfige Jury in den vergangenen Monaten gesichtet. Darunter waren diesmal leider nur wenige Romane von Frauen. Genau genommen: 18 Titel. Das nahm der Jury-Vorsitzende Mike Altwicker zum Anlass, die Verlage aufzurufen, bei den kommenden Einreichungen einen schärferen Blick auf die Schriftstellerinnen zu werfen.

Glücklich waren an diesem Abend auch die Macher der „Crime Cologne“, in deren Rahmen der „Crime Cologne Award“ verliehen wird. Achim Mantscheff, der das Krimifestival gemeinsam mit Verleger Hejo Emons betreibt, teilte in seiner Ansprache mit, dass die Stadt Köln die Fortsetzung ihrer finanziellen Unterstützung zugesagt habe. Was eine gute Nachricht ist in Zeiten der Krise.

Martin Oehlen

Auf diesem Blog

findet sich die Longlist zum Crime Cologne Award des Jahres HIER und die nachfolgende Shortlist HIER.

Bisherige Preisträger

waren 2015 Bernhard Aichner mit „Totenfrau“, 2016 Simone Buchholz mit „Blaue Nacht“, 2017 Gregor Weber mit „Asphaltseele“ – Sonderpreis: Friedrich Ani, 2018 Hanna Coler mit „Cambridge 5“, 2019 Romy Hausmann mit „Liebes Kind“, 2020 Max Annas mit „Morduntersuchungskommission“ und 2021 Joachim B. Schmidt mit „Kalmann“.

Das Preisgeld

in Höhe von 3000 Euro wird vom Kulturamt der Stadt Köln bereitgestellt.

Die Jury

bilden Mike Altwicker (Vorsitz), Carsten Sebastian Henn, Petra Pluwatsch, Birgitt Schippers und Margarete von Schwarzkopf.

Tommie Goerz: „Frenzel“, ars vivendi, 184 Seiten, 20 Euro. E-Book: 14,99 Euro.

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