„Nirgendwo sonst sind die Bedingungen so gut wie in Deutschland, um Gehör zu bekommen“ – Felicitas Hoppe stellt im Literaturhaus Köln ihren Roman „Die Nibelungen“ vor

Felicitas Hoppe gibt Auskunft über die „Hoppe-Werkstatt“. Screenshot: Bücheratlas

Dicht am Wasser gebaut ist Felicitas Hoppes Roman „Die Nibelungen – Ein deutscher Stummfilm“. Das liegt nahe bei einem Stoff, der von der Nordsee bis ans Schwarze Meer führt und zumal an Rhein und Donau spielt. Jetzt erläuterte die Autorin, 2012 mit dem Büchnerpreis geadelt, im Literaturhaus Köln, was es damit auf sich hat – mit dem Roman und mit dem Wasser.

Dabei offenbarte sie, was sie „noch nicht verschriftlicht“ habe, dass ihr Blick auf die Gattungen der Literatur ein wässeriger ist. Das Drama ist für sie wie das Meer – eine Wiederkehr des Immergleichen aufgrund von Ebbe und Flut. Die Prosa, der sie besonders verbunden ist, gleicht in ihren Augen einem Fluss, der sich schlängelnd zu seinem Ziel bewegt. Und die Lyrik ist demnach ein See, der sich der stillen Betrachtung widmet. Was ein weiteres Mal belegt: Wo Felicitas Hoppe am Start ist, darf mit Gewitztheit gerechnet werden.

25 Jahre im literarischen Einsatz

Moderiert wurde der Abend von Christof Hamann, der die Autorin im Wintersemester 2016/2017 zur Poetikdozentur TransLit an der Kölner Universität eingeladen hatte. Damals sprach sie erstmals öffentlich über ihr Nibelungen-Projekt. Dieser „Probelauf“ ereignete sich also vor fünf Jahren. Immerhin schon 25 Jahre ist es her, dass Felicitas Hoppe den Sprung ins Autorinnenleben wagte – mit den grotesken Geschichten ihres Bandes „Picknick der Friseure“.

Um so einen Weg zurücklegen zu können, sei einiges vonnöten, meinte Hoppe. Und sie hob an zu einem kurzen Loblied auf die literarische Lage im Lande: „Nirgendwo sonst sind die Bedingungen so gut, um Gehör zu bekommen – gerade bei einem Programm, wie ich es mache. So kann man 25 Jahre schaffen – vielleicht auch 50 Jahre.“

„Am Ende ein komplettes Gemetzel“

Die Geschichte der Nibelungen, die Felicitas Hoppe nun auf ihre Weise erzählt, ist voller Kniffe und Überraschungen.  Eine Mischung aus mittelalterlicher Sage und zeitgenössischem Bühnenspiel, angesiedelt zwischen der Freiheit im mythologischen Island, „diesem Pippi-Langstrumpf-Land“, und der Strenge in der höfischen Welt zu Worms.

Das ist einerseits amüsant und andererseits bluttriefend. Wer die Guten und wer die Bösen sind, lässt sich nicht genau sagen. Von diesem Schillern komme die Geschichte nicht los, meint Felicitas Hoppe. Auch gebe es in der Überlieferung Unstimmigkeiten zuhauf. Fest stehe nur, „dass alle in diesem Getümmel Verletzungen erleiden“. Und am Ende haben wir dann „ein komplettes Gemetzel“.

Auf den Schultern von Riesen

Mit „Die Nibelungen“ wendet sich Felicitas Hoppe abermals dem Mittelalter zu – nach dem Roman „Johanna“ (von Orléans) von 2006 und dem Kinderbuch „Iwein Löwenritter“ (erzählt nach Hartmann von Aue) von 2008. Es gebe kaum eine größere und populäre Projektionsfläche für das Heute als das Mittelalter, sagt die Autorin: „Keine Epoche, die reicher und voller ist und vor allem mit fantastischen Geschichten gesegneter ist als das Mittelalter.“

Felicitas Hoppe ist bewusst, dass die meisten unserer Geschichten Vorgeschichten haben: „Es gibt nicht viel authentisch Neues.“ Man stehe, wie es so schön heiße, auf den Schultern von Riesen. Schon im Mittelalter habe es die Redewendung gegeben: „Viele haben diese Geschichte vor mir erzählt, aber niemand erzählt sie so gut wie ich.“ Das ist doch mal ein Versprechen.

Martin Oehlen

Auf diesem Blog gibt es eine Besprechung zu Felicitas Hoppes Roman „Die Nibelungen – Ein deutscher Stummfilm“ genau HIER .

In Worms finden die nächsten Nibelungen-Festspiele vom 15. Juli bis 31. Juli 2022 statt. Roger Vontobel inszeniert das von Ferdinand Schmalz ersonnene Königinnendrama der Nibelungen. In der „Hildensaga“ sollen die Frauen, vor allem Brünhild und Kriemhild, im Zentrum stehen.

Felicitas Hoppe: „Die Nibelungen – Ein deutscher Stummfilm“, S. Fischer, 256 Seiten, 22 Euro. E-Book: 18,99 Euro.

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