Die 73. Frankfurter Buchmesse startet: Pandemie sorgt für noch mehr Lust aufs Lesen – aber schon gibt’s neue Sorge

Karin Schmidt-Friderichs ist die Vorsteherin des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels. Die Pressekonferenz auf dem Frankfurter Messegelände wurde live gestreamt. Screenshot: Bücheratlas

Es gibt gute Nachrichten! „Die Buchbranche hat einen der größten Stresstests ihrer Geschichte souverän bestanden“, sagte Karin-Schmidt-Friderichs, die Vorsteherin des Börsenvereins des deutschen Buchhandels, auf der Eröffnungs-Pressekonferenz der 73. Frankfurter Buchmesse am Dienstag. In der Corona-Krise habe sich gezeigt „wie fest das Buch in der Gesellschaft verankert“ sei. Menschen haben demnach die Zeit genutzt, um öfter zu lesen – um Antworten zu bekommen, Ablenkung zu suchen, den Blick zu weiten, Anregungen zu finden.

Starker Anstieg bei jungen Lesenden

Karin Schmidt-Friderichs konnte diesen Trend mit Zahlen belegen. So habe eine GfK-Erhebung ergeben, dass 25% der Leserinnen und Leser im Jahre 2020 häufiger zum Buch gegriffen haben als vor der Pandemie. Besonders stark ist der Anstieg bei den jungen Lesenden zwischen 10 und 19 Jahren – da liegt die Steigerung bei 34 Prozent. Auch in der nachfolgenden Altersgruppe zwischen 20 und 29 Jahren gibt es eine Steigerung um ein Drittel.

Das wirkt sich auch aus auf die aktuelle Umsatzzahlen: Bereits nach den ersten drei Quartalen 2021 liege der Umsatz um 0,7 Prozent höher als im Jahr 2019. Und es kommt halt noch ein wichtiges Quartal.

Allerdings bedeutet das nicht, dass alles goldig aussieht. Bei zahlreichen Buchhandlungen, die sehr viel haben investieren müssen, werden am Ende des Jahres „rote Zahlen“ stehen, sagte Karin Schmidt-Friderichs.

„Fair lesen – Schreiben ist nicht umsonst“

Auch vor diesem Hintergrund kritisierte die Vorsteherin Überlegungen des Bundesrates, in Bibliotheken die E-Book-Ausleihe eines Buches unmittelbar nach dessen Veröffentlichung zu ermöglichen. Schmidt-Friederichs erläuterte im weißen T-Shirt der Kampagne „Fair lesen – Schreiben ist nicht umsonst“, dass Verlage und Autorinnen und Autoren bei einer solchen Regelung auf ihre wichtigste Einnahmequelle verzichten müssten. Dann wäre es zumal vorbei mit den Einnahmen aus Bestsellern, die so wichtig sind fürs Überleben. Ein solches Onleihe-Vorgehen käme einer Quasi-Enteignung gleich. Das könne nicht im Interesse derer sein, die die Stärke des deutschen Buchmarkts bewahren wollen.

Martin Oehlen

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