Einladung in die Cafés von Paris: Murielle Rousseau empfiehlt große Namen und persönliche Vorlieben

Ein Ort mit ziemlich viel Tradition: Das „Café de Flore“ am Boulevard Saint-Germain. Foto: Bücheratlas

Kaffeepreise und ähnliche Banalitäten sucht man vergebens in Murielle Rousseaus wunderbarem Reiseführer „Die Cafés von Paris“. Ach was, Reiseführer! Für Bücher wie dieses gibt es eigentlich keine passende Bezeichnung. Nennen wir es eine Sammlung. Eine Sammlung der Lieblingscafés von Murielle Rousseau, Autorin mehrerer Kochbücher, PR-Frau – und vor allem begeisterte Kaffeehausbesucherin.

54 Cafés, Bars und Bistros, in denen sich herrlich sitzen, schauen, essen und trinken lässt, hat die geborene Pariserin zusammengetragen. Natürlich sind so bekannte Lokalitäten wie das Café de Flore darunter, in dem sich einst die Existenzialisten trafen, um über die Bürde der Freiheit zu diskutieren. Und das trotz seines überteuerten Kaffees bis heute ein Renner ist bei den Touristen. Oder – nur ein paar Schritte weiter auf dem Boulevard Saint-Germain – die Brasserie Lipp mit ihren vielen Spiegeln und den braunen Lederbänken, wo man getrost auch abends um elf noch einkehren kann.

Tische sehen nirgendwo einladender aus als hier

Das „Café Shakespeare & Company“ setzt auch auf geistige Nahrung. Das literarische Angebot zum Getränk ist sogar aktuell und ambitioniert. Foto: Bücheratlas

Doch Murielle Rousseau hat zudem viele weniger bekannte Kleinode der französischen Cafékultur aufgetan. Und von denen erzählt sie mit so viel Wärme, dass man gleich hinfahren möchte nach Paris, um etwa in der Bar de l`Entracte ein Glas Bourgeuil zu trinken und den Schauspielerinnen und Schauspielern zuzuhören, die nach der Vorstellung in der nahen Comédie Francaise hier noch einen Absacker nehmen. Oder um sich im Bistrot du Peintre an den Tresen zu lehnen und die prachtvolle Jugendstileinrichtung zu bestaunen. Schade nur, dass Matthieu, der alte Kellner „mit dem üppigen Schnauzbart, den verschmitzten Augen und dem kleinen runden Bauch über seiner schwarz-weißen Kellnerschürze“, nicht mehr im Dienst ist.

Über jedes Café, jedes Bistro weiß Murielle Rousseau eine kleine Geschichte zu erzählen: über die Menschen, die dort einkehren, berühmte und weniger berühmte. Über die Kellner und Kellnerinnen, die Besitzer und Besitzerinnen. Ein Buch zum Stöbern, das Lust macht auf Paris und diese kleinen runden Tischchen, die nirgendwo so einladend aussehen wie gerade hier, in Frankreichs Hauptstadt der Cafés.

Petra Pluwatsch

Auf diesem Blog haben wir bereits Murielle Rousseaus Spaziergang zu den „Gärten von Paris“ vorgestellt – und zwar HIER .

Murielle Rousseau: „Die Cafés von Paris“, mit Fotografien von Marie Preaud, Insel, 254 Seiten, 14 Euro. E-Book 11,99 Euro.

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