Unterwegs mit Keith Richards, Mao und Schopenhauer: „Gedankenspiele über das Gelingen“ von Michael Köhlmeier

Dieses Frühstücksgesicht ist doch schon mal ganz gut gelungen – oder? Foto: Bücheratlas

Die Gedanken sind frei – und die „Gedankenspiele“, die der Droschl Verlag seit einem Jahr in Serie veröffentlicht, sind es nicht minder. Kurze, luftige und selbstverständlich sehr individuelle Anmerkungen von Schriftstellerinnen und Schriftstellern sind darin versammelt. Bislang haben sich Ilija Trojanow über die Neugier, Eva Menasse über den Kompromiss, Paul Jandl über das Glück, Lotte Tobisch über den Mut, Daniela Strigl über die Faulheit und Ilse Helbich über die Gelassenheit geäußert. Nun ist Michael Köhlmeier mit seinen Gedanken über „das Gelingen“ an der Reihe.

Allerdings geht der österreichische Schriftsteller die Sache nicht theoretisch an, liefert keinen Essay und schon gar keine Anleitung ab, sondern reiht 30 kurze Anekdoten aneinander. Die basieren nicht selten auf Leseerlebnissen. Die auftretenden Personen sind so kunterbunt gemixt wie die Geschichten selbst: Diogenes, Keith Richards, Mao, Rudi Dutschke oder auch Ehefrau Monika Helfer sind nur einige der Protagonisten.

Über Neil Young erfahren wir, dass er der erste gewesen sei, der Barack Obama als Präsidentschaftskandidat der USA vorgeschlagen habe. Die Begegnung des Sängers mit dem Junior Senator aus Illinois im Jahre 2005 ist eine besonders schöne Fundsache in diesem Band. Noch so ein Großer ist Muhammad Ali, der mit einer Zitate-Kaskade gewürdigt wird. Darunter auch dieses: „Es ist nur ein Job. Gras wächst, Vögel fliegen, Wellen spülen Sand weg – ich verprügele Leute.“ Dem größten Boxer aller Zeiten ist das ziemlich oft sehr gut gelungen. Doch nicht immer ist auf Anhieb (aber dann doch) erkennbar, was die jeweiligen Kapitelchen mit dem Gelingen zu tun haben. Dass beim Nachdenken über das Gelingen auch vom Misslingen die Rede sein muss, versteht sich von selbst.  

Einmal heißt es in Zusammenhang mit dem Philosophen Arthur Schopenhauer, „dass eine Geschichte zweitrangig, die Art, wie sie erzählt wird, aber erstrangig ist.“ Dass Michael Köhlmeier ein Meister des Erzählens ist, bestätigt er auch in dieser kleinen Form der „Gedankenspiele“. Einen konzentrierteren Einblick in das Glück und in die Tücke des Gelingens ist derzeit kaum zu finden – auf jeden Fall nicht einer, der so kurzweilig ist.

Schade nur, dass der Band so schnell an sein Ende gelangt. Wer sich anschließend nach noch mehr Lesestoff von Michael Köhlmeier sehnt, muss sich nicht lange kasteien. Schon in wenigen Tagen gibt es mehr davon, viel mehr sogar – dann erscheint sein Roman „Matou“ bei Hanser, und der ist rund 950 Seiten stark.

Martin Oehlen

Auf diesem Blog finden sich zahlreiche Beiträge über Michael Köhlmeier, die sich über die Suchen-Maske aufspüren lassen. Seinen Band „Die Märchen“ haben wir HIER vorgestellt. Eine Buchempfehlung, die Michael Köhlmeier für unseren „Bücheratlas“ geschrieben hat, findet sich HIER.

Michael Köhlmeier: „Gedankenspiele über das Gelingen“, Droschl, 56 Seiten, 10 Euro.

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