Mordfälle in der Weimarer Republik: Thomas Ziebula setzt seine Paul-Stainer-Krimireihe mit „Abels Auferstehung“ fort

Der Erste Weltkrieg – hier ein Bild vom Schlachtfeld in Verdun – hat tiefe Spuren in der Psyche von Paul Stainer hinterlassen. Foto: Bücheratlas

Leipzig im März 1920. Die Weimarer Republik steckt noch in den Kinderschuhen. In den Straßen der Stadt betteln zerlumpte Kriegsheimkehrer um ein paar Pfennige für eine warme Suppe oder den nächsten Schnaps. Kaisertreue schlagen sich mit Kommunisten, während die Faschisten und Antisemiten allmählich aus ihren Löchern kriechen. Es ist eine außer Rand und Band geratene Welt, die Thomas Ziebula in seiner fabelhaften Reihe um den angeschlagenen Leipziger Mordermittler Paul Stainer schildert. Der gerade erschienene Krimi „Abels Auferstehung“ ist der zweite Band der Historien-Serie.  Mit dem ersten – „Der rote Judas“ – landete Ziebula 2020 auf der Shortlist der Crime Cologne.

Auch Stainer ist ein Kriegsgeschädigter, einer, der erfolglos versucht, seine Erinnerungen an die Schlachtfelder Frankreichs wegzusaufen. Abends trinkt er sich ins Koma, tagsüber versucht er zu funktionieren. Der Mord an einem jüdischen Kriegsheimkehrer, den man tot in einem Leipziger Luxushotel findet, stellt ihn und sein Team vor mannigfache Herausforderungen. Warum ist Fritz Sternberg aus Heidelberg nach Leipzig gereist? Wer hat ihm die Wunde auf seiner Stirn beigebracht, die von einem Duell zu stammen scheint? Und wer war der grauhaarige Mann mit dem Kaiserschnauzer und der Pickelhaube, der Sternberg im Hotel besucht hat?

Auch die Journalistin Marlene Wagner recherchiert in einem ungeklärten Todesfall. In Basel ist ein junger Soldat im Rhein ertrunken. In seiner Tasche steckt ein Zigarettenetui, das auf einen Pelzwarenhändler in Leipzig verweist. Marlene Wagner beginnt nachzuforschen, ob der Mann eventuell aus ihrer Heimatstadt stammt. Und bringt sich damit in Todesgefahr.

Ziebula ist ein ambitionierter Erzähler, dem es mühelos gelingt, den Zeitgeist der beginnenden 1920er Jahre einzufangen. Er schildert eine zutiefst verunsicherte Gesellschaft, die hin und hergerissen ist zwischen Aufbruchstimmung und Zukunftsangst. Und die damit umso anfälliger ist für die Verführungskünste vorgeblicher Heilsbringer und knallharter Rechtspopulisten.

„Abels Auferstehung“ knüpft zeitlich an den Vorgängerband an, lässt sich jedoch auch ohne Vorkenntnisse lesen. Der Autor verbindet mehrere Erzählebenen zu einer hochspannenden Geschichte und lässt sie in einem furiosen Finale enden. Fazit: Ein lesenswerter Historienkrimi, bei dem man ganz nebenbei seine Geschichtskenntnisse aufpolieren kann.

Petra Pluwatsch

Thomas Ziebula: „Abels Auferstehung“, Wunderlich, 462 Seiten, 20 Euro. E-Book: 14,99 Euro. 

Eine Besprechung von „Der rote Judas“, dem ersten Band der Paul-Stainer-Reihe, findet sich auf dem Bücheratlas gleich HIER.

2 Gedanken zu “Mordfälle in der Weimarer Republik: Thomas Ziebula setzt seine Paul-Stainer-Krimireihe mit „Abels Auferstehung“ fort

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