Das große Elfenbein-ABC: Der Katalog zur Ausstellung im Berliner Humboldt-Forum ist schon da – die Schau selbst soll bald folgen

Dieser Elefant trägt sein Elfenbein durch Tansania. Foto: Bücheratlas

Wann genau die Ausstellung „Schrecklich schön“ im neuen Berliner Humboldt Forum eröffnet wird, konnte uns in dieser Juni-Woche der freundliche Mitarbeiter des Besucherservices noch nicht sagen. „Mitte bis Ende Juli“, mutmaßte er am Telefon. Aber mitunter könne so etwas auch sehr schnell gehen.

Kaum eine Frage bleibt offen

Wer schon jetzt einen Blick in die Schau zum Thema „Elefant – Mensch – Elfenbein“ werfen möchte, der sei auf den fabelhaften Ausstellungskatalog verwiesen, der vorab im Hirmer Verlag erschienen ist. Das knapp 200 Seiten umfassende Buch, in dem Autorinnen und Autoren aus allen fünf Kontinenten (darunter Nanette Snoep, die Direktorin des Kölner Rautenstrauch-Joest-Museums) zu Wort kommen, lässt kaum eine Frage offen. Das Thema: Das Verhältnis des Menschen zum Elfenbein, jenem kostbaren Material, das von je her Künstlerinnen und Künstler, Schmuckherstellerinnen und Schmuckhersteller inspirierte. Das hoch gehandelt und teuer verkauft wird. Und das Jahr für Jahr rund 20.000 afrikanischen Elefanten das Leben kostet.

Durchschnittlich 45 Kilo wiegt der Stoßzahn eines ausgewachsenen Tieres, wert ist er Tausende von Euro. Was die Faszination von Elfenbein ausmacht, darüber lässt sich nur spekulieren. Vielleicht liege sie ja darin begründet, dass sich in keinem anderen Material, außer vielleicht in Bein, die Ästhetik, aber auch die Kraft des Lebendigen im Toten so widerspiegele wie gerade in diesem Material, spekulieren die deutschen Wissenschaftler Hartmut Dogerloh und Laura Goldenbaum. Im kunstvollen Schnitzwerk offenbarte sich auch der Sieg über die Wildheit, die Zähmung und Indienstnahme der unerschöpflichen Energie dieser für die Menschen fremdartigen Spezies Elefant.“

Bereits vor 40.000 Jahren fertigte der moderne Mensch Werkzeuge aus Mammutzähnen. Immer noch ist die Beliebtheit von Elfenbein weltweit ungebrochen. So wurde Ende des 19. Jahrhunderts im Schnitt 850 Tonnen des begehrten Materials Jahr für Jahr nach Europa und in die USA verschifft, um daraus Messer, Kämme und Billardkugeln herzustellen. Inzwischen ist der Handel mit Elfenbein in Verruf geraten. Unterbunden werden konnte er bis heute nicht, obwohl das Washingtoner Artenschutzabkommen 1989 den grenzüberschreitenden Handel untersagte.

Symbolkraft und Tierwürde

Doch was ist Elfenbein überhaupt? Eine Frage, die im Ausstellungskatalog gleich zu Anfang in einem ausführlichen „Elfenbein-ABC“ beantwortet wird. In den folgenden Kapiteln erfahren wir etwas über die Bedeutung der Elefantenzähne für die Entwicklung des Menschen und die Entstehung der Kunst, über das „Klangobjekt Elfenbein“ und das Statussymbol Elfenbein.

Der zweite Teil ist dem Verhältnis des Menschen zum mächtigsten Landtier der Erde gewidmet. Wir lernen einiges über den Elefanten an sich, über seine Symbolkraft und erfahren, was der Künstler Ai Weiwei zum Thema Tierwürde zu sagen hat. Ein dritter Teil schließlich behandelt die schwierige Frage, ob Museen im 21. Jahrhundert überhaupt noch Gegenstände aus Elfenbein ausstellen dürfen.

Neben den informativen und oft kulturkritischen Texten bietet der Katalog eine Fülle beeindruckender Bilder, die Lust machen auf die erste Sonderausstellung des Humboldt Forums im wiederaufgebauten Berliner Schloss.

Petra Pluwatsch

„Schrecklich schön. Elefant – Mensch – Elfenbein“, hrsg. von Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss, Hirmer, 200 Seiten, 180 Abbildungen, 29,90 Euro.

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