Schluss mit der Nörgelei: Kristof Magnusson stellt seinen Roman „Ein Mann der Kunst“ im Literaturhaus Köln vor

Kristof Magnusson beim Auftritt im Literaturhaus Köln Screenshot: Bücheratlas

Wer alles schlimm finde, der beweise sein kritisches Bewusstsein – eine Weile sei diese Einschätzung weit verbreitet gewesen, meint Kristof Magnusson. Ein solch hyperkritischer Kopf, den Magnusson ins Zentrum seines famosen Romans „Ein Mann der Kunst“ gestellt hat, wird als „Malerfürst“ gefeiert. KD Pratz sei ein „Symbol für genialische Weltabkehr“, sagte Magnusson am Dienstagabend bei der Buchpräsentation im Live-Streaming des Literaturhaus Köln. Leute wie KD Pratz fänden alles gerade so schlimm, dass es noch ein bisschen schlimmer werden könnte. Für diese Haltung würden sie gefeiert.

Beim Nachdenken über Künstler, die alles schlimm finden, kam Magnusson nicht nur auf Günter Grass zu sprechen. Auch gedachte er Thomas Bernhard an dem Tag, an dem der große österreichische Autor 90 Jahre alt geworden wäre. Bei all den Gemeinheiten, die Bernhard formuliert habe, sei immer der Eindruck vorherrschend gewesen: „Die ärmste Wurst ist die, die hier erzählt.“

Magnusson selbst betonte im Gespräch mit Moderator Stefan Koldehoff, dass es einen Unterschied gebe zwischen Nörgelei und kritischem Bewusstsein. Er interessiere sich für eine Sprache, „die nicht so eine kulturpessimistische Nörgelei ist und trotzdem die Probleme benennt“. Auch sei er der Ansicht, dass in der Gesellschaft manches besser geworden sei. Als Beispiele führte er die Homo-Ehe an und das gewachsene Bewusstsein für Rassismus und Sexismus. Deshalb neige er nicht zur Nostalgie – auch wenn er Elvis toll finde und gerade an einem Buch über die Pet Shop Boys arbeite.

Ein munterer Abend im virtuellen Literaturhaus war das. In dessen Verlauf lieferte Magnusson, 1976 in Hamburg geboren, ein Bekenntnis zum Rheinland ab. Die Liebe zur Region habe seine aus Andernach stammende Großmutter geweckt. Nun sagte Magnusson: „Die einzige Landschaft, die mich emotional anrührt, ist der Rhein.“ Wenn er am Strom stehe, sehe er selbstverständlich auch das Profane: die Dönerbude, den Güterzug, die Touristenmassen. Dennoch schwingen in seinem Bewusstsein immer auch Heinrich Heine und die Rheinromantik mit, also dieses ganze Kulturhistorienprogramm. Das beweise ihm die Suggestivkraft von Kunst und Literatur – „sie kann meine Wahrnehmung so sehr prägen, dass die Realität sie nicht kaputtmachen kann“.

Auch KD Pratz, der höchst unterhaltsame Held in „Ein Mann der Kunst“, lebt am Rhein. Er mag zwar ein Nörgler sein, aber er hat Geschmack.

Martin Oehlen

Auf diesem Blog finden sich einige Beiträge von und über Kristof Magnusson. Zuletzt hatte der Autor einen Gastbeitrag für den Bücheratlas im Rahmen unserer Adventsempfehlungen geschrieben – der ist HIER abrufbar. Eine Besprechung des Romans „Ein Mann der Kunst“ gibt es HIER . Außerdem haben wir über Kristof Magnussons Beitrag zur Initiative „Literatur in einfacher Sprache“ geschrieben – und zwar HIER .

Kristof Magnusson: „Ein Mann der Kunst“, Kunstmann, 238 Seiten, 22 Euro. E-Book: 16,99 Euro.

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