Ausflug ins Kaiserjahr (3): Burg Trifels war im Mittelalter die bedeutendste Reichsburg – und dann eine Verlockung für die Nazis

Das „Kaiserjahr“ in Rheinland-Pfalz widmet sich an vielen historischen Orten dem Mittelalter. Im Zentrum steht die Mainzer Ausstellung „Die Kaiser und die Säulen ihrer Macht“. Darüber hinaus gibt es zahlreiche weitere mittelalterliche Stätten. Einige davon wollen wir vorstellen. Diesmal geht es zur:

Burg Trifels

Blick vom Turm der Burg Trifels auf Pfälzer Wald und Annweiler Foto: Bücheratlas

Die deutschen Kaiser und Könige waren einst ständig unterwegs im Reich. Im Frühen und Hohen Mittelalter hatten sie noch keine festen Residenzen, sondern pflegten ihre Herrschaft auf Reisen. Sie kamen dann in sogenannten Pfalzen unter, gesicherten Burganlagen zumeist.

Eine der bedeutendsten unter ihnen ist die Burg Trifels auf dem 500 Meter hohen Sonnenberg bei Annweiler. Im 12. und 13 Jahrhundert wurden hier die Reichinsignien aufbewahrt – Reichskrone, Reichsapfel, Reichsschwert und Reichskreuz (die Originale befinden sich heute in Wien). Diese Kleinodien waren ein Zeichen für die Bedeutung der Reichsburg, aber auch für ihre besonders gesicherte Lage. Wer vom Parkplatz (wo auch ein Bus hält) den Weg zur Burg hochsteigt, wird ermessen können, dass sie nicht so leicht zu erstürmen war. So wurde hier auch im Jahre 1193 – wenngleich nur für einige Wochen – der englische König Richard Löwenherz gefangen gehalten.

Die Burg geriet im Spätmittelalter in Vergessenheit. Zur Zeit des Nationalsozialismus sollte sie dann in eine nationalsozialistische Weihestätte umgebaut werden. Tatsächlich ist die Anlage ausgebaut und nicht zuletzt im Inneren massiv neu interpretiert worden. Der Architekt Rudolf Esterer bekannte sich damit zur „Schöpferischen Denkmalpflege“ und nicht zur gewissenhaften Rekonstruktion. Bemerkenswert ist, dass die Arbeiten über das Kriegsende hinaus fortgesetzt wurden. Allerdings wurde dann – „aus naheliegenden Gründen“, wie es in einer Broschüre der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland Pfalz heißt – auf ursprünglich geplante Neubauten wie die „Ehrenunterkunft für besonders verdiente junge Leute aus der Bewegung“ verzichtet.

Vom Burggelände gibt es einen wunderbaren Ausblick über die Rheinebene und den Pfälzer Wald. Auch auf weitere Burgen in der Nähe – so auf die Ruinen Anebos und Scharfenberg. Angela Kaiser-Lahme, im Bundesland zuständig für alle Burgen, meint, dass diese Burgen untereinander in Kontakt standen, um sich gegenseitig vor Gefahren zu warnen – per Rauch- oder Flaggenzeichen oder wie auch immer. Ein steinernes Sicherheitsnetz.

Martin Oehlen

Die weiteren Beiträge zum Kaiserjahr

Erster Ausflug: Ausstellung „Die Kaiser und die Säulen ihrer Macht“ im Landesmuseum Mainz – HIER

Zweiter Ausflug: Speyer mit Krypta, Judenhof und „Medicus“-Aussellung – HIER

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