Da ist der Wurm drin: Bei „Viral“ reden Autoren über die Pandemie und ihre Internet-Verbindung

2020-05-28 (18)

Kathrin Bach (rechts) – hier mit Moderatorin Isabel Wanger – war die eine Heldin der jüngsten „Viral“-Veranstaltung mit dem Literaturforum im Brecht-Haus in Berlin. Screenshot: Bücheratlas

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Martina Hefter (rechts) war die andere Heldin. Screenshot: Bücheratlas

So etwas kommt selbst nach „über 120 Live-Lesungen“ vor, die das Online-Literaturfestival „Viral“ mittlerweile realisiert hat: Bei der jüngsten Veranstaltung war der Technik-Wurm zu Gast. Als Heldinnen des Abends erwiesen sich Kathrin Bach, die ihre Prosa-statt-Lyrik-Lesung mehrfach beginnen musste, und Martina Hefter, die auf der Suche nach einer akzeptablen Bild- und Tonverbindung bis in ihren Flur vordrang („näher an den Router“) – und dann doch aufgeben musste. Dass sie alle nicht die Nerven verloren haben, auch nicht der im Hintergrund wirkende Mit-Organisator Donat Blum – Respekt!

Ein paar Eindrücke von Autoren-Befindlichkeiten in Corona-Zeiten gab es gleichwohl. Immer dann, wenn die Zoom-Verbindung hielt. So konnte Kathrin Bach doch ihren Eindruck mitteilen, dass durch das Virus unsere Grundangst vor dem Tod , dem eigenen wie dem von anderen, „nach oben gespült“ worden sei.

Sandra Gugic gab inmitten des „Frühlingserwachens der Pandemie“ eine andere Sorge preis: „Macht es noch Sinn, dass mein neuer Roman im Herbst erscheint?“ Immerhin ist „Zorn und Stille“ – ihr zweiter Roman wird bei Hoffmann und Campe veröffentlicht – in Vor-Corona-Zeiten abgeschlossen worden. Und nun ist die Welt doch eine ganz andere. Oder nicht?

Auch Yannic Han Biao Federer fragt sich, was noch gültig sei. In seinem Essay „Nabelschau“, der vom Schreiben handelt und vor der Pandemie abgeschlossen worden ist, plädiert er dafür, dass sich Autorinnen und Autoren den vorhandenen Schablonen und den vorgegebenen Relevanz-Zwängen entziehen sollten. Bloß kein „Thematismus“. Schreiben sei ein störrischer Hund, dem man am besten viel Leine lasse: Der Hund finde Spuren, die vorhanden seien, aber die wir nicht entdeckten, wenn wir uns nur auf den säuberlich angelegten Wegen der Landschaftsgärtnerei bewegten. Schönes Bild. Allein – aktuell gingen eben doch alle Blicke, das stellte Federer im kurzen Nachgespräch klar, in die eine Richtung: Corona sei im Moment „die einzige riesige Fahrbahn“, auf der man unterwegs sei. Den Essay gibt es im Juni in  der Zeitschrift „Sprache im technischen Zeitalter“, später im Blog 54books.de

Ein neue Art des Schreibens hat die in Berlin lebende US-Amerikanerin Andrea Scrima für sich entdeckt – das, was man im Angelsächsischen als „literary non-fiction“ bezeichne. Dabei handele es sich um eine Mischung aus Essay und Autobiografie. Fiktives habe da nichts zu suchen. Für Scrima war und ist es die ideale Form, um den Wurzeln ihrer Familie nachzuspüren. Sie genieße „den Sog des Schreibens“. Dabei thematisiere sie auch die eigene Recherche – inklusive der Trägheit ihres Computers.

Netzprobleme haben  halt viele Nutzer. Und mit „Viral“ geht es am Samstag weiter.

Martin Oehlen

Über „Viral“ haben wir auf diesem Blog schon mehrfach berichtet. Einfach in der Suchmaske Viral eingeben.

 

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