Darwin war begeistert: Die Amazonas-Tagebücher des Naturforschers Henry Walter Bates

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Eine Doppelseite aus dem zweiten Tagebuch Foto: Bücheratlas

„Unbedingt weitermachen“, ermuntert der renommierte Naturforscher Charles Darwin den jungen Kollegen, als der sich resigniert von einem geplanten Buchprojekt verabschieden will. Henry Walter Bates befolgt den Rat des 16 Jahre Älteren: Er schreibt auf, was er während seines elfjährigen Aufenthalts am Amazonas erlebt hat. Und landet damit einen Verkaufsschlager, der ihn auf einen Schlag berühmt macht. Innerhalb weniger Monate verkaufen sich 1250 Exemplare seines 1863 erscheinenden Buches „The Naturalist on the River Amazons“. Darwin wundert das nicht. Er lobt das Werk als „das beste Buch über naturkundliche Reisen, das je in England veröffentlicht wurde“.

Auszüge daraus sind jetzt in deutscher Übersetzung nachzulesen in einem liebevoll aufbereiteten Band, der soeben im Schweizer Haupt Verlag erschienen ist. „Die Amazonas-Tagebücher“ enthalten ausgewählte Passagen aus drei Kapiteln des Werks sowie Passagen aus Bates‘ unveröffentlichten Tagebüchern. All das gibt einen fabelhaften Einblick in das Wirken und Denken dieses außergewöhnlichen Naturforschers. Vor allem die zahlreichen Skizzen und Illustrationen aus der Hand von Bates lassen den Betrachter immer wieder staunen.

Geboren wird Bates am 8. Februar 1825 im englischen Leicester. Der Junge soll Strickwarenhändler werden wie der Vater, doch statt für Wolle und Garne interessiert er sich von Kindheit an für alles, was fliegt und krabbelt. Die Leidenschaft für Insekten teilt er mit seinem Freund Alfred Russell Wallace, einem Lehrer an der Collegiate School in Leicester. Aus dem Hobby wird bald ein Geschäft: 1848 brechen die beiden Freunde nach Brasilien auf, um dort Insekten zu sammeln und in England zu verkaufen.

„Die Eindrücke, die ich während unseres ersten Landgangs sammelte, werde ich nie vergessen“, schreibt Bates in seinem Expeditionsbericht. Und schwärmt vom Sirren der Zikaden, von schrill zirpenden Heuschrecken und infernalisch quakenden Baumfröschen.

Der Freund geht nach vier Jahren zurück nach England, Bates bleibt.  52 Säugetiere, 360 Vögel, 120 Fische, 140 Reptilien, 14.000 Insekten, 33 Mollusken (Weichtiere) und fünf Zoophyten (wirbellose Tiere) sammelt er während seines Aufenthalts im Amazonasgebiet. Der größte Teil seiner Schätze sowie seine beiden Reisetagebücher werden heute im „Natural History Museum“ in London aufbewahrt.

Petra Pluwatsch

„Die Amazonas-Tagebücher ­- Henry Walter Bates‘ Zeichnungen & Reiseberichte“, hrsg. vom Natural History Museum in London, dt. von Wiebke Krabbe, Haupt Verlag, 160 Seiten, 24 Euro.

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