Belgien wird zu Bruegelheim – Auf Bruegels Spuren (4 und Schluss)

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Die Kirche vor den Toren Brüssels, die der Heiligen Anna gewidmet ist, findet sich so oder so ähnlich auf Bruegels Leinwand wieder. Foto: Bücheratlas

Viele Wege führen zu Pieter Bruegel dem Älteren, der vor 450 Jahren gestorben ist. Auch ein Ausflug ins Pajottenland, am Stadtrand von Brüssel gelegen, wird von den Gedenkjahr-Veranstaltern empfohlen. Nicht nur, weil dort Bruegel unterwegs gewesen sein soll. Auch wird versichert, dass die noch heute in herzwärmender Schlichtheit auf sich aufmerksam machende Kirche Sint-Ana-Pede von Bruegel auf seinem Gemälde „Der Blindensturz“ dargestellt worden sei. Parallelen sind tatsächlich vorhanden. Hingegen ist die Wassermühle von Sint-Gertrudis-Pede, die auf gleich zwei Gemälden verewigt sein soll, im Laufe der Jahrhunderte erheblich umgebaut worden, so dass man eine Ähnlichkeit bestenfalls ahnen kann.

Die beiden Bauwerke liegen aktuell an einem mit Kunst-Installationen gespickten Spazierweg, für den man nur den Hinweisschildern „Bruegels Eye“ folgen muss. Der Parcours führt vorbei an Heidschnucken und einer Eisenbahntrasse. Und wenn man vor vier Folterpfählen steht, wie sie auf dem „Triumph des Todes“ zu sehen sind, hat man die eindrucksvollste Kunst-Intervention dieses Rundgangs gesehen.

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Besucher in der Bruegel-Ausstellung des Freilichtmuseums Bokrijk bei Genk. Foto: Bücheratlas

Bruegel allerorten. Das Freilichtmuseum Bokrijk bei Genk, eine Autostunde östlich von Brüssel, gibt konkrete Einblicke in die Lebenswelt jener Jahre. „Es ist so, als würden Sie in die Bildwelt Bruegels eintauchen“, heißt es. Jozef Weynz,  der erste Kurator des weitläufigen Areals, wollte das 1958 eröffnete Museum ursprünglich sogar „Bruegelheim“ nennen. Nun zielt die aktuelle Schau „Bruegels Welt“ auf die ganze Familie. Mit Nachbauten aus Holz und Lehm und mit Animationen zuhauf. Es darf gespielt werden – mal spätmittelalterlich, mal digital.

Am Ende des Rundgangs steht der Besucher dann tatsächlich inmitten des Bruegel-Kosmos – umgeben vom „Kampf zwischen Karneval und Fasten“. Ein gigantischer Spiegel, der schräg im Raum steht, verrückt die Maßstäbe. Irritiert und fasziniert. Die Welt steht Kopf. Wie im wirklichen Leben. Nicht immer. Aber ab und an. Das ist Bruegels Aktualität. Das ist der Grund, warum Belgien, warum zumindest Flandern in diesem Jahr zu Bruegelheim wird.

Martin Oehlen

http://www.ksta.de

Außerdem nachzulesen sind die Bruegel-Beiträge „Rosa Monster im Brüsseler Brotkorb“,  „Lockruf der kaiserlichen Metropole“ und „Faszination in Schwarz und Weiß“.

 

Informationen zu den Ausstellungen, die in dieser und den anderen Folgen erwähnt werden: 

Sammlung der Königlichen Museen der Schönen Künste von Belgien, Regentschapsstraat 3 in Brüssel,  täglich geöffnet außer Montags

„Die große Flucht“ in der Kapellenkirche, Kapellemarkt in Brüssel, bis Ende 2019

„Beyond Bruegel“ im Dynastiegebäude, Kunstberg 5 in Brüssel, bis 31. 1. 2020

„Prints in the Age of Bruegel“, Kulturzentrum Bozar, Ravensteinsstraat 23 in Brüssel, bis 23. Juni 2019

„The World of Bruegel in Black and White“, Königliche Bibliothek, Kunstberg in Brüssel, 15. 10. 2019 bis 16. 2. 2020

„Back to Bruegel“ im Hallepoort, Zuidlaan 150 in Brüssel, 18. 10. 2019 bis 18.10. 2020.

 „Feast of Fools: Bruegel rediscovered“ im Schloss Gaasbeek, Kasteelstraat 40 in Gaasbeek, bis 28. Juli 2019

 „Bruegel’s Eye: Reconstructing the Landscape”, Dilbeek, bis 31. 10. 2019

 „The World of Bruegel“, Freilichtmuseum Bokrijk, Bookrijklaan 1 in Genk, bis 20. 10. 2019

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