Victor Hugo und der deutsche Herzog – Reisenotizen aus Südfrankreich (1)

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Fotos: Bücheratlas

Auf der Weinfelderstrecke zwischen Beaune und Autun, mitten in Burgund,  plötzlich eine Erscheinung bei der Ortsdurchfahrt von Saint-Léger-sur-Dheune: „Lire, c’est voyager“. Quer über die Hauswand der Bibliotheque Municipal geschrieben, in der „Rue du 8  Mai 1945“. Aber das ist doch ein Motto unseres Blogs! DAS Motto sogar. Leider nicht von uns erfunden. Victor Hugo (1802-1885) ist das Zitat zuzuschreiben. Guter Mann! Im Original geht es sogar noch weiter voran in unserem Sinne: „Lire, c’est voyager ; voyager, c’est lire.“ Also – Lesen ist Reisen; Reisen ist Lesen.“ Er selbst reiste dreimal an den Rhein, wovon er in „Der Rhein. Briefe an einen Freund“ berichtet hat. Berühmt bis heute blieb er allerdings mit „Les Misérables / Die Elenden“ und „Der Glöckner von Notre Dame.“

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Honoré Daumiers Karikatur von Victor Hugo ist 1849 in der Satire-Zeitschrift „Le Charivari“ erschienen. Foto: Wikimedia

Das goldene Zitat stammt aus den „Choses vues“, einer nach Hugos Tod veröffentlichten Sammlung von Aufsätzen und Notaten. Darin findet sich  ein lobpreisendes Porträt des Herzogs Karl Bernhard von Sachsen-Weimar-Eisenach (1792-1862), den Hugo 1844 als Freund der Franzosen und als Befürworter der deutsch-französischen Freundschaft kennengelernt hatte. Dabei hatte der Herzog noch 1815 gegen Frankreich gekämpft. In diesem Porträt nun taucht die Zeile auf, die das Lesen als Reisen und das Reisen als Lesen beschreibt. Dass dem so sei, begreife, schreibt Hugo, wer dem geistreichen und gebildeten Deutschen zuhöre, der so viel gereist sei (unter anderem nach Nordamerika) und so viel gelesen habe: „Il a beaucoup voyagé et beaucoup lu. Lire, c’est voyager; voyager, c’est lire. On s’en aperçoit en l’écoutant.“ 

Also reisen wir los – mit der Lesebrille (metaphorisch) durch Südfrankreich. Kurzum: Die Fortsetzung folgt zügig.

Martin Oehlen

 

Victor Hugo: „Der Rhein“, dt. von Annette Seemann, Insel, 110 Seiten, 13,95 Euro.

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