Der Feuerteufel ist ein verklemmtes Kerlchen: Johannes Groschupfs dritter Berlin-Thriller „Die Stunde der Hyänen“

Berlin bei Nacht – das sind der favorisierte Ort und die favorisierte Zeit in Johannes Groschupfs neuem Thriller. Foto: Bücheratlas

Es brennt in Berlin-Kreuzberg. Nacht für Nacht stehen Autos in Flammen: Luxuskarossen, Lieferwagen, abgewrackte alte Möhrchen, denen der TÜV ohnehin bald den Garaus gemacht hätte. Und der Bulli von Radek Malarczyk, dem polnischen LKW-Fahrer, der wenige Monate zuvor im Suff eine junge Frau totgefahren hat. Nur knapp kann er den Flammen entkommen. Seitdem zieht Radek als Wunderprediger in weißer Kleidung durch Kreuzberg, das an schrägen Vögeln wahrlich keinen Mangel hat.

Schlechtes Händchen bei der Partnerwahl

Der Feuerteufel heißt Maurice Jaenisch. Der 21-jährige Postbote ist Mitglied einer obskuren christlichen Sekte, ein verklemmtes Kerlchen, das durch die Brände seine sexuellen Fantasien auslebt. Schon bald rufen seine nächtlichen Aktionen eine selbsternannte Bürgerwehr auf den Plan.

Die junge Polizistin Romina Winter, die von den Kollegen bei der Brandermittlung gemobbt wird, beginnt, undercover zu ermitteln. Dann gibt es da noch die Reporterin Jette Geppert, die sich auf der Suche nach der ganz großen Story ebenfalls die Nächte um die Ohren schlägt. Und ein ausgesprochen schlechtes Händchen bei der Partnerwahl hat. Sie alle gehören zum Kosmos von Johannes Groschupfs neuem Buch „Die Stunde der Hyänen“. 

Blaue Flecken, seelische Beulen

Der Thriller ist bereits der dritte Berlin-Roman des mehrfach preisgekrönten Autors. Für „Berlin Prepper“ erhielt er 2019 den Deutschen Krimipreis und stand auf der Short List zum Crime Cologne Award (das Buch haben wir HIER besprochen). „Berlin Heat“ gelangte 2021 auf Platz zwei des Deutschen Krimipreises. Auch in „Die Stunde der Hyänen“ taucht Groschupf tief ein in die dunklen Seiten der Großstadt. Sein Personal sind die Menschen mit den seelischen Beulen und blauen Flecken. Vom Leben Vernachlässigte, die versuchen, dennoch einen Platz in der Gesellschaft zu ergattern. Berlin ist ein finsterer Ort, ungemütlich am Tag, unheimlich in der Nacht

Mit jedem neuen Brand – schon steht ein Ladenlokal in Flammen – wächst in Kreuzberg die Angst, und die Bürgerwehr gewinnt mehr und mehr an Boden. Der versoffene Radek schwört dem Alkohol ab und wird bei den Anhängern Jahwes zu einem gern gesehenen Gast. Maurice Jaenisch dagegen droht den Kampf gegen seine Dämonen zu verlieren, und Romina Winter steht von Anfang an auf verlorenem Posten.

Sicher durch den Großstadtdschungel

Johannes Groschupf ist ein hervorragender Erzähler und führt seine Leserinnen und Leser sicher durch den Großstadtdschungel. In einer knappen, schnörkellosen Sprache schildert er den Rattenschwanz an Ereignissen und Emotionen, die mit der Brandserie einhergehen. Erst gegen Ende verliert „Die Stunde der Hyänen“ an Kraft, und einige der Figuren agieren psychologisch wenig überzeugend. Das ist ein bisschen schade – tut dem Ruf des Autors als hervorragendem Berlin-Chronisten jedoch keinen Abbruch.

Petra Pluwatsch

Auf diesem Blog

haben wir Johannes Groschupfs Thriller „Berlin Prepper“ HIER vorgestellt.    

Johannes Groschupf: „Die Stunde der Hyänen“, Suhrkamp, 264 Seiten, 16 Euro. E-Book: 13,99 Euro.

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