Ein eiskalter Fall für Detective Kate Linville: Charlotte Link packt viel hinein in ihren neuen Kriminalroman „Einsame Nacht“

Eisige Zeiten für Kate Linville von der North Yorkshire Police in Scarborough Foto: Bücheratlas

Sobald sie einen Roman abgeschlossen habe, denke sie bereits über den nächsten nach, erzählte Charlotte Link der Rezensentin einmal in einem Interview. Spätestens im Januar des kommenden Jahres müsse sie anfangen zu schreiben, um ihr Pensum zu schaffen. Und das ist in der Tat gewaltig: Alle zwei Jahre erscheint ein neuer Roman von Deutschlands wohl erfolgreichster – und diszipliniertester – Gegenwartsautorin. Aus der Feder der gebürtigen Frankfurterin stammen Bestseller wie „Das Haus der Schwestern“ und „Im Tal des Fuchses“. Die Gesamtauflage ihrer Romane beträgt nach Auskunft des Börsenblatts des deutschen Buchhandels rund 25 Millionen Bücher.

Auch ihr jüngstes Werk „Einsame Nacht“, der vierte Band der 2015 gestarteten Kate-Linville-Krimireihe und erst seit wenigen Wochen auf dem Markt, verspricht ein Selbstläufer zu werden. Die Erstauflage von 250.000 Exemplaren war schnell verkauft. Inzwischen ist von einer dritten Auflage die Rede. Selbstredend, dass der knapp 600 Seiten dicke Wälzer sich seit Wochen auf den vorderen Plätzen der Bestsellerlisten behauptet. Nebenbei: Die Gesamtauflage der Reihe beträgt rund vier Millionen verkaufte Exemplare.

Single wider Willen

„Einsame Nacht“ knüpft nahtlos an den 2020 erschienenen Vorgängerband „Ohne Schuld“ an. Die ehemalige Scotland-Yard-Beamtin Kate Linville, inzwischen ein kleines Licht bei der North Yorkshire Police in Scarborough, muss sich auf eine neue Vorgesetzte einstellen, nachdem deren Vorgänger bei einem waghalsigen Einsatz erschossen wurde. Ihr ehemaliger Kollege Caleb Hale hat den Dienst quittiert und jobbt in einer Bar. Keine gute Idee bei einem Alkoholiker. Kate selber ist knapp an einem Disziplinarverfahren vorbeigeschrammt. Außerdem steht Weihnachten vor der Tür, und wenn Detective Sergeant Linville, seit Jahren Single wider Willen, etwas hasst, dann ist es das Fest der Liebe und des Kitsches.

Doch es bleibt wenig Zeit für Selbstmitleid. Wenige Tage vor Heiligabend wird eine junge Frau erstochen in ihrem eingeschneiten Auto aufgefunden. Diane Bristow war auf dem Nachhauseweg von einem Single-Kochkurs. Die Leiterin des Kurses hatte noch gesehen, dass ein fremder Mann Dianes Wagentür aufriss und in ihr Auto stieg. Am nächsten Morgen ist Diane tot, und von dem Unbekannten fehlt jede Spur. Indes: Er hat ein paar Fingerabdrücke hinterlassen, und die wiederum verweisen auf einen mehrere Jahre zurückliegenden Überfall auf den 16-jährigen Alvin Malory. Der übergewichtige Teenager wurde im Haus seiner Eltern fast zu Tode geprügelt und liegt seitdem im Wachkoma.

Die rote Linie

Schon bald überschlagen sich die Ereignisse. Es kommt zu weiteren Todesfällen, eine Leiche verschwindet, eine junge Frau flieht vor einem unbekannten Verfolger, ein Kind wird entführt, Kate landet im Bett von Caleb Hale und, und, und. Langeweile kann man Charlotte Linke Link gewiss nicht vorwerfen. Eher irritiert, dass sie ein bisschen zu viel in diese 600 Seiten hineingepackt hat. Mitunter fehlt die rote Linie, und das ist schade, denn Charlotte Links Name steht für süffige Krimis mit überzeugenden Plots.

Wie es mit Kate Linville und Caleb Hale weitergeht, werden wir vermutlich in zwei Jahren erfahren. Ein weiterer Band der Reihe ist nach Aussage des Blanvalet-Verlags „sehr wahrscheinlich“.

Petra Pluwatsch

Auf diesem Blog

findet sich eine Besprechung von Charlotte Links „Die Suche“ (2018), dem zweiten Fall von Kate Linville – und zwar HIER.

Charlotte Link: „Einsame Nacht“, Blanvalet, 592 Seiten, 25 Euro. E-Book: 21,99 Euro.

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